Verschwundene Journalistin Verschollen in der Køge-Bucht

Ein gesunkenes U-Boot, ein exzentrischer Tüftler, eine verschwundene Reporterin - der Fall aus Dänemark klingt wie Fiktion. Doch inzwischen gibt es kaum noch Hoffnung, dass die Journalistin lebt.

AFP

Von Eva Gemmer


Alles begann mit einer Idee. Die schwedische Journalistin Kim Wall wollte Peter Madsen porträtieren, den dänischen Bastler, der 2008 mit der "UC3-Nautilus" das größte je von einer Privatperson gebaute U-Boot der Welt konstruierte. Vor eineinhalb Wochen, am 10. August, traf sich Wall mit dem 46-Jährigen auf ebenjenem U-Boot - und ward seitdem nicht mehr gesehen.

Wahrscheinlich weiß niemand genau, was mit ihr passiert ist. Niemand außer Peter Madsen. Der sitzt wegen eines mutmaßlichen Tötungsdelikts in Untersuchungshaft. Er bestreitet den Vorwurf, hat aber offenbar nur nach und nach seine Version der Abläufe rausgerückt.

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Tüftler unter Verdacht: Peter Madsen und die Reporterin

Feststeht: Als das U-Boot am 11. August in der Køge-Bucht südlich von Kopenhagen unterging, war Madsen allein an Bord. Nach seiner Rettung geriet er schnell unter Verdacht und wurde noch am selben Tag festgenommen. Die Familie der schwedischen Journalistin hatte eine Vermisstenmeldung aufgegeben, weil Kim Wall nicht von ihrem Treffen mit Madsen zurückgekehrt war. In den Gewässern vor der dänischen Hauptstadt Kopenhagen ist am Montag die Leiche einer Frau geborgen worden. Das teilte die Polizei in Kopenhagen am Abend auf Twitter mit. Ob es sich um die seit elf Tagen vermisste Kim Wall handelt, wurde zunächst nicht mitgeteilt.

Laut Polizei behauptete der Verdächtige zunächst, er habe Wall am Abend des 10. August auf der Insel Refshaleøen im Kopenhagener Hafengebiet abgesetzt. Eine Richterin verhängte dennoch eine 24-tägige Untersuchungshaft.

Schon in seiner Anhörung zur U-Haft, dem "Grundlovsforhør", soll Madsen laut Danmarks Radio eine andere Version präsentiert haben. Dass diese nun bekannt wurde, hängt mit dem Antrag von Staatsanwaltschaft und Verteidigung zusammen, dass zumindest Teile des Falls öffentlich gemacht werden.

Madsens Aussage zufolge kam es zu einem "Unfall an Bord", bei dem Walls gestorben sein soll. Er habe die Leiche daraufhin an einem nicht genau genannten Ort in der Køge-Bucht im Wasser "bestattet".

Zweifel an dem Grund für den Untergang

Vor seiner Festnahme hatte Madsen noch mit dänischen Medien gesprochen: Im U-Boot sei es zu Problemen mit einem Ventil des Ballasttanks gekommen, erklärte er der Zeitung "Berlinske". Blitzschnell sei alles gegangen, innerhalb von 30 Sekunden sei das Boot voller Wasser gewesen und daraufhin gesunken.

Ein Zeuge will jedoch beobachtet haben, wie Madsen bis zuletzt im Turm des U-Boots gestanden habe. Er sei sogar noch einmal nach unten gegangen, ehe es gesunken und Madsen zu einem anderen Boot geschwommen sei.

Die Kopenhagener Polizei geht inzwischen davon aus, dass der Konstrukteur seine eigene Schöpfung absichtlich versenkte: "Es sieht danach aus, als stehe hinter dem Sinken des U-Boots eine bewusste Handlung", sagte Kriminalermittler Jens Møller laut dem Sender TV2.

Am Samstag war das gesunkene U-Boot aus sieben Meter Tiefe geborgen und in den Hafen gebracht worden. Techniker untersuchten das Gefährt, konnten jedoch nichts finden: "Kein Mensch war an Bord, nicht lebend und nicht tot", sagte Møller.

