Übergriffe an Silvester Kölner Polizei lässt Verdächtige wieder frei

Zwei Verdächtige hat die Kölner Polizei nach den Übergriffen in der Silvesternacht festgenommen, nun sind die Männer wieder frei. Der Verdacht gegen sie habe sich nicht erhärtet, erklärte die Staatsanwaltschaft.

Einsatzort Kölner Hauptbahnhof: Verdächtige wieder frei gelassen
DPA

Einsatzort Kölner Hauptbahnhof: Verdächtige wieder frei gelassen


Zwei am Freitag wegen der Übergriffe in der Kölner Silvesternacht festgenommene Männer sind wieder auf freiem Fuß. Der Tatverdacht gegen die beiden habe sich nicht erhärtet, sagte Staatsanwalt Benedikt Kortz SPIEGEL ONLINE. Bei den 16 und 23 Jahre alten Männern aus Nordafrika sollen nach Polizeiangaben Handys sicher gestellt worden sein.

Unterdessen ist Kölns Polizeipräsident Wolfgang Albers in den einstweiligen Ruhestand versetzt worden. Die Rufe nach Albers' Rücktritt waren zuletzt immer lauter geworden. Nach Lokalpolitikernhatte auch der Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft massive Kritik an Albers geäußert. Der Polizeichef habe ein Kommunikationsdesaster angerichtet, sagte Rainer Wendt.

Albers hatte sich zuletzt gegen den Vorwurf der "Verschleierung" der Herkunft möglicher Verdächtiger gewehrt. Er habe seit der ersten Pressekonferenz am vergangenen Sonntag "mehrfach öffentlich" darauf hingewiesen, dass sich viele von Polizisten am Bahnhofsvorplatz kontrollierten Personen mit Papieren des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge ausgewiesen hätten, erklärte er.

Bei diesen handle es sich aber nicht zwangsläufig auch um die für die massenhaften Übergriffe verantwortlichen Täter, so Albers. Er habe sich daher auch nicht an "Spekulationen" beteiligt und werde das auch in Zukunft nicht tun. "Solange die Polizei Menschen keine durch Fakten gestützten Tatvorwürfe machen kann, gilt hier in Deutschland die Unschuldsvermutung." Ihm Verschleierung vorzuwerfen, sei daher "vollkommen abstrus", ergänzte er.

Köln lehnte Unterstützung in Silvesternacht wohl ab

Nach Informationen der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" erhielt das Kölner Polizeipräsidium in der Silvesternacht das Angebot, Verstärkung zu bekommen - lehnte die Hilfe jedoch ab.

Ein Sprecher des nordrhein-westfälischen Landesamts für Zentrale Polizeiliche Dienste (LZPD) in Duisburg sagte der Zeitung, die Leitstelle des LZPD habe in der Silvesternacht in ständigem Kontakt mit dem Polizeipräsidium in Köln gestanden. Im Laufe der Nacht habe die Duisburger Leitstelle sogar aktiv bei den Kölner Kollegen nachgefragt, ob Verstärkung benötigt werde. "Die Hundertschaft stand zum Abruf bereit", so der Sprecher.

OB Reker distanziert sich von Albers

Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker hatte sich ebenfalls von Albers distanziert. Die ihr von der Polizeiführung geschilderten Fakten gäben nicht das vollständige Bild der Einsatznacht wieder, hieß es in einer Stellungnahme der parteilosen Oberbürgermeisterin. "Insofern ist mit meinem heutigen Kenntnisstand das Vertrauensverhältnis zur Kölner Polizeiführung erheblich erschüttert."

In der Silvesternacht waren auf dem Gelände des Kölner Hauptbahnhofs Dutzende Frauen massiv belästigt und beklaut worden. Rund 200 Anzeigen sind bei der Kölner Polizei und der Bundespolizei bislang eingegangen, davon beziehen sich rund drei Viertel auf sexuelle Übergriffe.

gam/dpa



© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.