Todesfall Kim Wall Dänischer Verlag zieht Buch über Todesfahrt der "Nautilus" zurück

Ein dänischer Verlag hat mit der Veröffentlichung von Büchern über den Tod der Journalistin Kim Wall begonnen. Dabei hat die Verhandlung gegen den verdächtigen U-Boot-Bauer noch nicht mal begonnen. Die Empörung ist groß.

Kim Wall
AFP/ Tom Wall

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Kim Wall ist noch keine fünf Monate tot, da hat der dänische Verlag Saxo unter dem Titel "Das U-Boot-Mysterium" bereits eine Reihe an Publikationen über den Tod der schwedischen Journalistin produziert. "Eine Serie über die 'Beerdigung' im Öresund" lautet der Untertitel der e-books und Hörbücher.

In den sozialen Netzwerken machte sich daraufhin Empörung breit. Auf Saxos Facebook-Seite wurde dem Verlag mit dem Projekt etwa "Sensationshascherei" vorgeworfen, um Profit zu machen. "Denkt doch an Kims Familie", schrieb ein Nutzer. Ein anderer glaubte zunächst an einen schlechten Scherz des in Dänemark renommierten Verlags.

Die 30-jährige Journalistin Wall hatte über Madsen schreiben wollen und das vom Tüftler selbst gebaute U-Boot "Nautilus" im August betreten. Kurze Zeit später wurden ihr Kopf, ihre Beine und Arme mit einer Säge abgetrennt. Ihr Torso wurde zehn Tage nach Madsens Festnahme südöstlich von Kopenhagen angeschwemmt. Nach und nach zogen dänische Ermittler daraufhin weitere Teile der zerstückelten Leiche aus der Køge-Bucht südlich von Kopenhagen.

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Die Journalistin und der Erfinder: Der Fall Kim Wall

Nach dem Erscheinen der ersten Ausgabe der Buchreihe am 27. Dezember hat Saxo nun reagiert und die Veröffentlichung des von Thomas Djursing verfassten Werks vorerst gestoppt. Der erste Teil wurde zurückgezogen, die weiteren Ausgaben werden laut Djursing "auf Stand-by" gesetzt.

Aufgeben will Verlagsgründer Jørgen Balle Olesen das Projekt aber nicht. Das Buchformat sei für solch einen Fall die richtige Form, sagte er dem Sender Danmarks Radio. "Thomas Djursing kann mit seinem einzigartigen Wissen ein stärker nuanciertes und facettenreicheres Bild zeichnen, als man es durch fragmentarische Überschriften in den Zeitungen und kurze TV-Interviews kann."

"Womöglich in unserer Naivität" habe Saxo solch ein Format bereits für relevant gehalten, sagte Verleger Olesen dem Sender zufolge. Er habe aber einsehen müssen, dass das Projekt auf großen Widerstand gestoßen sei, "sodass wir die Serie nicht jetzt veröffentlichen werden".

Zuvor hatten sich mehrere Presseethikexperten im staatlichen Rundfunk verwundert über den Erscheinungstermin geäußert. Medienjuristin Vibeke Borberg verwies darauf, dass neue Erkenntnisse möglich seien, solange die Ermittlungen liefen. "Darüber hinaus kann es in Bezug auf Aspekte der Gefühle und Unwohlsein ein Problem geben."

Autor Djursing arbeitet für die dänische Fachpresse und hat über den dänischen Tüftler und U-Boot-Bauer Peter Madsen bereits zahlreiche Artikel verfasst.

Madsen wird vorgeworfen, die Frau umgebracht und zerstückelt zu haben. Anschließend habe er das Boot versenkt. Der 46-Jährige selbst spricht von einem Unglück - präsentierte aber bislang widersprüchliche Versionen darüber, was an Bord des U-Bootes geschah. Er hatte unter anderem behauptet, Wall sei ein Luk auf den Kopf gefallen - die Polizei fand dafür am Schädel jedoch keine Spuren. Zuletzt soll er von einem Unterdruck und Abgasen in der Luft an Bord des U-Boots gesprochen haben.

Der Strafprozess gegen Peter Madsen beginnt am 8. März.

apr

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