Klage über Rücktrittsdruck Marx weist Mixa-Vorwürfe scharf zurück

Der Streit in der katholischen Kirche um den Rücktritt des Augsburger Bischofs eskaliert: Walter Mixa hatte Mitbrüdern vorgeworfen, ihn unter Druck gesetzt zu haben, freiwillig sei er nicht gegangen. Die Angegriffenen wehren sich - und wünschen Mixa "gute Genesung" von psychischen Leiden.

ddp

Hamburg - Die katholische Kirche im Bistum Augsburg kommt auch nach dem Rücktritt des umstrittenen Bischofs Walter Mixa nicht zur Ruhe: Zwischen Mixa und dem Vorsitzenden der bayerischen Bischofskonferenz Reinhard Marx ist ein offener Streit ausgebrochen. Marx ließ am Mittwoch Mixas Vorwürfe einer Intrige und mangelnder Brüderlichkeit scharf zurückweisen: "Es ist alles rechtmäßig gelaufen, darüber hinaus gibt es nichts zu sagen", sagte der Sprecher des Erzbistums und der bayerischen Bischofskonferenz, Bernhard Kellner.

"Nicht zuletzt zum Schutz von Bischof emeritus Mixa sehen wir davon ab, Einzelheiten öffentlich auszubreiten", so Kellner. "Wir wünschen ihm weiter gute Genesung, sein Aufenthalt in der psychiatrischen Klinik war ein wichtiger erster Schritt."

Mixa selbst hatte dagegen angegeben, sich während seines Aufenthalts in einer Schweizer Klinik, wo er zuletzt einige Wochen verbracht hatte, durchchecken und wegen "Problemen mit den Schleimbeuteln" behandeln lassen zu wollen.

Mixa hatte zuvor beklagt, zu seinem Rücktritt gedrängt worden zu sein. Dabei erhob er schwere Vorwürfe gegen den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, und gegen Marx. Das Verhalten der beiden Erzbischöfe "hätte brüderlicher sein müssen", sagte Mixa der "Welt". Beide seien zum Papst geeilt und hätten ihm "als Trumpf den sogenannten Missbrauchsfall vorgetragen, der de facto auf nicht mehr beruhte als auf acht handschriftlichen Sätzen einer höchst dubiosen hingekritzelten Notiz". Das Gerücht sei haltlos gewesen, wie die eingeschaltete Staatsanwaltschaft festgestellt habe. "Damit durften die doch nicht den Papst unter Zugzwang setzen."

"Wie ein Fegefeuer"

Mixa betonte in dem Interview, er habe seine Rücktrittserklärung vom April dieses Jahres nicht selbst geschrieben. "Der Druck, unter dem ich die vorgefertigte Resignation unterschrieben habe, war wie ein Fegefeuer. Drei Tage später habe ich sie in einem Schreiben an den Papst widerrufen. Ich wusste in den Tagen weder ein noch aus", sagte Mixa im Gespräch mit dem Historiker und Vatikan-Korrespondenten Paul Badde.

Den Verdacht des sexuellen Missbrauchs gegen ihn hätten höchste Geistliche des Bistums an die Presse lanciert. "Und da war mein Generalvikar dabei und Weihbischof Losinger, den ich selbst zum Domprobst ernannt habe", sagte Mixa. Anton Losinger hat Mixas Darstellung zu seinem Rücktritt bereits zurückgewiesen.

Mixa erwägt nun, am päpstlichen Gerichtshof in Rom ein Verfahren anzustrengen. Das sei "ein ganz guter Gedanke, den ich sehr wohl erwäge und bedenke", so der Ex-Bischof. Er kündigte an, im Juli persönlich mit dem Papst sprechen zu wollen. Der 69-Jährige hatte Benedikt XVI. am 22. April seinen Rücktritt angeboten, nachdem über Prügelstrafen und finanzielle Unregelmäßigkeiten zu seiner Zeit als Pfarrer in Schrobenhausen berichtet worden war. Der Vatikan wollte Mixas angeblichen Rücktritt vom Rücktritt nicht kommentieren.

