Kindsmord-Prozess: Staatsanwaltschaft fordert lebenslang für "Maskenmann"

Er soll drei Kinder ermordet und etliche missbraucht haben. Im Prozess gegen den sogenannten "Maskenmann" fordert die Staatsanwaltschaft eine lebenslange Haftstrafe.

In Handschellen: Martin N. beim Prozessauftakt in Stade Zur Großansicht
dapd

In Handschellen: Martin N. beim Prozessauftakt in Stade

Stade - Der als "Maskenmann" bekannt gewordene mutmaßliche Kindsmörder Martin N. soll nach dem Willen der Staatsanwaltschaft zu lebenslanger Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt werden.

Der Anklagevertreter forderte in seinem Plädoyer am Mittwoch zudem, bei dem Mann die besondere Schwere der Schuld festzustellen. Bei seinen Taten seien die Voraussetzungen dafür "in einem außergewöhnlichen Maße übererfüllt". In dem Verfahren geht es um eine der aufsehenerregendsten Verbrechensserien der vergangenen Jahre in Deutschland. Martin N. soll über Jahre hinweg nachts in Schullandheime, Zeltlager sowie Wohnungen eingedrungen sein, um Jungen zu missbrauchen.

In drei Fällen soll er Opfer aus Furcht vor einer Entdeckung ermordet haben, entweder nachdem er sich an ihnen verging oder bevor es dazu kam. Die Martin N. vorgeworfenen Taten ereigneten sich zwischen 1992 und 2001 in Norddeutschland und Dänemark. Martin N., der bei vielen der Taten maskiert war und daher von den Medien als "Maskenmann" bezeichnet wird, hat die drei Tötungen und diverse Missbrauchsfälle gestanden.

nga/dpa/AFP

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Martin N.: Der Fall des "Maskenmanns"

Mordfälle im Visier der Soko Dennis
Wie viele Kinder hat Martin N. getötet?
Martin N., der mutmaßliche Mörder von Dennis R., wird mit mehreren, teilweise noch nicht aufgeklärten Verbrechen in Verbindung gebracht. Für die Ermittler ist Martin N. ein Serientäter, der womöglich fünf Jungen getötet hat. Drei Morde hat er in einer Vernehmung eingeräumt sowie mehr als 40 Missbrauchstaten. Die getöteten Kinder verschwanden aus Schullandheimen, Zeltlagern oder Jugendherbergen. SPIEGEL ONLINE dokumentiert fünf Mordfälle, um deren Aufklärung sich die Soko Dennis noch immer bemüht.
31. März 1992
In der Nacht zum 31. März verschwindet der 13-jährige Stefan J. aus Hamburg aus einem Internat in Scheeßel in Niedersachsen. Zurück blieben in einem Aufenthaltsraum ein Schlafanzug und ein offenes Fenster. Anfang Mai wurde die gefesselte Leiche in den Verdener Dünen vergraben entdeckt.
24. Juli 1995
Am 24. Juli verschwindet der achtjährige Dennis R. aus dem einsam gelegenen Ferienzeltlager Selker Noor in Schleswig-Holstein. Zwei Wochen später wird er ermordet und vergraben in einer Düne bei Skive/Holstebro in Dänemark gefunden. Der Tatverdacht gegen einen Betreuer erhärtet sich damals nicht.
1998
Der elfjährige Nicky V. verschwindet unter nicht geklärten Umständen aus einem Zeltlager bei Brunssum in den Niederlanden. Einen Tag später wird die Leiche des Jungen in einer Fichtenschonung gefunden.
5. September 2001
Am 5. September wird der neunjährige Dennis K. aus einem Schullandheim in Wulsbüttel entführt. Zwei Wochen später finden Pilzsammler die Leiche des ermordeten Jungen bei Kirchtimke, etwa 45 Kilometer entfernt.
7. April 2004
Am 7. April verschwindet der elfjährige Schüler Jonathan aus einem Schullandheim im Ferienort Saint-Brevin-les-Pins in Westfrankreich. Im Mai wird er etwa 30 Kilometer entfernt in einem Teich bei Guerande im Département Loire-Atlantique tot aufgefunden.

Gründung der Soko Dennis
5. September 2001
Dennis K. verschwindet in der Nacht aus dem Schullandheim.
6. September 2001
Die Polizei durchkämmt Wulsbüttel. Im Internet veröffentlichen die Fahnder ein Bild von Dennis.
11. September 2001
Die Soko "Dennis" wird eingerichtet - bis heute hat sie Bestand und versucht, ähnliche Fälle aufzuklären. Am Abend durchsuchen 200 Beamte und 40 Polizeihunde ein weites Gebiet um das Schullandheim. Sie finden keine Spur.
13. September 2001
150 Beamte und 80 Soldaten starten am Morgen zu einer großen Suchaktion.
14. September 2001
Mehrere hundert Jäger suchen in ihren Revieren nach Dennis.
15. September 2001
Die Suche läuft weiter. Mittlerweile beteiligen sich mehr als 500 Jäger und freiwillige Helfer.
18. September 2001
Die Polizei verteilt 5000 Flugblätter rund um Wulsbüttel.
19. September 2001
Die Wasserschutzpolizei sucht Seen mit einem Sonar-Boot ab.
20. September 2001
Pilzsammler finden die Leiche eines Kindes.
21. September 2001
Nach Angaben der Ermittler handelt es sich mit großer Wahrscheinlichkeit um Dennis. Er wurde erstickt.
22. September 2001
Das Ergebnis der DNA-Analyse liegt vor. Jetzt steht mit Sicherheit fest, dass es sich bei der Leiche um Dennis handelt.
27. September 2001
Bei einer öffentlichen Trauerfeier nehmen mehrere hundert Menschen Abschied von Dennis. Er wird anschließend im engsten Familienkreis beigesetzt.
22. Dezember 2001
Die Polizei geht jetzt davon, dass Dennis einem Serientäter zum Opfer gefallen ist.
10. Februar 2011
Die Fahnder präsentieren eine neue Spur in dem Fall. Ein Jogger will den Jungen und den möglichen Mörder in einem Auto gesehen haben.
13. April 2011
Widerstandslos lässt sich Martin N. festnehmen. Er schweigt zu den Vorwürfen, Dennis K. und andere Jungen getötet zu haben.
14. April 2011
Martin N. gesteht drei Morde und etwa 40 Missbrauchsfälle. Es habe Phasen gegeben, in denen er "auf Jagd" gegangen sei, sagt er. Mal habe er "irgendwie den Drang" gehabt, dann "wieder lange Zeit" gar nicht, dann habe mal wieder eine Woche dazwischen gelegen. Aber wenn er loszog, dann in der Nacht. Dann stieg er in Wohnhäuser ein, schlich sich in die Kinderzimmer.
15. April 2011
Die Polizei informiert die Öffentlichkeit über die Festnahme des 40-Jährigen in Hamburg.
10. Oktober 2011
Vor dem Landgericht Stade beginnt der Prozess gegen Martin N. wegen dreifachen Mordes und sexuellen Missbrauchs. Etwa 20 Fälle sind allerdings verjährt.