Vorwurf des Kindesmissbrauchs Vatikan stellt ehemaligen Erzbischof unter Hausarrest

Die katholische Kirche hat einen ehemaligen Erzbischof angeklagt. Dem Polen Josef Wesolowski wird sexueller Missbrauch von Kindern vorgeworfen. Gleich zu Beginn des Prozesses wurde eine erste Strafe verhängt.

Josef Wesolowski: Steht im Vatikan vor Gericht
AP

Josef Wesolowski: Steht im Vatikan vor Gericht


Vatikanstadt - Der Vatikan hat einen seiner ehemaligen Erzbischöfe unter Hausarrest gestellt. Dem aus Polen stammenden Geistlichen Josef Wesolowski wird vorgeworfen, in der Karibik Jungen sexuell missbraucht zu haben, wie die katholische Kirche mitteilte. Bei der ersten Anhörung vor dem Strafgericht des Vatikans ordnete der Richter nun an, dass der Beschuldigte seine Bleibe in Vatikansstadt nicht mehr verlassen dürfe.

Bei der Anhörung hat Wesolowski den Angaben zufolge Dokumente vorgelegt, nach denen er gesundheitlich angeschlagen sein soll. Deshalb sei vorerst nur ein Hausarrest und keine echte Haftstrafe verhängt worden, teilte der Vatikan mit. Derzeit lebe Wesolowski in einem Appartement, das speziell für kranke Menschen ausgestattet sei. Dennoch droht dem ehemaligen Erzbischof immer noch das Gefängnis, sollte er vom Gericht schuldig gesprochen werden.

Der Fall Josef Wesolowski war vor gut einem Jahr bekannt geworden. Damals hatten Polizei und Staatsanwaltschaft in der Dominikanischen Republik wegen des Vorwurfs der Pädophilie gegen den Geistlichen ermittelt, der dort als päpstlicher Gesandter arbeitete. Kurz darauf wurde Wesolowski von diesem Amt abberufen. Im Juni hatte ihn dann das Vatikanische Kirchengericht schuldig gesprochen, der Gesandte wurde seines Amtes enthoben.

In dem jetzigen Verfahren geht es um die strafrechtliche Relevanz des Falls. Erst im vergangenen Jahr hatte Papst Franziskus eine Gesetzesnovelle veranlasst, nach der Kindesmissbrauch im Vatikan erstmals unter Strafe steht - diese Regelung gilt für Angestellte des Kirchenstaats sowie für päpstliche Vertreter im Ausland. Ohne diese Regelung wäre Wesolowski wohl straffrei davon gekommen. Denn Wesolowski genoss in der Dominikanischen Republik Diplomatenstatus - nur der Vatikan kann ihn wegen seiner mutmaßlichen Vergehen belangen.

jbe/AP/Reuters



Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 59 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Sonia 23.09.2014
1. Einfach nur widerlich
beachtlich, dass Franziskus das unter Strafe stellen lãsst. Menschen, den gerade auch Kinder vertrauen, von denen mißbraucht zu werden, die können nicht hoch genug bestraft werden.
ozoli 24.09.2014
2. Dreist
Die Taten dieses Predigers muessen so dreist gewesen sein, dass nicht einmal mehr die katholische Kirche ihren eigenen Mann decken konnte. Wenn ich dann auch noch lese, dass Mitglieder der katholischen Kirche Diplomatenstatus erlangen koennen, wird mir auch immer klarer, wie diese Religionsgemeinschaft systematisch an staatlichen Gesetzen vorbei agieren kann.
raber 24.09.2014
3. Diplomatenstatus aberkennen um gerechte Strafe zu erhalten
Hätte der Vatikan ihm den Diplomatenstatus nicht aberkennen können und so hätte dieser hohe Würdenträger sich auf der Dominikanischen Republik vor Gericht verantworten müssen? Schliesslich steht die Kirche theoretisch für Gerechtigkeit und Wahrheitstreue da!
Jerome E. Gruber 24.09.2014
4. Dieser Diplomatenstatus ist grundsätzlich absurd.
Da bleiben Diplomaten für Straftaten straffrei. Das ist nicht mehr hinnehmbar. Es ist sehr überfällig gewesen, dass der Vatikan dieses abscheuliche Verbrechen unter Strafe gestellt hat. Das hätte der deutsche Papst, der ja sonst so akkurat gewesen sein will, ja auch schon längst machen können. Oder sein deutsche George Clooney. Aber immerhin hat dies nun der neue, sehr überzeugende Papst erledigt. Nun fehlt nur noch eine überzeugende deutliche Strafe für diesen Straftäter. Zudem muss Franziskus dafür sorgen, dass der Zwangszölibat (den manche als Bedingungszölibat verharmlosen) ein Ende findet. Außerdem muss sich Franziskus gegen reaktionäre Würdenträger durchsetzen, die entgegen seines offenkundigen Wunsches, Wiederverheiratete nicht wie bisher auszugrenzen, den alten Zopf weiter fahren wollen, wie der Erzbischof Müller und Kardinal Brandmüller und andere. Viel Kraft und ein langes Leben dem amtierenden Papst!
myoto 24.09.2014
5. Was ist das für ein kranker Sch***?
Nur weil er Diplomatenstatus hatte konnte er nach belieben Kinder missbrauchen und das straffrei? Immerhin handelt der Papst jetzt, aber trotzdem ist es absolut krank! Und für sowas zahlten die Leute auch noch Kirchensteuer.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.