Kampf gegen hohe Dunkelziffer Wie sich Kindesmissbrauch besser verfolgen lässt

Die Dunkelziffer bei sexueller Gewalt gegen Kinder und Jugendliche ist zu hoch - nun hat eine Expertenkommission Vorschläge gemacht, wie die Taten häufiger ans Licht kommen.


Misshandlungen von Kindern und Jugendlichen bleiben häufig im Verborgenen. 13.000 Fälle sind im vergangenen Jahr angezeigt worden - das sind nach Schätzungen nur rund 20 Prozent der Taten. Zu diesem Ergebnis kommt die Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs.

Ein Grund für die hohe Dunkelziffer: Viele Betroffene gehen laut den Experten davon aus, dass ihnen bei Ermittlungs- und Strafverfahren unsensibel begegnet oder nicht geglaubt würde. Sie verzichten demnach auf eine Anzeige, weil sie mit einer Einstellung des Verfahrens, einer milden Strafe oder Freispruch rechneten.

Um die Dunkelziffer zu reduzieren, hat die Kommission mehrere Maßnahmen vorgeschlagen, darunter:

  • In Kompetenzzentren sollen sich spezialisierte Richter und Staatsanwälte mit Jugendschutzverfahren befassen - ähnlich wie bei Wirtschaftsstrafsachen; außerdem sollen sie Fortbildungen absolvieren
  • Die Zusammenarbeit zwischen den am Jugendschutz beteiligten Berufsgruppen soll standardisiert werden, dazu gehören etwa Ärzte, Psychologen und Behördenmitarbeiter
  • Die Rechtspraxis soll evaluiert werden, da die Experten den Eindruck haben, dass Missbrauch von verschiedenen Staatsanwaltschaften und Gerichten unterschiedlich bewertet wird
  • Die Verfahren sollen beschleunigt und die Justiz personell verstärkt werden

Im Video: Der Breisgauer Missbrauchsfall (SPIEGEL TV vom 21.01.2018)

SPIEGEL TV

jpz/dpa

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