Richterliche Entscheidung: Aurora-Attentäter wird der Prozess gemacht

Mehrere Tage lang präsentierten Ankläger Indizien - und überzeugten damit Richter William Sylvester: Seiner Ansicht nach liegt genügend belastendes Material gegen James Holmes vor. Dem mutmaßlichen Todesschützen von Aurora wird nun der Prozess gemacht - ihm droht die Todesstrafe.

Richter Sylvester, Anklägerin Pearson, Angeklager Holmes: Zeichnung aus dem Gerichtssaal Zur Großansicht
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Richter Sylvester, Anklägerin Pearson, Angeklager Holmes: Zeichnung aus dem Gerichtssaal

Centennial - James Holmes wird wegen des Mordes an zwölf Menschen in einem Kinosaal im US-Staat Colorado der Prozess gemacht. Es gebe hinreichende Verdachtsmomente, die ein Verfahren rechtfertigen, sagte Richter William Sylvester am Donnerstagabend (Ortszeit). Gegen Holmes liegen insgesamt 166 Anklagepunkte vor, darunter Mord und versuchter Mord in mehreren Fällen. Sylvester hatte während der Woche die Argumente der Staatsanwaltschaft und der Verteidigung angehört.

Die Anklage gegen Holmes, der bei einer "Batman"-Vorführung das Feuer eröffnet hatte, soll am Freitag verlesen werden. Allerdings wurde erwartet, dass die Verteidigung eine Verschiebung beantragt. Holmes' Verteidiger erklärten in einem Antrag an das Gericht, ihr Mandant sei noch nicht bereit, sich schuldig oder nicht schuldig zu bekennen. Weshalb Holmes noch nicht bereit sei, erklärten sie nicht.

Bei der mehrtägigen Anhörung hatten Ermittler ausgesagt, dass der 25-jährige Holmes über Wochen hinweg Waffen und tausende Schuss Munition angehäuft, die Materialien für Sprengfallen in seiner Wohnung gekauft und das Kino ausgekundschaftet hatte, wo im vergangenen Juli zwölf Menschen getötet und 70 verletzt wurden.

Die Anklage hatte unter anderem Zeugen befragt, nach deren Aussage Holmes Anfang Juli 2012 Innen- und Außenaufnahmen des Kinos machte. "Er suchte sich den perfekten Ort für dieses Verbrechen aus", sagte Staatsanwältin Karen Pearson. Sie zeigte auch Aufnahmen, die Holmes wenige Stunden vor der Tat von sich gemacht haben soll. Auf den Fotos trägt er schwarze Kontaktlinsen und streckt seine Zunge heraus.

Die Verteidigung hatte keine eigenen Zeugen aufgerufen und nur wenige einem Kreuzverhör unterzogen. Stattdessen hatten Holmes' Anwälte immer wieder die psychische Gesundheit ihres Mandaten in Frage gestellt, eine Strategie, die sich vermutlich auch im Hauptverfahren fortsetzen dürften.

Viele Prozessbeobachter gehen davon aus, dass die Strategie, Holmes als unzurechnungsfähig darzustellen, die beste Chance für ihn bietet, der Todesstrafe zu entgehen. "Ist Ihnen bewusst, dass Leute aufgrund von Unzurechnungsfähigkeit als unschuldig gelten können?", fragte Verteidiger Daniel King einen Zeugen. Holmes' Anwälte haben noch nicht mitgeteilt, ob sie wegen Unzurechnungsfähigkeit ihres Mandanten auf unschuldig plädieren, aber seit Beginn des Verfahrens haben sie ihn als Mann mit schweren psychischen Problemen dargestellt.

ulz/dapd/AP/Reuters

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1.
der_namenslose 11.01.2013
In den USA beginnt nun ein Prozess gegen einer der wenigen "Amok"täter, die verhaftet werden konnten. Ich hoffe die USA (besser die Richter) nutzen diesen Prozess, um die Tat vollständig und tiefgründig zu durchleuchten. Mediale Aufmerksamkeit ist eine der Hauptmotive von "Amok"tätern - da sind sich Experten weitgehend einig. Und der SpOn hat nicht besseres zu tun, als jede klitzekleine Meldung zum laufenden Prozess gegen den Täter mit Namen, Fotostrecke und einer Kurzzusammenfassung seiner (Helden)tat zu garnieren.
2. Medienaufmerksamkeit
vhn 11.01.2013
Zitat von der_namensloseIn den USA beginnt nun ein Prozess gegen einer der wenigen "Amok"täter, die verhaftet werden konnten. Ich hoffe die USA (besser die Richter) nutzen diesen Prozess, um die Tat vollständig und tiefgründig zu durchleuchten. Mediale Aufmerksamkeit ist eine der Hauptmotive von "Amok"tätern - da sind sich Experten weitgehend einig. Und der SpOn hat nicht besseres zu tun, als jede klitzekleine Meldung zum laufenden Prozess gegen den Täter mit Namen, Fotostrecke und einer Kurzzusammenfassung seiner (Helden)tat zu garnieren.
Richtig. Es ist auch nachgewiesen, dass Amoktaten, die ein großes Medienecho auf sich ziehen weitere Amoktaten bedingen. Das sind nicht nur Nachahmer, sondern auch Täter, die dieses als Signal sehen, die geplante Tat genau jetzt umzusetzen. Hier die Medien in die Verantwortung für die Art und Weise ihrer Berichterstattung zu nehmen, finde ich absolut wichtig. Wenn auch aussichtslos.
3.
der_namenslose 15.01.2013
Zitat von vhnRichtig. Es ist auch nachgewiesen, dass Amoktaten, die ein großes Medienecho auf sich ziehen weitere Amoktaten bedingen. Das sind nicht nur Nachahmer, sondern auch Täter, die dieses als Signal sehen, die geplante Tat genau jetzt umzusetzen. Hier die Medien in die Verantwortung für die Art und Weise ihrer Berichterstattung zu nehmen, finde ich absolut wichtig. Wenn auch aussichtslos.
Auffallend. In Kalifornien schiesst ein Schüler mit ner Schrotflinte um sich, in Deutschland versucht ein Jugendlicher Polizisten in einen Hinterhalt zu locken. Aber ohne "Amok"taten weniger Auflage - wer kann da Zurückhaltung erwarten?
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Aurora-Morde: Details einer Schreckensnacht

Fläche: 9.632.000 km²

Bevölkerung: 310,384 Mio.

Hauptstadt: Washington, D.C.

Staats- und Regierungschef: Barack Obama

Vizepräsident: Joseph R. Biden

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