Übergriffe an Silvester Wer sind die Verdächtigen von Köln?

Dutzende Männer beklauten und belästigten in der Silvesternacht Frauen in Köln. Unter den Verdächtigen sind nach Angaben eines Polizeigewerkschafters auch Flüchtlinge. Ob sie allerdings zu den Tätern gehören, müssten Ermittlungen erst zeigen.

Hauptbahnhof in Köln: "Polizisten sind keine Hellseher"
DPA

Hauptbahnhof in Köln: "Polizisten sind keine Hellseher"


An den sexuellen Übergriffen an Silvester in Köln haben sich nach Angaben der Deutschen Polizeigewerkschaft womöglich auch Flüchtlinge beteiligt. Der Vorsitzende der DPolG-Bundespolizeigewerkschaft Ernst G. Walter sagte am Donnerstag der ARD-Sendung "Brennpunkt", es seien überwiegend junge Männer aus dem arabischen und nordafrikanischen Raum gewesen. "Wir haben auch Erkenntnisse darüber, dass sich darunter auch Flüchtlinge befunden haben."

Ob die Flüchtlinge nun "unbedingt zu dem heftigen Täterkreis" gehörten, müssten nun die Ermittlungen zeigen, sagte Walter. Einige Verdächtige wohnten in Flüchtlingsheimen im Bereich Duisburg. Die Asylbewerber seien mit entsprechenden Papieren des Bundesamts für Migration ausgestattet gewesen.

Auch in einem internen Bericht der Bundespolizei zu dem Einsatz in Köln heißt es, Menschen hätten vor den Augen der Polizisten Aufenthaltstitel zerrissen. Dazu fiel der Satz: "Ihr könnt mir nix, hole mir morgen einen neuen." Ob es sich um echte Dokumente handelte und um welche Art von Papieren, geht aus dem Bericht nicht hervor. Ein Polizist zitiert in dem Bericht einen der mutmaßlichen Täter mit den Worten: "Ich bin Syrer, ihr müsst mich freundlich behandeln! Frau Merkel hat mich eingeladen."

In dem Bericht wird auch deutlich, wie überfordert die Beamten in der Silvesternacht waren. "Die Einsatzkräfte konnten nicht allen Ereignissen, Übergriffen, Straftaten usw. Herr werden, dafür waren es einfach zu viele zur gleichen Zeit."

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Chaos in Köln: Die Silvesternacht am Hauptbahnhof
Der DPolG-Vorsitzende verteidigte den Einsatz nun im "Brennpunkt": Es seien "wesentlich mehr" Beamte eingesetzt worden als in den vergangenen Jahren. Für eine normale Nacht hätte das Personal ausgereicht, eine solche Eskalation wie vor dem Kölner Hauptbahnhof sei nicht vorhersehbar gewesen, sagte Walter. "Polizisten sind keine Hellseher."

Normalerweise hätte man von der Bundespolizei Reservekräfte zur Verfügung gestellt bekommen, sagte er in dem TV-Interview. Dies sei an Silvester jedoch nicht geschehen, weil die Bundespolizei im Kampf gegen die Flüchtlingskrise mehr als 2000 Beamte an der Südgrenze einsetze.

Bei der Polizei in Köln sind inzwischen mehr als 100 Anzeigen eingegangen, 16 Tatverdächtige wurden ermittelt. In einer ersten Mitteilung am Neujahrsmorgen hatte die Pressestelle die Einsatzlage noch als "entspannt" beschrieben. Kölns Polizeipräsident Wolfgang Albers räumte später ein: "Diese erste Auskunft war falsch."

Auch in anderen deutschen Städten war es in der Silvesternacht zu Übergriffen gekommen, darunter in Hamburg und Stuttgart. Auch in Österreich erstatteten mehrere Frauen Anzeige wegen sexueller Belästigung in der Neujahrsnacht.

Die Ermittlungen zu den Taten in Köln gestalten sich schwierig. Obwohl es noch keine gesicherten Erkenntnisse zu den Tätern gibt, diskutiert die Politik bereits über die Abschiebung straffällig gewordener Flüchtlinge. Kanzlerin Angela Merkel sagte, es sei unter anderem über möglichen Handlungsbedarf bei der Ausweisung straffälliger Ausländer zu reden. Der CDU-Vorstand fordert Gesetzesverschärfungen, darunter Schleierfahndung und schnellere Aberkennung des Asylstatus.

Video: Böller vor dem Kölner Hauptbahnhof an Silvester

Youtube/Baris Olsun

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aar/AFP/dpa

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