Kölner Hauptbahnhof Geiselnehmer ist identifiziert

Bei dem Geiselnehmer von Köln steht die Identität nun zweifelsfrei fest - es handelt sich um einen polizeibekannten Syrer, dessen Papiere am Tatort gefunden wurden.

Apotheke im Kölner Hauptbahnhof
DPA

Apotheke im Kölner Hauptbahnhof


Der Geiselnehmer von Köln ist identifiziert. Bei dem Täter handele es sich zweifelsfrei um den Mann, dessen Papiere die Polizei am Tatort gefunden hatte, sagte ein Sprecher. Dieser sei ein 55 Jahre alter Syrer mit offiziellem Flüchtlingsstatus. Er sei polizeibekannt.

Er sei erstmals 2016 kriminalpolizeilich in Erscheinung getreten, sagte der Leitende Kriminaldirektor Klaus-Stephan Becker. Dabei habe es sich um ein Drogendelikt gehandelt. Bis zur Tat am Montag sei der Mann insgesamt 13-mal polizeilich in Erscheinung getreten - wegen Drogen, Diebstahl, Bedrohung, Betrug und Hausfriedensbruch.

Er war nach Polizeiangaben arbeitslos. Der 55-Jährige habe in einer Kölner Flüchtlingsunterkunft gelebt und sei psychisch nicht in der Lage gewesen, einer Arbeit nachzugehen, sagte ein Polizeisprecher. Ein Sohn und ein Bruder des Mannes leben laut Becker in Deutschland. Die Frau des Geiselnehmers halte sich noch in Syrien auf. "Sie hat zweimal einen Einreiseantrag gestellt, der jeweils abgelehnt wurde."

Der "Kölner Stadt-Anzeiger" berichtete unter Berufung auf den Hausverwalter der Flüchtlingsunterkunft, dass der Mann in Syrien als politischer Häftling und Gegner des Regimes von Präsident Assad im Gefängnis gesessen haben solle. "Er sagte, dass er dort gefoltert wurde. Mit Stromschlägen, mit Wasser, mit Licht", sagte der Hausverwalter. "Das hat ihn psychisch krank gemacht. Er war hier in Köln deswegen auch in Behandlung." Die Polizei hat eigenen Angaben zufolge keine Informationen über eine Haftzeit in Syrien.

Geisel war offenbar "Zufallsopfer"

Der Syrer hatte am Montag einen Brandanschlag auf ein Schnellrestaurant im Kölner Hauptbahnhof verübt. Dabei erlitt ein 14-jähriges Mädchen Brandverletzungen, eine Frau wurde leicht verletzt. Nach der Tat ließ der Mann einen Koffer und eine Aktentasche mit Gaskartuschen und Brandbeschleuniger in der Filiale zurück und flüchtete in eine Apotheke. Die Polizei hat mittlerweile Bilder von den Gegenständen veröffentlicht, und bitte Zeugen um Hinweise.

Koffer des Geiselnehmers
DPA/ Polizei Köln

Koffer des Geiselnehmers

Dann flüchtete der Täter den Angaben zufolge in eine Apotheke und nahm eine Frau als Geisel. Das hatte er den Angaben zufolge vermutlich nicht geplant. "Der eigentliche Tatplan war die Brandlegung im McDonalds", sagte Becker. Die Geisel sei wahrscheinlich "ein Zufallsopfer" gewesen. Mit dem Brandanschlag habe der Täter offenbar möglichst viele Menschen treffen wollte. Es sei großes Glück, dass nicht viel mehr Menschen verletzt worden seien, sagte Becker.

Damit hätte er einen erheblichen Schaden anrichten können, hieß es von den Ermittlern. Hätte er die Kartuschen zur Explosion gebracht, wäre der Schaden beachtlich gewesen, sagte Becker. Dafür bedürfe es jedoch großer Hitze. Ob das mitgeführte Benzin dafür ausgereicht hätte, darüber könne bislang nur spekuliert werden.

Die Polizei hatte die Geiselnahme am Montagnachmittag beendet. Beamte eines Spezialeinsatzkommandos schossen den Täter nieder, als dieser die Geisel nach Polizeiangaben massiv bedroht hatte.

Haftbefehl wegen versuchten Mordes

Der Täter schwebe mittlerweile nicht mehr in Lebensgefahr. "Er liegt aber weiter im Koma", sagte Miriam Brauns, die stellvertretende Polizeipräsidentin von Köln. Der Mann habe noch nicht vernommen werden können.

Die verletzte Jugendliche habe starke Verbrennungen erlitten, sagte Brauns. Sie solle am Nachmittag operiert werden. Die verletzte Geisel könne das Krankenhaus vermutlich noch am Dienstag verlassen.

Gegen den Täter ist Haftbefehl wegen versuchten Mordes und wegen Geiselnahme erlassen worden. Das teilte die Staatsanwaltschaft mit. Die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe könnte noch am Dienstag die Ermittlungen übernehmen. Nach jetzigem Stand gehe die Behörde davon aus, sagte ein Sprecher. Die weiteren Ermittlungen würden aber derzeit noch geprüft.

Bei der Durchsuchung der Wohnung des Täters habe die Polizei bislang keine Bekenntnisse zum "Islamischen Staat" gefunden, hieß es. Schriftzeichen an den Wänden hätten zwar einen intensiven muslimischen Bezug, aber keine konkret islamistischen Bekenntnisse zu Dschihadistenmiliz, sagte Becker. Es würden aber noch Datenträger ausgewertet.

Außerdem sei in der Wohnung in einer Flüchtlingsunterkunft im Stadtteil Neuehrenfeld weiteres Benzin gefunden worden. "Die Benzinausdünstungen waren so intensiv, dass die Feuerwehr erst einmal lüften musste." Auf mögliche Komplizen des Geiselnehmers gebe es bislang keine Hinweise, sagte Becker. Es werde intensiv nach eventuellen Mittätern gesucht.

Ein weiterer Ermittlungskomplex seien Videoauswertungen, unter anderem um den Weg des Täters zum Hauptbahnhof zu rekonstruieren. Zeugen, die Videos und Fotos gemacht haben, werden gebeten, der Polizei das Material über ein Uploadportal zu Verfügung zu stellen.

bbr/wit



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