Todesfall Kim Wall Erfinder Peter Madsen hatte Hinrichtungs-Videos auf dem Rechner

Der wegen des gewaltsamen Todes von Kim Wall in U-Haft sitzende Tüftler Peter Madsen ist bei einer Anhörung schwer belastet worden. Die Ermittler machten im Torso der schwedischen Journalistin 15 Stichwunden aus.

Peter Madsen
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Der dänische U-Boot-Bauer Peter Madsen bleibt wegen des Todes der 30-jährigen Journalistin Kim Wall in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft hat den Erfinder bei einer Anhörung vor dem Kopenhagener Amtsgericht schwer belastet.

Madsen hatte demnach Videos von Hinrichtungen auf einer Festplatte gespeichert. Mit großer Wahrscheinlichkeit seien diese Filme, in denen Frauen gehängt und verbrannt würden, echt, teilte die Staatsanwaltschaft bei einer Anhörung zur Untersuchungshaft des Erfinders mit.

Im Torso der schwedischen Journalistin entdeckten die Ermittler eigenen Angaben zufolge zudem mindestens 15 Messerstiche. "Die Verdachtsmomente haben sich erheblich verschärft", sagte Staatsanwalt Jakob Buch-Jepsen laut Danmarks Radio (DR). DNA-Spuren von Wall wurden demnach unter anderem unter den Fingernägeln des 46-Jährigen sichergestellt, an einem Taucheranzug auf dem U-Boot habe sich Muskelgewebe befunden.

Praktikanten mit Zugriff auf den Rechner?

Dennoch steht die genaue Todesursache der schwedischen Journalistin Wall laut Staatsanwaltschaft immer noch nicht fest. Klar ist laut Obduktion nur: Wall waren Kopf, Beine und Arme mit einer Säge abgetrennt worden. Ihr Torso wurde zehn Tage nach Madsens Festnahme südöstlich von Kopenhagen angeschwemmt.

Madsen wird beschuldigt, Wall am 10. oder 11. August an Bord seines selbst gebauten U-Bootes getötet zu haben. Er selbst streitet die Tat ab und gab an, der Frau sei ein rund 70 Kilo schweres Luk auf den Kopf gefallen. Ihr Tod sei ein Unglück gewesen - Madsen räumte lediglich die Leichenschändung ein.

Zu den Videos sagte Madsen in der Anhörung, an der er laut DR mit seiner Anwältin per Videoschalte aus dem Gefängnis teilnahm, es hätten auch andere Menschen auf die Festplatte zugreifen können. "Ich bin nicht der Einzige mit Zugang zu dem Rechner, das haben beispielsweise auch Praktikanten", verteidigte sich Madsen laut DR.

Anwältin Betina Hald Engmark sagte demnach zudem: "Wir haben um eine Rekonstruktion der Vorfälle auf dem U-Boot gebeten, aber das wurde bislang nicht in Angriff genommen." Es bestehe weiterhin die Möglichkeit eines Unfalls.

Ob die Ermittler ihm die Tötung nachweisen können? Laut Gerichtsbeschluss bleibt Madsen nun erst mal mindestens bis 31. Oktober in Untersuchungshaft.

apr/dpa/AP



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