Josef Wesolowski Zehntausende Kinderpornos auf Computer von Erzbischof gefunden

Auf einem Computer Josef Wesolowskis sind mehr als hunderttausend Kinderporno-Dateien gefunden worden. Der Pole, ehemals Gesandter des Vatikan in der Dominikanischen Republik, sagt: "Ich kann das alles erklären."

Josef Wesolowski: Neue Vorwürfe nach Kinderporno-Fund
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Josef Wesolowski: Neue Vorwürfe nach Kinderporno-Fund


Vatikanstadt - Wegen des Vorwurfs des Kindesmissbrauchs steht er schon unter Hausarrest, nun sind neue Anschuldigungen gegen Josef Wesolowski bekannt geworden. Der frühere Erzbischof besaß laut einem Bericht der italienischen Zeitung "Corriere della Sera" Kinderporno-Dateien, versteckt auf einem Computer der Nuntiatur in der Dominikanischen Republik. Dort war Wesolowski einst Vertreter des Vatikan.

Auf dem Computer waren demnach mehr als 100.000 Dateien: Videos aus dem Internet und Fotos, die die Opfer hatten machen müssen. Zu sehen seien Jungen im Alter von 13 bis 18 Jahren, die vor der Kamera gedemütigt, nackt fotografiert und zu sexuellen Handlungen untereinander und mit Erwachsenen gezwungen werden. Wesolowski sagte bislang nur: "Ich kann das alles erklären."

Die Ermittler suchen jetzt nach Komplizen: Leute, die Wesolowski geholfen haben, mit den Minderjährigen in Kontakt zu kommen, und die bei den Treffen dabei gewesen sein könnten. Der Verdacht: Wesolowski könnte Teil eines internationalen Netzwerks sein, das weitreichender ist als bislang vermutet. Die Ermittler gehen davon aus, dass es weitere 45.000 Dateien gebe, die Wesolowski bereits gelöscht habe.

Unter den auf einem Vatikan-eigenen Computer gefundenen Dateien sind rund 130 Videos und mehr als 86.000 Fotos, aufgeteilt auf vier Festplatten. Den Rest hatte Wesolowski auf seinen Laptop "gerettet", den er vor allem auf Reisen genutzt haben soll.

Der Fall Wesolowski war vor gut einem Jahr bekannt geworden. Damals hatten Polizei und Staatsanwaltschaft in der Dominikanischen Republik wegen des Vorwurfs der Pädophilie gegen den Geistlichen ermittelt, der dort als päpstlicher Gesandter arbeitete. Kurz darauf wurde Wesolowski von diesem Amt abberufen. Im Juni befand ihn die Glaubenskongregation für schuldig, er wurde seines Amtes enthoben. Wesolowski hat die Entscheidung angefochten.

Der 66 Jahre alte polnische Erzbischof war am Dienstag auf Geheiß von Papst Franziskus unter Hausarrest gestellt worden. Franziskus enthob zudem einen Bischof in Paraguay des Amtes, der sich schützend vor einen Geistlichen gestellt haben soll, dem sexuelle Übergriffe vorgeworfen werden.

Im vergangenen Jahr hatte Papst Franziskus eine Gesetzesnovelle veranlasst, nach der Kindesmissbrauch im Vatikan erstmals unter Strafe steht - diese Regelung gilt für Angestellte des Kirchenstaats sowie für päpstliche Vertreter im Ausland.

ulz/AP



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