Die Suche nach Kim Wall dauert an. Dänische und schwedische Behörden haben laut Danmarks Radio inzwischen die Route ermittelt, die das U-Boot genommen haben soll. Taucher suchen entlang des Weges den Meeresboden ab.

Madsen ist laut seiner Anwältin Betina Hald Engmark froh, dass seine Aussage an die Öffentlichkeit gelangt ist. "Das hatte er sich von Anfang an gewünscht", so die Juristin. Hinweise auf ein Motiv für die mögliche Tötung gibt es bislang nicht.

In der dänischen Öffentlichkeit gibt es nur noch wenig Hoffnung, dass Wall am Leben ist. Sie habe an vielen gefährlichen Orten gearbeitet, teilte ihre Familie der Nachrichtenagentur AP mit. Dass ihr nur wenige Kilometer von ihrer Heimat entfernt etwas zustoßen könnte, sei unvorstellbar gewesen.

Mitarbeit: Alexander Preker



insgesamt 8 Beiträge
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Seite 1
Rinaldo R. 21.08.2017
1. Ich
habe von Anfang an so eine dunkle Ahnung, als hätte die ganze Geschichte einen sexuellen Hintergrund. Vielleicht wollte der U-Boot Kapitän etwas von der Journalistin, so eingeschlossen im stähleren Sarg, das sie nicht bereit war ihm zu geben und es kam zu einer tödlichen Eskalation. Aber das ist nur meine Spekulation in diesem seltsamen Fall.
der_weisse_wal 21.08.2017
2.
Zitat von Rinaldo R.habe von Anfang an so eine dunkle Ahnung, als hätte die ganze Geschichte einen sexuellen Hintergrund. Vielleicht wollte der U-Boot Kapitän etwas von der Journalistin, so eingeschlossen im stähleren Sarg, das sie nicht bereit war ihm zu geben und es kam zu einer tödlichen Eskalation. Aber das ist nur meine Spekulation in diesem seltsamen Fall.
Ziemlich leichtfertige Spekulation.
TS_Alien 21.08.2017
3.
Leider ist es im Strafrecht so, dass ein Täter oder Mittäter, der absichtlich Spuren beseitigt (z.B. die Leiche verschwinden lässt), alle denkbaren Vorteile daraus zieht. Es müsste genau andersherum sein.
Thomas Schröter 21.08.2017
4. Uboote und Raketen aus einer Hand wecken immer Interesse.
Zitat von Rinaldo R.habe von Anfang an so eine dunkle Ahnung, als hätte die ganze Geschichte einen sexuellen Hintergrund. Vielleicht wollte der U-Boot Kapitän etwas von der Journalistin, so eingeschlossen im stähleren Sarg, das sie nicht bereit war ihm zu geben und es kam zu einer tödlichen Eskalation. Aber das ist nur meine Spekulation in diesem seltsamen Fall.
Mal abgesehen von der Tatsache, das es für robuste Uboote dieser Größen- und Preisklasse immer einen sehr lukrativen Markt (insbesondere in Süd- + Mittelamerika) gibt - hört sich ihre Version erstmal plausible an. Ein Gefühl dafür welche Regionen verstärktes Interesse zu welchen Zeitpunkten an dieser Geschichte entwickelten vermittelt auch die Entstehungsgeschichte des Wikipedia-Artikes. Auf Wikipedia entstand der ukrainisch-spachige Artikel zum UC3 Nautilus im gleichen Jahr wie der englisch Sprache 2010. 2013 kam dann die Farsi Version und 2017 die spanische Version hinzu. Ich denke aber, daß Peter Madsen an dem Boot nicht nur als Liebhaberobjekt getüftelt hat. Wenn dem so ist und es Kunden gab mit besonderen, etwaig geheim zu haltenden Interessen, dann kann es durchaus sein, daß diesen Kunden die körperliche Unversertheit von Journalistinnen mit ebenfalls nicht ganz klarer Legende, nicht so wichtig war.
doskey 21.08.2017
5. CSI: Spiegel Online
Ganz ehrlich, will/soll/muss man das kommentieren? Sicherlich ein abstruser Fall, aber kein Forist hier wird mehr wissen als die Polizei.
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