Ermittlungen in Kiel Ein Panzer im Keller macht Probleme

In Kiel mühen sich Ermittler, einen Weltkriegspanzer aus dem Keller eines verdächtigen Sammlers zu holen. Doch selbst die Bundeswehr kann da so schnell nicht helfen.

DPA

Nur selten kommen Fahnder in eine Situation, in der sie einen Panzer als Beweismittel sicherstellen müssen. Und so war das, was am Donnerstag in dem Ort Heikendorf in der Kieler Bucht passierte, alles andere als Routine.

Seit dem Morgen mühten sich die Ermittler der Kieler Staatsanwaltschaft, einen Weltkriegspanzer aus der Villa eines Sammlers zu holen. Zwei Bergungspanzer der Bundeswehr waren angerückt, um den Koloss (Modell Panther) aus der Kellergarage zu holen. Es sei Millimeterarbeit, sagte ein Sprecher. Bis zum späten Nachmittag dauerten die Arbeiten an.

Waffen, Flak, Torpedo

Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den Sammler wegen eines möglichen Verstoßes gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz. Im Zuge der Ermittlungen wegen nach Jahrzehnten wieder aufgetauchter Nazi-Kunst waren die Behörden auf die Spur des Verdächtigen gelangt.

Der Panzer stand offenbar schon seit Jahrzehnten in seinem Keller. Bei der Durchsuchung des Hauses stellten Ermittler auch einen Torpedo und Waffen sicher. Außerdem soll sich in dem Gebäude ein Flakgeschütz befinden.

Der Mann sagte bereits im Mai dem SPIEGEL, er habe eine große Sammlung ("aber keine Kunst") in einem unterirdischen Bunker auf seinem Grundstück. Dort stehe der Wehrmachtspanzer ("aber kein kompletter"), den er irgendwann einmal als Schrott in England gekauft habe. Alle Waffen hätte er ordnungsgemäß angemeldet.

Der Weltkriegspanzer soll nun mit einem Tieflader zum Bundeswehr-Stützpunkt nach Todendorf gebracht werden. Ein Gutachter hatte das Fahrzeug als Kriegswaffe eingestuft.

Der Anwalt des Beschuldigten wies die Vorwürfe zurück. Der Panzer sei demilitarisiert. Dies gelte auch für die anderen militärischen Gerätschaften.

sms/dpa



insgesamt 54 Beiträge
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Zeitwesen 02.07.2015
1. Bundeswehr
Jo...wenn der Panzer noch fährt kann ihn die Bundeswehr auf jeden Fall gebrauchen. Vielleicht findet man sogar noch ein paar gescheite Gewehre.
großwolke 02.07.2015
2.
Da ist der Amtsschimmel mal wieder so richtig am wiehern gewesen... Wenn die Bundeswehr das Ding mit 2 Bergungspanzern bewegen muss, wie zum Teufel soll der Verdächtige ihn dann mal so eben verschwinden lassen? So wie sich der Artikel liest, hätte er den Beamten zwecks Überprüfung des Gerätes vermutlich bereitwillig die Haustür aufgemacht.
gogo-mani 02.07.2015
3. So sind sie
bei der Staatsanwaltschaft in Kiel. Egal ob einen Haufen Schrott oder hunderte Tiere. Erst einmal beschlagnahmen. Dann sehen wir weiter. Was die Betroffenen angeht, das spielt für die Staatsanwaltschaft keine Rolle. Der Panzer muss raus. Vielleicht wird das Haus beschädigt? Macht nichts, der Bürger zahlt. Tiere werden beschlagnahmt und "notveräußert". Das die Besitzer pleite gehen, macht nichts.
Unternehmerunternimmtwas 02.07.2015
4. Über diesen Mann und seine Sammlung
habe ich schon vor vielen Jahren in der Presse gelesen. Damals ein ironischer Artikel über einen spleenigen Sammler. Heute wird es dann plötzlich alles wieder zu Kriegswaffen hochstilisiert. Seltsamer - gewollter - Gesellschaftswandel findet hier statt. Trotz grundsätzlich pazifistischer Einstellung habe ich doch eher einen nüchternen Blick auf eine solche Sammlung als das was sie ist. Alles was hier gerade läuft, ist eher als krank zu bezeichnen.
gaiusmuciusscaevola 02.07.2015
5. Gott sei Dank!
Man stelle sich vor, der "Waffennarr" wäre mit dem Panzer Amok gefahren. Natürlich erst nachdem er zwei Berge-Leo der BW zur Befreiung aus dem Keller gemietet hätte und auch nur dann, wenn der Panzer (wahrscheinlich ein Nazi-Panzer!) auch noch fahrfähig wäre. Es ist beruhigend zu wissen, wie der Staat Gefahren von seinen Bürgern abwehrt - ohne Kosten und Einsatz zu scheuen! Panzer im Keller! Das geht garnicht!
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