Getötete Journalistin Kim Wall Rechtsmedizinerin widerspricht Peter Madsen

Im Prozess um den Tod Kim Walls hat eine Rechtsmedizinerin die Angaben des angeklagten Peter Madsen angezweifelt. Die Journalistin lebte demnach womöglich noch, als der Tüftler auf seinem U-Boot auf sie einstach.

Amtsgericht in Kopenhagen
REUTERS

Amtsgericht in Kopenhagen


Im Kopenhagener Mordprozess gegen Peter Madsen hat eine Rechtsmedizin erhebliche Zweifel der Darstellung des dänischen U-Boot-Bauers zum Tod Kim Walls geäußert. Einige Stichwunden deuteten darauf hin, dass die schwedische Journalistin möglicherweise noch am Leben gewesen sei, als Madsen auf sie eingestochen habe, sagte Christina Jacobsen.

"Wenn die Stiche erst vier Stunden oder mehr nach dem Einsetzen des Todes erfolgt wären, wäre kein Blut aus dem Gewebe ausgetreten", sagte Jacobsen dem Sender Danmarks Radio (DR) zufolge am dritten Prozesstag. Die Boulevardzeitung "BT" zitiert sie mit den Worten: "Durch eine Mikroskopuntersuchung konnte bei einer Stichwunde noch ein Blutfluss nachgewiesen werden. Das kann bedeuten, dass es noch immer eine Zirkulation gab."

Madsen hatte zuletzt ausgesagt, die Journalistin sei an Bord seines selbst gebauten U-Bootes "Nautilus" erstickt. Er habe Walls Leiche erst sieben Stunden später zerteilt - um sie über Bord werfen zu können. Dies war bereits seine dritte Version der Geschehnisse. Madsen gab zudem an, bloß auf Wall eingestochen zu haben, um Gase aus ihrem Körper entweichen zu lassen.

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Kopenhagen: Der Prozess gegen Peter Madsen

Rechtsmedizinerin Jacobsen stellte den Berichten zufolge nun fest, dass die Stichwunden dazu nicht geeignet gewesen seien. Einige Verletzungen seien ihr zugefügt worden, als sie noch lebte, höchstens aber eine Stunde nach ihrem Tod.

Staatsanwalt Jakob Buch-Jepsen wirft Peter Madsen in dem Prozess vor dem Kopenhagener Amtsgericht vor, die Journalistin brutal missbraucht, ermordet und zerteilt haben. Er vermutet ein pervers-sexuelles Motiv hinter der Tat. Der 47-jährige Angeklagte spricht dagegen weiterhin von einem Unfall - und räumt bislang nur die Zerstückelung der Leiche ein.

Die genaue Todesursache konnten auch Rechtsmediziner nicht feststellen, auch weil die Leichenteile sehr lange im Wasser gelegen hatten. Laut Anklage soll Madsen Wall entweder erdrosselt oder ihr die Kehle durchgeschnitten haben. Forensikerin Jacobsen hält laut DR beide Varianten für möglich - die genaue Todesursache kennt bislang aber wohl nur Peter Madsen.

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apr/dpa

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