Großbritannien Polizei nimmt Hunderte mutmaßliche Pädophile fest

Mehr als 400 Kinder wurden in Sicherheit gebracht, 660 Verdächtige festgenommen: In einer groß angelegten Aktion ist die britische Polizei gegen Kinderpornografie vorgegangen.

Die National Crime Agency in London: Ermittler nehmen 660 mutmaßliche Pädophile fest
Getty Images

Die National Crime Agency in London: Ermittler nehmen 660 mutmaßliche Pädophile fest


London - Die britische Polizei hat in den vergangenen sechs Monaten 660 Menschen wegen des Verdachts auf Straftaten im Zusammenhang mit Kinderpornografie festgenommen. Das teilte die staatliche Ermittlungsbehörde National Crime Agency (NCA) mit. Demnach seien im Zuge der groß angelegten Aktion außerdem mehr als 400 Kinder in Sicherheit gebracht worden.

Der Behörde zufolge konzentrierten sich die Ermittler auf Personen, die im Internet anstößige Bilder mit Kindern heruntergeladen hätten. 39 Festgenommene seien der Polizei einschlägig bekannt gewesen, bei dem Rest handele es sich unter anderem um Ärzte, Lehrer, Sozialarbeiter und ehemalige Polizisten. Ein Teil der Verdächtigen habe aus beruflichen Gründen mit Kindern in Kontakt gestanden.

Es sei das erste Mal, dass Großbritannien die Möglichkeiten gehabt hätte, eine Aktion von diesem Ausmaß zu koordinieren, sagte NCA-Chef Phil Gormley. "Diese Operation dient nicht nur dazu, Leute zu schnappen, die bereits ein Verbrechen begangen haben", sagte er. Es ginge auch darum, potenzielle Kriminelle zu beeinflussen, bevor sie sich strafbar machten. Bei vielen Betroffene sei der Konsum von Kinderpornografie im Internet eine Vorstufe, bis sie sich tatsächlich an einem Kind vergingen.

Hunderte Gebäude durchsucht

"Einige der Leute, die sich sittenwidrige Bilder im Netz anschauen, gehen direkt dazu über, Kinder zu missbrauchen", sagte Gormley. In den meisten Fällen gibt es noch keine Anklage, weil die Ermittlungen laufen. Die Vorwürfe reichen vom Besitz anstößiger Bilder von Kindern bis hin zu schwerer sexueller Gewalt. Zahlreiche Festgenommene sind in Untersuchungshaft.

Es seien keine ehemaligen oder aktuellen Parlamentarier betroffen, teilten die Ermittler mit. Vor rund zwei Wochen waren in Großbritannien Vorwürfe laut geworden, das Innenministerium habe Kindesmissbrauch durch Abgeordnete in den vergangenen Jahrzehnten im großen Stil vertuscht.

Über die Ermittlungsmethoden wollte die Behörde keine detaillierten Angaben machen. 833 Gebäude und mehr als 9000 Computer, Handys und Festplatten seien durchsucht worden. "Wir wollen Straftätern zeigen, dass das Internet kein sicherer, anonymer Raum ist um sich anstößige Bilder anzuschauen. Dass sie einen digitalen Fußabdruck hinterlassen, und dass die Behörden sie finden werden", sagte Gormley. In London soll diese Woche ein Gesetz im Eilverfahren verabschiedet werden, wonach Internet- und Telefondaten ein Jahr lang gespeichert werden.

gam/dpa/Reuters



© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.