Kirchweyhe - Mehr als 1500 Menschen haben sich im niedersächsischen Kirchweyhe versammelt. Sie trauerten um einen 25-Jährigen, der am vergangenen Wochenende zu Tode getreten worden war. "Die Tat offenbart eine Brutalität, die unerträglich ist", sagte Bürgermeister Frank Lemmermann bei der Mahnwache am Tatort in der Nähe des Bahnhofs.
Das Mitgefühl gelte der Familie und seinen Freunden, sagte Lemmermann. Weyhe sei über Nacht ein anderer Ort geworden. Der Bürgermeister rief die Menschen auf, nicht gleich wieder zur Tagesordnung überzugehen. "Wir sind hier, weil wir nicht akzeptieren wollen, dass Menschen so brutal miteinander umgehen."
Die Veranstaltung musste unter großem Polizeischutz stattfinden, weil zwei rechte Gruppierungen zuvor vergeblich versucht hatten, zeitgleiche Versammlungen in dem Ort im Landkreis Diepholz anzumelden. Sie polemisierten gegen den mutmaßlichen Täter aufgrund seines Migrationshintergrundes. Auf die Ankündigungen der Rechten reagierte Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius empört. Diese versuchten, die Gewalttat für ihre Zwecke zu instrumentalisieren.
Eskalation an der Bushaltestelle
Auf der Heimfahrt von einer Discothek in Wildeshausen nach Kirchweyhe war es am vergangenen Wochenende in einem Bus zu Auseinandersetzungen zwischen jungen Männern gekommen. Der 25-Jährige hatte nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft versucht zu schlichten. Nach dem Aussteigen wurde er dann an der Bushaltestelle angegriffen.
Ein 20-Jähriger sitzt seither wegen Mordverdachts in Untersuchungshaft. Er soll sein Opfer mit einem Tritt so gegen den Bus geschleudert haben, dass der 25-Jährige mit dem Kopf auf die Straße schlug. Dann trat der mutmaßliche Täter laut Staatsanwaltschaft Verden weiter auf den regungslos am Boden liegenden Verletzten ein. Die Polizei hatte kurz nach dem Angriff zunächst fünf Personen festgenommen, vier von ihnen sind wieder auf freiem Fuß.
Ein Freund des 25-Jährigen berichtete nach einem Bericht der "Bild"-Zeitung, dass die Gruppe gemeinsam einen Bus für die Fahrt zur Discothek gemietet hatte. Weil noch Plätze frei waren, hätten sie fünf Jugendliche mitgenommen, zu denen der mutmaßliche Täter gehört haben soll.
In Kirchweyhe löste die Tat Bestürzung aus. Zum Gedenken an den jungen Mann waren an der Bushaltestelle in dem Ort vor den Toren Bremens weiße Rosen und bunte Tulpen niedergelegt worden.
Für Sonntag ist in Weyhe erneut eine NPD-Kundgebung geplant. Lemmermann forderte die Anwesenden auf, wieder zur Mahnwache zu kommen, um den Gedenkort nicht den Rechten zu überlassen.
abl/dpa
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