Berlin 19-Jähriger nach Angriff auf Kippa-Träger zu Arrest verurteilt

Im Prozess zum Angriff auf einen Kippa tragenden Israeli hat das Amtsgericht Berlin-Tiergarten den Angeklagten zu vier Wochen Arrest verurteilt. Dieser gilt wegen der Untersuchungshaft als verbüßt.

Angeklagter vor Gericht
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Angeklagter vor Gericht


Das Amtsgericht Berlin-Tiergarten hat einen 19-Jährigen zu vier Wochen Arrest verurteilt, weil er einen Israeli mit einem Gürtel geschlagen und antisemitisch beleidigt hat.

Das Gericht urteilte nach Jugendstrafrecht. Der Arrest gilt wegen der Untersuchungshaft als verbüßt. Der verurteilte Syrer kommt frei, wird aber für ein Jahr unter Erziehungsaufsicht gestellt.

Im April war der 19-Jährige auf den Israeli und einen Deutsch-Marokkaner losgegangen, die beide zur Tatzeit eine Kippa trugen. Der Israeli hatte den Angriff im Stadtteil Prenzlauer Berg gefilmt und das Video ins Internet gestellt. Zu sehen ist, wie ein Mann wütend mit einem Gürtel auf den Filmenden einschlägt und auf Arabisch "Jude" ruft.

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Zu Prozessbeginn hatte der Angeklagte die Tat gestanden. Dabei gab der Palästinenser aus Syrien an, zum Tatzeitpunkt unter Drogeneinfluss gestanden zu haben. Mit Politik habe er nichts zu tun. Zudem habe sein Opfer ihn zuerst beleidigt, weshalb er sich im Recht gesehen und keine Angst vor Konsequenzen gehabt habe.

Das Opfer hatte im Gespräch mit dem SPIEGEL den Tathergang anders beschrieben. Demnach ging die initiale Provokation vom Angeklagten aus. Er und sein Begleiter hätten lediglich darum gebeten, in Ruhe gelassen zu werden.

Der Student der Tiermedizin fühlt sich laut eigener Aussage heute in Berlin nicht mehr sicher. "Ich würde die Kippa nicht wieder aufsetzen, wenn ich allein bin", sagte der 21-Jährige als Zeuge.

Der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, begrüßte das Urteil. Es stelle klar: "Wer sich antisemitisch betätigt oder äußert, steht außerhalb der Gesellschaft und muss mit den Konsequenzen des Rechtsstaats rechnen."

Der Gürtelangriff im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg hatte eine anhaltende Debatte über Antisemitismus in Deutschland ausgelöst. In mehreren deutschen Städten gab es nach dem Angriff Kundgebungen. Viele Menschen trugen dabei die traditionelle Kopfbedeckung jüdischer Männer als Zeichen der Solidarität. Auch Kanzlerin Angela Merkel zeigte sich betroffen.

ala/AFP/dpa

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