Getötete Journalistin Familie erinnert mit Stipendium an Kim Wall

Kim Walls Eltern wollen mit einem Stipendium die Erinnerung an ihre getötete Tochter bewahren. Unterdessen haben Ermittler die kompletten Vorwürfe gegen Walls mutmaßlichen Mörder Peter Madsen bekannt gegeben.

U-Boot "Nautilus"
SPIEGEL ONLINE

U-Boot "Nautilus"


Die Familie der getöteten schwedischen Journalistin Kim Wall will mit einem Stipendium an die Arbeit der jungen Frau erinnern. "Wir wollen, dass Kim als die großartige Journalistin in Erinnerung bleibt, die sie war, nicht als ein Opfer", erklärten ihre Eltern Ingrid und Joachim Wall.

"Wir können Kim nie zurückbekommen, aber wir können dafür sorgen, dass ihr Geist weiterlebt und andere junge Journalistinnen inspiriert, in die Welt hinauszugehen und wichtige Geschichten zu erzählen, die es nur selten auf die Titelseiten schaffen", hieß es in einer Mitteilung der Familie.

Die Angehörigen haben einen Fonds ins Leben gerufen und wollen an eine junge weibliche Journalistin ein Stipendium über 5000 US-Dollar vergeben.

Wall war im Sommer während einer Recherche über den dänischen Erfinder Peter Madsen und dessen U-Boot getötet worden. Madsen ist wegen Mordes angeklagt. Wie aus der nun veröffentlichten Anklageschrift hervorgeht, soll er Wall nach Ansicht der Staatsanwaltschaft misshandelt und gefoltert haben, bevor er sie an Bord seines U-Bootes ermordete.

Die wesentlichen Punkte der Anklage waren bereits in der vergangenen Woche vorgestellt worden. Damals hatten die Ermittler mitgeteilt, der Mord sei geplant und vorbereitet gewesen. In der Anklage führen sie das weiter aus: Der 47 Jahre alte Madsen habe unterschiedliches Werkzeug mit an Bord des U-Bootes genommen, darunter eine Säge, Messer und spitze Schraubenzieher. Er habe die 30-jährige Schwedin an Kopf, Armen und Beinen gefesselt, sie geschlagen, auf sie eingestochen und sie dann getötet.

Prozess gegen Madsen beginnt am 8. März

Die Journalistin war am 10. August 2017 für eine Recherche mit Madsen an Bord der "Nautilus" gegangen. Ihr Torso wurde zehn Tage nach Madsens Festnahme südöstlich von Kopenhagen angeschwemmt. Nach und nach zogen dänische Ermittler daraufhin weitere Teile der zerstückelten Leiche aus der Køge-Bucht südlich von Kopenhagen.

Wie genau Wall an Bord des U-Boots "Nautilus" zu Tode kam, ist laut Staatsanwaltschaft unklar. Sie könne aber erdrosselt worden sein oder ihr könne die Kehle aufgeschnitten worden sein, hieß es.

Madsen bestreitet, Wall ermordet zu haben. Auch Missbrauch weist er zurück. Der 47-Jährige spricht von einem Unfall an Bord des U-Bootes, hat aber inzwischen zugegeben, die Leiche danach zersägt und über Bord geworfen zu haben. Madsen hat widersprüchliche Versionen darüber verbreitet, was an Bord des U-Boots geschah. Er hatte unter anderem behauptet, Wall sei ein Lukendeckel auf den Kopf gefallen- die Polizei fand dafür am Schädel jedoch keine Spuren. Zuletzt soll er von einem Unterdruck und Abgasen in der Luft an Bord des U-Boots gesprochen haben.

Die Staatsanwaltschaft verlangt für Madsen lebenslange Haft oder Sicherungsverwahrung. Der Prozess beginnt am 8. März in Kopenhagen. Ein Urteil wird für den 25. April erwartet. Das beschlagnahmte U-Boot soll laut Anklage abgewrackt werden.

ulz/dpa

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