Belästigung in Kieler Sophienhof Polizei sichert Fotos von Handys zweier Tatverdächtiger

In Kiel sollen junge Männer drei Mädchen bedrängt haben. Nun haben Experten von den Handys der Verdächtigen Fotos gesichert, darunter wohl auch Aufnahmen der betroffenen Teenager.

Stellvertretender Landespolizeidirektor Joachim Gutt
DPA

Stellvertretender Landespolizeidirektor Joachim Gutt


Im Fall der mutmaßlichen Belästigung mehrerer Mädchen in einem Kieler Einkaufszentrum hat die Polizei mögliche Belege für eine Belästigung sichergestellt. Auf den Handys der beiden Hauptverdächtigen hätten Experten "eine Vielzahl von Fotos und Videos" entdeckt, sagte ein Sprecher der Kieler Polizei SPIEGEL ONLINE. Es handele sich dabei um eine riesige Datenmenge.

Unter den Bildern sind offenbar auch Aufnahmen der drei Teenager, die am Donnerstag im Kieler Sophienhof von Migranten bedrängt worden sein sollen. Das sagte Medienberichten zufolge der stellvertretende Landespolizeidirektor Joachim Gutt vor dem Innen- und Rechtsausschuss des Landtags in Kiel. Es müsse nun gerichtsfest geklärt werden, wo genau die Fotos aufgenommen wurden - sie könnten möglicherweise auch von Facebook-Seiten der 15, 16 und 17 Jahre alten Frauen stammen.

Gutt bedauerte demnach, dass die Polizei einen Fehler in ihrer Öffentlichkeitsarbeit zu den Übergriffen gemacht habe. So habe es fälschlicherweise geheißen, es gebe keine Bilder auf den Handys. Er betonte, die Polizei wolle offensiv und proaktiv über Vorfälle informieren, um nicht in den Verdacht des Verschleierns zu geraten.

Als Haupttäter gelten nach Angaben der Polizei ein 19 und ein 26 Jahre alter Asylbewerber aus Afghanistan. Neben ihnen waren nach den Vorfällen noch zwei weitere Afghanen festgenommen worden. Die Verdächtigen sind inzwischen wieder auf freiem Fuß. Mehr als 20 weitere Männer sollen um das Geschehen herum gestanden haben. Auch aus diesem Kreis gab es nach Gutts Angaben sexistische Gesten.

In den vergangenen Tagen hatte die Kieler Polizei zum Teil widersprüchliche Angaben zu den Vorfällen im Sophienhof gemacht. Zwischenzeitlich hatte ein Sprecher unter anderem mitgeteilt, auf den Handys der Tatverdächtigen seien keine Bilder gefunden worden.

Zudem hatte die Behörde den Verdacht, an den Belästigungen seien "20 bis 30 Personen mit Migrationshintergrund" beteiligt gewesen, als vermeintliche Tatsache öffentlich gemacht. Am Dienstag hatte die Behörde diese Darstellung relativiert. (Mehr dazu lesen Sie hier.)

mxw/dpa



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