Klatten-Erpressung: Italienischer Hintermann zu Haftstrafe verurteilt

Er soll reiche Frauen heimlich gefilmt und erpresst haben: Jetzt verurteilte ein italienisches Gericht Ernano Barretta zu siebeneinhalb Jahren Haft. Der Komplize des Erpressers Helg Sgarbi soll zudem sieben Millionen Euro Schadensersatz an die Nebenklägerin Susanne Klatten zahlen.

Pescara - Im Prozess um die Erpressung von BMW-Großaktionärin Susanne Klatten ist der Komplize des Schweizers Helg Sgarbi und mutmaßliche Strippenzieher zu einer Haftstrafe verurteilt worden.

Der Richter im mittelitalienischen Pescara sprach Ernano Barretta zwar frei vom Vorwurf der Bildung einer kriminellen Organisation. Er verurteilte ihn aber wegen schweren Betrugs zu siebeneinhalb Jahren Haft. Sechs weitere Angeklagte, darunter Barrettas Frau und zwei erwachsene Kinder des Paares, wurden freigesprochen.

In dem mehrjährigen Prozess ging es um die Erpressung wohlhabender Frauen mit heimlich gefilmten Videos. Wie die italienische Nachrichtenagentur Ansa berichtet, muss Barretta dem Urteil zufolge der Nebenklägerin Susanne Klatten sieben Millionen Euro Schadensersatz zahlen. Zwei weitere Frauen sollen je zwei Millionen und 400.000 Euro erhalten. Die Verteidigung Barrettas erwägt, in die Revision zu gehen.

Die Staatsanwaltschaft hatte neun Jahre Gefängnis für den Hotelunternehmer Barretta gefordert. In dem Verfahren hatte der bereits 2008 verurteilte Schweizer Erpresser Sgarbi noch versucht, seinen Komplizen und dessen Familie zu entlasten: "Diese Leute sind unschuldig", beteuerte er.

Sgarbi war vom Landgericht München I in einem Blitz-Prozess zu sechs Jahren Haft verurteilt worden.Er wurde des gewerbsmäßigen Betrugs und der versuchten gewerbsmäßigen Erpressung schuldig gesprochen. Er hatte von der Milliardärin Klatten 14 Millionen Euro gefordert - für heimlich in einem Hotel aufgenommene intime Fotos. Klatten wandte sich an die Polizei, hatte dem Erpresser zuvor aber bereits freiwillig sieben Millionen Euro überlassen.

Barretta stammt aus einem Dorf in den Abruzzen. Er soll der Drahtzieher einer ganzen Reihe von Erpressungen betuchter Frauen gewesen sein und die Treffen Sgarbis mit seinen reichen Opfern gefilmt haben. Für die beiden Kinder und die Frau Barrettas hatte die Staatsanwaltschaft jeweils sechs Jahre Haft verlangt: "Das war eine Gruppe von Personen, die von Erpressung lebte und über die Aktivitäten Sgarbis Bescheid wusste."

ala/dpa

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