Urteil am Landgericht Kölner Raser müssen doch ins Gefängnis

Nach dem Tod einer Radfahrerin bei einem illegalen Autorennen hat das Kölner Landgericht die Bewährung für zwei Raser aufgehoben. Die Männer müssen die bereits verhängten Haftstrafen absitzen.

Gedenken am Unfallort
DPA

Gedenken am Unfallort


Im neu aufgelegten Prozess um einen tödlichen Unfall bei einem illegalen Autorennen hat das Kölner Landgericht entschieden, dass die bereits verhängten Freiheitsstrafen nicht zur Bewährung ausgesetzt werden dürfen. Die heute 24 und 25 Jahre alten Fahrer müssen demnach wegen fahrlässiger Tötung in Haft.

Eine andere Kammer des Gerichts hatte die Angeklagten zuvor wegen fahrlässiger Tötung zu Bewährungsstrafen von zwei Jahren sowie einem Jahr und neun Monaten verurteilt - jeweils auf Bewährung. Der Bundesgerichtshof (BGH) monierte aber die Strafaussetzung und hob das Urteil teilweise auf.

Die beiden Männer hatten sich 2015 in Köln-Deutz ein Rennen geliefert. Einer der Männer verlor die Kontrolle über seinen Wagen und rammte eine Radfahrerin; die 19-jährige Studentin erlag drei Tage später im Krankenhaus ihren schweren Verletzungen. Der Fall hatte überregional Entsetzen ausgelöst.

Kammer folgte Antrag der Staatsanwaltschaft

Nach Auffassung des BGH hatten die Kölner Richter bislang aber nicht berücksichtigt, wie sich die Bewährungsstrafen auf das allgemeine Rechtsempfinden der Bevölkerung auswirken würden. Außerdem habe die aggressive Fahrweise der damals 21 und 22 Jahre alten Angeklagten eine Rolle gespielt.

Mit der jetzigen Entscheidung folgte das Gericht dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Diese hatte am Vormittag in ihrem Plädoyer gefordert, die Aussetzung der Strafen zur Bewährung aufzuheben. Die dafür gesetzlich vorgeschriebenen "besonderen Umstände" seien im vorliegenden Fall nicht gegeben, sagte er.

Das Kölner Landgericht hatte nach der BGH-Entscheidung vergangenes Jahr damit begonnen, den Fall neu aufzurollen. Im Dezember platzte der Prozess jedoch, weil ein Schöffe selbst Kontakte in die Raser-Szene haben soll - und daher möglicherweise befangen war. Der Schöffe wurde ersetzt, das Verfahren musste von vorne beginnen.

Illegale Autorennen hatten in der Vergangenheit häufig Gerichte beschäftigt und zu unterschiedlichen Urteilen geführt. Erst kürzlich hob der BGH das bundesweit erste Mordurteil gegen zwei Berliner Raser auf. Sie hatten bei einem Rennen einen Unfall verursacht, bei dem der Fahrer eines anderen Autos ums Leben kam.

SPIEGEL TV Magazin über Autoraser in Köln

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Anmerkung: Wir haben die Formulierung zur Argumentation des BGH bezüglich der Fahrweise der beiden Männer präzisiert.

mxw/apr/dpa/AFP

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