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Kölns Polizeipräsident Albers: Letzte Warnung für den Wachtmeister am Rhein

Von , Köln

Kölns Polizeipräsident Albers (Archiv): Kritik nach Silvesterübergriffen in der Domstadt Zur Großansicht
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Kölns Polizeipräsident Albers (Archiv): Kritik nach Silvesterübergriffen in der Domstadt

Kölns oberster Polizist Wolfgang Albers gerät zunehmend unter Druck: Hool-Krawalle, SEK-Affäre und jetzt auch noch die Silvesterübergriffe. Inzwischen wirkt auch sein Dienstherr Jäger genervt von den Zuständen am Rhein.

Beamte aus dem Düsseldorfer Innenministerium, die lange Zeit mit Wolfgang Albers zusammengearbeitet haben, preisen dieser Tage seinen scharfen Verstand. Er sei ein aufmerksamer Zuhörer und ein guter Analytiker, sagen sie, und dabei klingt es, als formulierten sie bereits seinen dienstlichen Nachruf.

Der Kölner Polizeipräsident ist angezählt: Die dritte politisch brisante Großlage in noch nicht einmal anderthalb Jahren fällt nun auch auf den Chef der größten Polizeibehörde Nordrhein-Westfalens zurück.

Da waren zunächst die Ausschreitungen der rechten Schlägertruppe "Hooligans gegen Salafisten" (Hogesa), die sich im Herbst 2014 am Kölner Hauptbahnhof ausgetobt hatte. Die Polizei hatte seinerzeit die Größe und die Brutalität der Gruppe unterschätzt und erwies sich in der Folge als zu schwach, um der Lage Herr zu werden. Dutzende Beamte wurden verletzt, es entstand erheblicher Sachschaden.

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Chaos in Köln: Die Silvesternacht am Hauptbahnhof
Auch in der merkwürdigen Affäre um die angeblichen Entgleisungen eines Kölner Spezialeinsatzkommandos machte der Behördenchef Albers, 60, keine gute Figur. Die betroffenen Beamten jedenfalls hatten das Gefühl, ihr Vorgesetzter rede eher mit der Presse als mit ihnen.

Obwohl die strafrechtlichen Ermittlungen keine Verfehlungen der Polizisten belegen konnten und ein Sonderermittler die Einheiten sogar entlastete, blieb Albers, passionierter Hüte-Sammler, bei seiner harten Linie: Das betroffene Kommando 3 wurde offiziell aufgelöst - und dennoch im Zuge der Anti-Terror-Einsätze nach den Anschlägen von Paris wieder eingesetzt.

Politiker fordern Rücktritt

Und nun die massiven sexuellen Übergriffe auf Frauen in der Silvesternacht. Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) übte öffentliche Kritik am Vorgehen der Kölner Ordnungshüter. In der ARD sagte er, es könne nicht sein, dass erst der Vorplatz des Bahnhofs geräumt werde "und später finden diese Ereignisse statt, und man wartet auf Anzeigen. So kann die Polizei nicht arbeiten."

Video über Frauen-Demo: "Viele haben jetzt Angst"

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Kölns CDU-Chef Bernd Petelkau forderte bereits den Rücktritt des Sozialdemokraten Albers. FDP-Chef Christian Lindner pflichtete ihm bei: "In Köln braucht Sicherheit einen Neuanfang, auch einen personellen."

Der nordrhein-westfälische Landesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Erich Rettinghaus, sagte SPIEGEL ONLINE: "Die Ereignisse waren in dieser Dimension nicht vorhersehbar. Dennoch wird die Qualität der Aufklärung darüber Aufschluss geben müssen, ob personelle Konsequenzen in Köln notwendig sind."

"Wir waren nicht überfordert"

Albers hingegen verteidigt sich: "Wir waren nicht überfordert", sagte er. Zurücktreten will Albers nicht. Er bleibe "natürlich" im Amt, so der Jurist im WDR. "Gerade jetzt bin ich, glaube ich, hier gefragt."

Das Kölner Präsidium gilt in Nordrhein-Westfalen als besonders schwierig zu führende Behörde, nicht nur wegen seiner Größe mit etwa 5000 Beamten. Der Institution haftet - wie vielen Einrichtungen in der Domstadt - der Ruf an, anfällig für alle möglichen Spielarten des Klüngels zu sein. "Hier braucht es eigentlich einen Chef, der auch mal auf den Tisch hauen kann", sagt ein Beamter. Albers aber ist eher ein Mann der leisen Töne.

Noch steht Innenminister Ralf Jäger (SPD) hinter seinem Polizeichef, den er im Oktober 2011 aus Bonn nach Köln holte. Auf die Frage von Journalisten, ob Albers noch seine Rückendeckung habe, sagte Jäger am Mittwochmorgen: "Es geht nicht um Personen, sondern um eine ganze Behörde." Allerdings setzte er deutlich angefasst hinzu: "Es ist die Verantwortung der gesamten Polizei in Köln, bis ins Detail darzulegen, wie es zu diesen Übergriffen kommen konnte. Die Polizei in Köln hat jetzt eine Menge zu tun."

Das kann man durchaus auch als letzte Warnung für Wolfgang Albers verstehen.

Zum Autor

Jörg Diehl ist Chefreporter von SPIEGEL ONLINE.

E-Mail: Joerg_Diehl@spiegel.de

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