Rasche Ernennung eines Nachfolgers gefordert

Der Diözesanrat im Bistum Augsburg forderte unterdessen vom Vatikan die rasche Ernennung eines Nachfolgers. Dies sei zur Beruhigung im Bistum dringend nötig, sagte der Diözesanratsvorsitzende Helmut Mangold. "Ich sehe nach wie vor keine neue Situation", so Mangold. Der Papst habe Mixas Rücktrittsgesuch in einer wohlüberlegten Entscheidung akzeptiert. In dieser Frage gebe es kein Zurück mehr, weil ansonsten die Autorität päpstlicher Entscheidungen beschädigt würde.

Erst unlängst war der Ex-Bischof dafür kritisiert worden, dass er trotz Amtsverlusts seine ehemalige Wohnung im Augsburger Bischofspalais wieder bezogen hatte. Auf die Frage, wie lange er gedenke dort zu bleiben, sagte Mixa: "Das ist offen. Es wird sich entscheiden, wenn ich eine neue Bleibe zugewiesen bekomme." Er plane, künftig wieder in der Seelsorge tätig zu sein und mit den Gläubigen den Gottesdienst zu feiern.

wit/dpa/ddp

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stanis laus 16.06.2010
1. Mixa ist konservativ
Es ist m.E. nachvollziehbar, dass hinter der Kampagne , die zu dem Rücktritt von Mixa geführt haben, sog. fortschrittliche Bischöfe stecken, die diesen konservativen Knochen weg haben wollten. Denn die Informationen, die sich in der Zwischenzeit fast alle als falsch und/oder nicht justitiabel erwiesen haben, wurden der Presse offensichtlich aus Kirchenkreisen gesteckt. Wobei es im wesentlichen nicht um strafrechtliche Vorwürfe ging, sondern um Appelle an unterschwellige Vorurteile gegen Homosexuelle, gegen Alkoholiker und gegen Kinderschänder. Solche öffentlichen Anwürfe in der Nutzung als minderwertig oder pervers angesehener Menschen benutzen schon die Nazis und dann die Stasi, um Menschen in der Öffentlichkeit zu diffamieren. Merkwürdig, dass gerade sich als fortschrittliche gerierende Kirchenmänner zu solchen Methoden greifen. Sie desavouiren ihre Idee.
Gebetsmühle 16.06.2010
2. was will er denn noch?
Zitat von sysopDer Streit in der katholischen Kirche um den Rücktritt des Augsburger Bischofs eskaliert: Walter Mixa hatte Mitbrüdern vorgeworfen, ihn unter Druck gesetzt zu haben, freiwillig sei er nicht gegangen. Die Angegriffenen wehren sich - und wünschen Mixa "gute Genesung" von psychischen Leiden. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,701017,00.html
ich weiss nicht was mixa will. ist doch nett von den kollegen, wenn sie ihm gute besserung wünschen. die hat er ja dringend nötig. vielleicht sollte er auch mal beichten gehn. soll ja so manchem angeblich schon geholfen haben. ansonsten gilt: der papst hat mixas rücktrittsgesuch angenommen. mixa ist damit nicht mehr bischoff von augsburg. im bischoffspalast hat er nix mehr zum suchen.
saremba 16.06.2010
3. Wo ist der Hirte?!
Man verliert mit zunehmender Dauer dieser "Sache Mixa" den Überblick, wer denn schwarzes Schäfchen und wer weißes Schäfchen ist, bzw. wer Schäfchen und wer Hirte ist. Letztendlich entlarven sich die Bischöfe nur selbst: keiner von ihnen wird den Ansprüchen gerecht, die man gemeinhin an einen Hirten stellt.
brenfan 16.06.2010
4. Berufsverbot
Schön, dass nun auch der Herr Mixa die "gute" Seite des Katholizismus zu spüren bekommt. Brüder sind die alle nur in der Sünde, wenn ertappt, ist sich jeder der nächste.
physik 16.06.2010
5. nicht nett
Zitat von Gebetsmühleich weiss nicht was mixa will. ist doch nett von den kollegen, wenn sie ihm gute besserung wünschen. die hat er ja dringend nötig. vielleicht sollte er auch mal beichten gehn. soll ja so manchem angeblich schon geholfen haben. ansonsten gilt: der papst hat mixas rücktrittsgesuch angenommen. mixa ist damit nicht mehr bischoff von augsburg. im bischoffspalast hat er nix mehr zum suchen.
Jemendem gute Genesung von psychischen Leiden zu wünschen, wenn derjenige physische Probleme (Kniegelenke) hat, ist nicht nett. Allerdings zweifle ich am Wahrheitsgehalt der SPON-Berichterstattung...
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