Killerkommando in Duisburg Rache am Weihnachtsmörder

An Weihnachten soll er die Frau eines Clanchefs erschossen haben - nun wurde er selbst von Kugeln durchsiebt: Der Mord an Marco M. und fünf seiner Gefährten in Duisburg soll ein Racheakt gewesen sein. In seiner Heimat San Luca marschieren nun Sicherheitskräfte auf.


Rom - Marco M., eines der Opfer des Duisburger Blutbades, war offenbar das Hauptziel der Killer. Dies hätten die bisherigen Ermittlungen ergeben, berichtete die Nachrichtenagentur Ansa heute. Er werde vom Clan der Strangio-Nirta als einer der Hauptverantwortlichen für die Ermordung von Maria Strangio, 33, angesehen, der Ehefrau vom mutmaßlichen Clan-Chef Giovanni Nirta. Sie war im vergangenen Dezember am ersten Weihnachtstag erschossen worden. Dabei war auch das fünfjährige Kind des Paares verletzt worden, vor das die Frau sich bei dem Angriff schützend gestellt hatte. Als Vergeltung wurde nach Angaben der Polizei dann am 4. Januar ein männliches Mitglied des Pelle-Romeo-Clans in San Luca ermordet.

Noch am vergangenen Samstag, berichtet die italienische Tageszeitung "La Repubblica" auf ihrer Website, sei Marco M. zu einer Unterredung im Polizeipräsidium von Reggio Calabria gewesen. Dort habe die Polizei ihm geraten, nachts nicht aus dem Haus zu gehen und den Umgang mit vorbestraften Straftätern zu meiden. Die Ermittler seien davon ausgegangen, dass M. wegen seiner möglichen Verwicklung in den Mord an Maria Strangio auf der Todesliste des Clans gestanden habe, schreibt die Zeitung. Kurz darauf müsse er dann nach Deutschland gereist sein.

Inzwischen wurden die Spitzen der kalabrischen Polizei aus dem Urlaub zurückgerufen. Sie alle sollen sich an den Ermittlungen beteiligen. In der Geschichte der 'Ndrangheta habe es noch nie einen einzigen Vergeltungsschlag mit so vielen Toten gegeben, hieß es. Warum außer Marco M. fünf weitere Menschen getötet wurden, sei noch unklar. Auch die deutsche Polizei geht aber inzwischen davon aus, dass das Motiv für die Bluttat tatsächlich der Clankrieg ist.

Die Fehde zwischen den Familien Strangio-Nirta und Pelle-Romeo dauert seit 1991 an und wurde durch einen Karnevalsscherz ausgelöst: Damals hatten sich Mitglieder beider Familien mit Eiern beworfen, was in eine wüste Schlägerei ausartete. Die Fehde ist in Italien unter dem Namen "Die Vendetta von San Luca" bekannt.

Aus Angst vor Racheakten nach den Morden von Duisburg wurden die Kontrollen rund um das Dorf San Luca, in dem die Familien leben, drastisch verschärft. Carabinieri und Polizei errichteten Straßensperren um das Dorf in der südlichen Region Kalabrien, wie die italienische Nachrichtenagentur Ansa berichtete.

Die italienische Polizei will heute im kalabrischen Reggio ein Krisentreffen zu den Morden in Duisburg abhalten. Die sechs Italiener im Alter von 16 bis 38 Jahren waren vor dem italienischen Restaurant "Da Bruno" in zwei Autos mit mehr als 70 Schüssen regelrecht hingerichtet worden. Die überwiegend aus Kalabrien stammenden Männer hatten in dem Lokal zuvor den Geburtstag eines 18-jährigen Lehrlings gefeiert, der ebenfalls zu den Opfern gehört.

ffr/dpa/AFP/AP

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