Prozess um Missbrauch im Kloster Ettal Pater will Schüler nur gestreichelt haben

Mindestens 20 Mal soll sich ein Pater des Klosters Ettal an Schülern vergangen haben. Der Mann steht jetzt vor Gericht und bestreitet alle Vorwürfe: Er habe die Kinder doch nur an Bauch und Rücken gestreichelt.

Angeklagter Pater: "Alle mir zur Last gelegten Vorwürfe sind unzutreffend"
DPA

Angeklagter Pater: "Alle mir zur Last gelegten Vorwürfe sind unzutreffend"


München - "Alle mir zur Last gelegten Vorwürfe sind unzutreffend" - mit diesen Worten hat sich ein Pater des oberbayerischen Klosters Ettal vor Gericht verteidigt. Die Staatsanwaltschaft München geht hingegen davon aus, dass der 44-Jährige wegen sexuellen Missbrauchs zu bestrafen ist. Sie hat ihn angeklagt: Der Mönch habe sich an zwei Schülern vergangen und es bei zwei weiteren versucht.

Die Vorfälle, die ihn vor Gericht brachten, sollen sich zwischen 2001 und 2005 ereignet haben. Laut Staatsanwaltschaft fasste der Mann die Schüler im Intimbereich an. Der Angeklagte aber sprach jetzt davon, die Schüler an Bauch und Rücken gestreichelt zu haben - mehr nicht. "Ich habe es in vielen Fällen an der notwendigen Distanz zu Schülern fehlen lassen", sagte er mehrmals in seiner rund zweieinhalbstündigen Erklärung am ersten Verhandlungstag. Dies sei unprofessionell gewesen. "Zu keinem Zeitpunkt aber habe ich mich Schülern in sexuell motivierter Absicht genähert."

Der Mann war 1995 in das Kloster eingetreten. Ab 2001 war er als Erzieher im Klosterinternat und als Religionslehrer am kirchlichen Gymnasium tätig. Kurze Zeit später soll er mit den Übergriffen begonnen haben: Einen 13-Jährigen streichelte er angeblich am Penis, einen anderen Jungen soll er sich auf den Schoss gesetzt haben. Laut Anklage kam es zu mindestens 20 solcher Vorfälle. Für den Prozess sind sieben Verhandlungstage angesetzt, zahlreiche Zeugen und Sachverständige sollen gehört werden. Das Urteil wird Ende März erwartet.

Serienweise körperliche Gewalt

Vor fünf Jahren war bekannt geworden, dass Mönche in Ettal zahlreiche Schüler misshandelt und sexuell missbraucht hatten. Schüler hatten von Schlägen mit einem Bambusstock und anderen schmerzhaften Bestrafungen berichtet. Ein Sonderermittler arbeitete die Demütigungen auf. Er beschrieb auf 180 Seiten serienweise körperliche Gewalt und sexuellen Missbrauch von rund 15 Mönchen an mehr als hundert Kindern. Die meisten Fälle waren aber bereits verjährt. Zwei Ordensleute kamen mit Bewährungsstrafen davon.

Ermöglicht wurden der Missbrauch und die Misshandlungen auch durch fehlende Pädagogik und totale Überforderung der Erzieher. Zu diesem Ergebnis kam 2013 eine Studie, die das Institut für Praxisforschung und Projektbearbeitung (IPP) im Auftrag des Klosters erstellte.

Die Verfasser führten die Vorfälle auch auf das Fehlen einer reflektierten Einstellung der Patres zu deren eigener Sexualität zurück, die der "angstbestimmten Selbstkontrolle" der Mönche überlassen worden sei. "Dort, wo diese Kontrollen nicht funktionierten, bot das Internat genügend Möglichkeiten, sich an Schülern zu vergehen." Abt Barnabas Bögle nannte die Studie damals "einen weiteren wichtigen Schritt in der Aufarbeitung eines dunklen Kapitels in der Geschichte unseres Internats und Klosters".

vbt/dpa/AFP



© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.