Vorwurf des Kindesmissbrauchs Polizei ermittelt gegen Regisseur Polanski

Erneute Vorwürfe gegen Roman Polanski: Eine Frau beschuldigt den Filmregisseur, sie im Alter von zehn Jahren sexuell missbraucht zu haben. Polanskis Anwalt dementiert.

Roman Polanski auf der Trauerfeier für den Musiker Johnny Hallyday in Paris
REUTERS

Roman Polanski auf der Trauerfeier für den Musiker Johnny Hallyday in Paris


Die Polizei in Los Angeles ermittelt gegen Filmregisseur Roman Polanski - wegen sexuellen Missbrauchs. Ein Sprecher bestätigte, es werde ein Vorfall untersucht, der sich 1975 zugetragen haben soll.

Dem 84-Jährigen wird laut Medienberichten vorgeworfen, sich an einem Kind vergriffen zu haben. Das mutmaßliche Opfer Marianne Barnard hatte Polanski bereits im Oktober via Twitter vorgeworfen, sie im Alter von zehn missbraucht zu haben.

Barnard schrieb, Polanski habe im Jahr 1975 Nacktfotos sowie Fotos von ihr in einem Pelzmantel am Strand von Malibu aufgenommen. Daraus habe sich alles weitere entwickelt. Wie die "Los Angeles Times" berichtet, soll sie den Vorfall im selben Monat der Polizei in Los Angeles (LAPD) gemeldet haben. Nun bekräftigte die Frau bei dem Kurznachrichtendienst ihre Vorwürfe gegen den Regisseur.

Polanskis Anwalt Harland Braun nannte die Vorwürfe in einer Stellungnahme "falsch". "Wir haben die LAPD kontaktiert und werden alle Informationen, die wir haben, weitergeben und sie drängen, vollständige und gründliche Ermittlungen durchzuführen", sagte Braun.

Der Fall kann nicht vor Gericht kommen, weil er bereits verjährt ist. In den USA läuft seit 40 Jahren ein Verfahren gegen Polanski. Ihm wird sexueller Missbrauch einer 13-Jährigen vorgeworfen. Polanski hatte damals unerlaubten Sex mit der Minderjährigen zugegeben, sich kurz vor der Verkündung des Strafmaßes aber ins Ausland abgesetzt. Polanski lebt seitdem überwiegend in Frankreich und vermeidet es, Länder zu besuchen, die ein Auslieferungsabkommen mit den USA haben.

Der Regisseur wurde 2009 bei der Einreise in die Schweiz festgenommen und verbrachte acht Monate unter Hausarrest. 2010 lehnte die Schweiz ein Auslieferungsgesuch der USA ab. Die Schweizer Justizministerin begründete die Entscheidung mit mangelnder Kooperation der USA. Auch Polens Oberstes Gericht verbot im Dezember eine Auslieferung Polanskis in die Vereinigten Staaten.

Über die Jahre haben der "Los Angeles Times" zufolge mindestens sechs Frauen erklärt, Polanski habe sie als Minderjährige sexuell missbraucht. Unter anderen hatte die ehemalige deutsche Schauspielerin Renate Langer den Regisseur beschuldigt sie 1972 im Alter von 15 Jahren im Schweizer Gstaad vergewaltigt zu haben. Die heute 61-Jährige erstattete Anzeige bei der Kantonspolizei von St. Gallen.

Marianne Barnard verwahrte sich auf Twitter gegen Vorwürfe, sie instrumentalisiere den mutmaßlichen Übergriff: "Die Leute glauben, ich würde Geld machen, indem ich öffentlich mache, was der Serienvergewaltiger Roman Polanski mir angetan hat, als ich zehn Jahre alt war. Das Gegenteil ist der Fall, ich muss Anwälte anheuern und meine Security bezahlen."

Barnard hatte sich via Twitter auch zur Rolle ihrer Mutter geäußert, der sie vorwarf, sie "kleine Lolita" genannt und ihrem Vater sowie anderen Männern erlaubt zu haben, sie sexuell zu missbrauchen.

ala/dpa

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