Hundertfacher Kindesmissbrauch Strafmaß muss neu verhandelt werden

Über einen Zeitraum von fast 20 Jahren verging sich ein Mann aus Hessen immer wieder an kleinen Mädchen. Dafür wurde er zu zwölf Jahren Haft und Sicherungsverwahrung verurteilt. Jetzt muss das Strafmaß überprüft werden, entschied der BGH.


Hundertfach hat ein Mann kleine Mädchen sexuell missbraucht und das auch gefilmt - welche Strafe er dafür bekommt, verhandelt jetzt erneut das Landgericht Kassel. Der 57-Jährige aus dem nordhessischen Wolfhagen war im Februar 2014 zu zwölf Jahren Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt worden. Dagegen legte er Revision ein.

Der Bundesgerichtshof entschied: Weil durch die Pädophilie des Mannes sein Unrechtsbewusstsein und seine Steuerungsfähigkeit beeinträchtigt gewesen sein könnten, muss neu über das Strafmaß verhandelt werden. Das Landgericht muss also eine verminderte Schuldfähigkeit prüfen und auch neu über die Sicherungsverwahrung entscheiden. "Die Taten stehen fest", sagte aber Staatsanwältin Pia Röde.

Zu Prozessbeginn erneuerte der Angeklagte sein umfassendes Geständnis, das er im ersten Prozess abgelegt hatte. Er entschuldige sich für das, was geschehen sei, ließ der 57-Jährige durch seinen Anwalt verlesen. "Was durch mich geschehen ist, sind traumatische Erlebnisse. Mir war klar, dass ich etwas Verbotenes tue." Er habe nur an sich und nicht an die Gefühle der Mädchen gedacht.

Bei der Urteilsverkündung im ersten Prozess hatte der Vorsitzende Richter Jürgen Dreyer gesagt, das Besondere an diesem Fall sei die große Menge der Taten. Die Richter waren mit ihrem Urteil der Forderung der Staatsanwaltschaft gefolgt. Die hatte Sicherungsverwahrung gefordert, weil bei einer Entlassung des Mannes weitere Straftaten zu erwarten seien.

Missbrauch über 20 Jahre

Der Mann, der seit mehr als zweieinhalb Jahren in Haft sitzt, hatte über einen Zeitraum von fast 20 Jahren kleine Mädchen sexuell missbraucht. 141 Missbrauchsfälle wurden ihm nachgewiesen, ursprünglich waren noch mehr Fälle angeklagt. Viele Taten hatte er gefilmt oder fotografiert. Die fünf betroffenen Mädchen waren bei den Taten zwischen drei und 13 Jahre alt. Zudem fanden die Ermittler mehr als 2000 Kinderporno-Dateien auf dem Computer des Mannes.

Rechtsanwalt Christian Stahl, der eines der missbrauchten Mädchen vertritt, sagte, seine Mandantin sei wegen der Taten in psychologischer Behandlung. Ihr Ziel sei es, dass der Mann Sicherungsverwahrung bekomme oder in eine psychiatrische Anstalt eingewiesen werde. Dort solle er so lange bleiben, bis er keine Gefahr mehr darstelle. Bis zum 26. Januar sind drei weitere Verhandlungstage angesetzt.

brt/dpa



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