FBI und Europol Kinderporno-Ring ausgehoben - 900 Festnahmen

Allein in Europa wurden fast 370 Tatverdächtige gefasst, Hunderte Opfer sind nun in Freiheit: Europol und das FBI haben ein weltweit agierendes Kinderporno-Netzwerk ausgehoben - nach jahrelangen Ermittlungen.


Ermittlern ist ein großer Schlag gegen einen internationalen Kinderporno-Ring gelungen. Rund 900 Menschen seien weltweit festgenommen worden, 368 davon in Europa, teilte Europol in Den Haag mit. Mindestens 259 sexuell missbrauchte Kinder seien identifiziert oder gerettet worden. Die bislang geheim gehaltene Operation dauerte mehr als zwei Jahre.

Anfang dieser Woche waren die drei Hauptverantwortlichen der Internetplattform "Playpen" in den USA zu Gefängnisstrafen von bis zu 30 Jahren verurteilt worden. "Playpen" ist nach Angaben von Europol eine der weltweit größten Kinderporno-Plattformen mit mehr als 150.000 Nutzern.

Federführend für die Aktion war das US-amerikanische FBI. Nach Angaben der US-Bundespolizei wurden allein in den USA 25 Menschen angeklagt, die Kinderpornografie produziert haben sollen. Weitere 51 Beschuldigte müssen sich verantworten, weil sie Minderjährige körperlich missbraucht haben sollen.

"Andere machen weiter"

Das FBI hatte "Playpen" 2015 entdeckt. Anschließend hatten weltweit die geheimen Ermittlungen unter dem Namen "Operation Schnuller" begonnen, um die Nutzer aufzuspüren. Europol koordinierte dabei die Ermittlungen in Europa. "Playpen" befand sich im sogenannten Darknet - einem Teil des Internets, der nur mithilfe einer Entschlüsselung aufgerufen werden kann. Über die Plattform konnten Nutzer auf große Bestände von Kinderpornos zugreifen.

Nach offiziellen Angaben handelt es sich bei dem Ermittlungserfolg um die erfolgreichste Aktion, die das FBI gegen Kriminelle auf der Darknet-Servicewebsite Tor geführt hat. Die Ermittler hatten die Kinderporno-Seite demnach schon kurz nach deren Start im Jahr 2014 entdeckt. Erst im vergangenen Dezember machte der Gründer jedoch einen Fehler und eröffnete den Ermittlern so Zugang zur IP-Adresse, die in den USA registriert war.

"Den Hinweis bekamen wir von Kollegen aus dem Ausland", sagte Special Agent Dan Alfin. "Playpen ist geschlossen, aber andere machen weiter", so Alfin. "Wir setzen unsere Bemühungen fort, so gut wir nur können."

mxw/dpa



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