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Kinderpornografie im Internet: Fahnder überprüfen erstmals alle deutschen Kreditkarten

Von Jens Todt

Spektakulärer Schlag gegen Kinderpornografie im Internet: Fahnder aus Sachsen-Anhalt ließen Hunderte Wohnungen und Geschäftsräume im Bundesgebiet durchsuchen. Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE wurden zuvor erstmals wohl sämtliche Kreditkarten Deutschlands überprüft: mehr als 22 Millionen.

Berlin - Die Ermittler um Oberstaatsanwalt Peter Vogt hatten zunächst offenbar wenig in der Hand. Eine Strafanzeige des Sat.1-Magazins "Akte 06" führte die Fahnder der Zentralstelle gegen Kinderpornografie in Halle zu einer einschlägigen Seite im Internet, doch Kunden und Hintermänner blieben zunächst im Dunkeln.

Multimillionengeschäft Kinderpornografie: Erstmals haben Ermittler wohl sämtliche Kreditkarten Deutschlands überprüft
DDP

Multimillionengeschäft Kinderpornografie: Erstmals haben Ermittler wohl sämtliche Kreditkarten Deutschlands überprüft

Um zumindest die Konsumenten des illegalen Angebots ermitteln zu können, griffen Staatsanwaltschaft und Beamte des Landeskriminalamtes Sachsen-Anhalt nach Informationen von SPIEGEL ONLINE zu einer bisher beispiellosen Maßnahme.

Offenbar ließen sie den Zahlungsverkehr aller deutschen Kreditkartenbesitzer daraufhin überprüfen, ob eine bestimmte Summe in einem festgelegten Zeitraum auf ein verdächtiges Konto im Ausland überwiesen worden ist. Sämtliche um Auskunft ersuchten Unternehmen der Kreditkartenwirtschaft kooperierten offenbar mit den Ermittlern und gaben die Daten ihrer verdächtigen Kunden preis.

Die Überprüfung einzelner Kreditkartendaten ist beim Kampf gegen die Verbreitung von Kinderpornografie im Internet Standard. "Dass die Kollegen jedoch bundesweit sämtliche Kreditkarten in die Ermittlungen einbezogen haben, ist ein Novum", wie ein erfahrener Ermittler sagt.

Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE führte die Operation "Mikado" bisher zu 322 Beschuldigten in Deutschland, deren Wohnungen und Geschäftsräume seit September durchsucht wurden. An der Aktion waren die Landeskriminalämter aller Bundesländer beteiligt. Die Beschuldigten müssen nun nicht nur mit Strafverfahren rechnen, sondern nach den Allgemeinen Geschäftsbedingungen der Kreditkartenwirtschaft auch mit dem Verlust ihres Zahlungsmittels.

Oberstaatsanwalt Vogt und der LKA-Fahnder Torsten Kobow hatten bereits im Jahr 2003 mit der Operation "Marcy", einem weltweiten Schlag gegen das Multimillionengeschäft Kinderpornografie, für Aufsehen gesorgt. Ein Magdeburger hatte kinderpornografische Dateien im Internet angeboten und die Daten seiner Kunden auf seiner Festplatte gespeichert. Die Auswertung des beschlagnahmten Computers führte das Ermittler-Duo seinerzeit zu 26.000 Verdächtigen in 166 Ländern, darunter auch im Vatikan und der Antarktis.

Bisher schweigen die Hallenser Ermittler, morgen allerdings wollen Justizministerin Angela Kolb und Innenminister Holger Hövelmann die Öffentlichkeit auf einer Pressekonferenz über Details der Operation "Mikado" informieren.

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