Kinderporno-Prozess: Oberfeldwebel legt Geständnis ab

Die neun Angeklagten im Kinderporno-Prozess sollen jahrelang einschlägige Bilder und Filme getauscht haben. Nun gestand Soldat Frank J. vor dem Darmstädter Landgericht: Er habe zahlreiche Internet-Plattformen aufgebaut.

Prozess in Darmstadt: Ein Angeklagter verbirgt sein Gesicht hinter einer Aktenmappe Zur Großansicht
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Prozess in Darmstadt: Ein Angeklagter verbirgt sein Gesicht hinter einer Aktenmappe

Darmstadt - Im Prozess gegen einen mutmaßlichen Kinderpornografie-Ring hat ein Oberfeldwebel der Bundeswehr über pädophile Plattformen im Internet berichtet. Auf meist ausländischen Servern fänden zutrittsberechtigte Nutzer Links zu Bildern und Videos, die missbrauchte Kinder zeigen und unterschiedlichste Vorlieben bedienten, sagte der 33 Jahre alte Soldat Frank J. aus Schwerin. Er selbst habe als Administrator jahrelang solche abgeschotteten Plattformen aufgebaut.

Die von ihm mit eingerichteten Communitys hätten Namen wie "Zauberwald" oder "Sonneninsel" getragen, sagte Frank J. Mindestens drei der anderen Angeklagten habe er so im Internet kennen gelernt.

Die neun in Darmstadt vor Gericht stehenden, 31 bis 58 Jahre alten Männer wurden im September 2009 festgenommen, sechs von ihnen sind seitdem in Haft. Fast alle haben Geständnisse angekündigt. Laut Anklage tauschten die Männer im Internet auf abgeschotteten Servern mit rund 500 Nutzern Links und Dateien aus, die missbrauchte Kinder und Säuglinge zeigten.

Foren hatten täglich über 4000 Benutzer

Als Administrator habe Frank J. versucht, die Foren "komplett auszustatten", berichtete der Feldwebel. Installiert habe er Räume wie "Nachrichten", "FAQs" und "Chat". Web-Adressen, die zu Dateien mit kinderpornografischem Material führten, hätten User im Raum "Postamt" ablegen oder kopieren können. Je Board habe er täglich über 4000 verschiedene Benutzer registriert.

J. pflegte im Netz nach eigenen Angaben regelmäßigen Kontakt zu anderen Pädophilen, unterhalten habe man sich auch über Skat oder Fußball. Er habe sich keine Gedanken gemacht, wie die Bilder von missbrauchten Kindern entstanden waren, sagte der Feldwebel auf Nachfrage des Gerichts.

Im "Postraum" hätten sich Pädophile nach Kategorien wie Girls, Boys, Hardcore oder "Sicko" bedienen können. Bei "Sicko" konnten sich Pädophile auch Vergewaltigungsfotos besorgen, wie Staatsanwalt Rainer Franosch erklärte.

Zwei weitere Angeklagte gestanden bereits, selber dutzendfach Kinder missbraucht zu haben. Einer von ihnen ist der 57 Jahre alte Ludger G. Er räumte den mehr als 20-fachen sexuellen Missbrauch dreier Kinder ein.

Verteidiger wollten Verfahren einstellen lassen

Am Donnerstagmorgen hatte der Anwalt eines Mönchengladbacher Angeklagten einen Antrag auf Einstellung des Verfahrens gestellt. Ermittlungsergebnisse der Landeskriminalämter (LKA) und des Bundeskriminalamts seien auf illegalem Weg gewonnen worden. Der Verteidiger des mutmaßlichen Haupttäters Ludger G. aus Wald-Michelbach schloss sich dem Antrag seines Kollegen an.

Das niedersächsische LKA habe im September 2008 von einem Informanten einen Hinweis auf strafbare Aktivitäten von Pädophilen im Internet bekommen, führte der Mönchengladbacher Verteidiger aus. Die Ermittlungen seien anschließend nicht ausreichend dokumentiert worden und erfüllten überdies den Straftatbestand des Ausspähens von Daten. Auch fehle in den Akten jede Information über den Hinweisgeber. Die Ermittlungsergebnisse seien somit unrechtmäßig zustandegekommen und prozessual nicht verwertbar.

Das Gericht lehnte die Anträge der Verteidigung auf Einstellung des Verfahrens ab. Die vorgebrachten Argumente der Anwälte seien "nicht gewichtig" genug, befanden die Richter.

Im ersten Anlauf war der Kinderporno-Prozess nach vier Sitzungen wegen Befangenheit einer Schöffin geplatzt. Die Besetzung des Gerichts war in der zweiten Auflage des Verfahrens erneut Gegenstand der Kritik der Verteidiger gewesen. Die Anwälte monierten, sie seien über die Benennung der zwei nun ausgetauschten Schöffen zu spät informiert worden. Einer der beiden ehrenamtlichen Richter ist ein pensionierter Polizist. Diese Besetzung sei problematisch und bedürfe der Überprüfung, argumentierten die Verteidiger und forderten eine einwöchige Prozessunterbrechung.

Diesen und alle anderen Anträge, die zu einer Verzögerung des Verfahrens geführt hätten, lehnte das Gericht ebenfalls ab.

bac/dapd

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