Angebliche Beleidigungen "Knöllchen-Horst" scheitert mit Anzeigen

Ein als Querulant bekannter Rentner aus dem Harz fühlt sich durch einen Chat beleidigt und zieht vor Gericht. Die Klagen hat die Justiz nun abgewiesen - auch "Knöllchen-Horst" müsse Kritik einstecken.

"Knöllchen-Horst" vor Gericht (Archivbild)
dpa

"Knöllchen-Horst" vor Gericht (Archivbild)


Der als "Knöllchen-Horst" bekannt gewordene Frührentner aus Niedersachsen ist mit einer Serie von Strafanzeigen wegen Beleidigung gescheitert. Man habe die etwa 15 Verfahren aus verschiedenen Gründen eingestellt, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Göttingen. Mit seinen Einsprüchen dagegen habe der Jäger von Falschparkern bei der Oberstaatsanwaltschaft ebenfalls keinen Erfolg gehabt.

In einem WhatsApp-Chat hatten sich Mitglieder einer Gruppe Bekannter untereinander kritisch über "Knöllchen-Horst" geäußert. Ein Unbekannter steckte dem Frührentner der Staatsanwaltschaft zufolge einen Ausdruck des Chats anonym in den Briefkasten. Daraufhin habe der Mann Strafanzeigen gestellt. "Zum Teil fielen die Aussagen aber in den Bereich der freien Meinungsäußerung", sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft. In anderen Fällen sei der streitfreudige Rentner an einen Schiedsmann verwiesen worden.

Seit 2006 hat "Knöllchen-Horst" mehr als 50.000 Autofahrer in seiner Heimat angezeigt - und dokumentierte die Fälle auch in einem eigenen Register. Unter anderem zeigte er auch die Besatzung eines Rettungshubschraubers wegen Parkens auf einem Gehweg an sowie den Ex-Erotikstar Dolly Buster wegen Beleidigung.

Das Oberverwaltungsgericht Lüneburg nannte den Rentner 2013 einen Verleumder: Wer das Hobby habe, Falschparker aufzuschreiben, gehe einer "denunziatorischen Tätigkeit" nach. Auch an anderer Stelle musste der selbsternannte Ordnungshüter einstecken: Nach einer Geschwindigkeitsüberschreitung wehrte er sich vor Gericht erfolglos gegen die Zahlung von zehn Euro Bußgeld.

Ende 2016 bestätigte das Verwaltungsgericht Göttingen eine Verfügung der niedersächsischen Datenschutzbeauftragten, die "Knöllchen-Horst" die Verwendung sogenannter Dashcams für die Jagd auf Verkehrssünder untersagt und die Löschung der datenschutzwidrig angefertigten Videoaufnahmen angeordnet hatte. Die Verfolgung von Verkehrsverstößen sei eine öffentliche Aufgabe, die Polizei und Ordnungsbehörden vorbehalten sei, hieß es.

apr/dpa

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.