#einearmlaenge Oberbürgermeisterin Reker verärgert mit Verhaltenstipps für Frauen

Was können Frauen tun, um sich zu schützen? Das wurde Kölns Oberbürgermeisterin Reker bei einer Pressekonferenz gefragt. Sie riet Frauen, eine Armlänge Abstand zu Fremden zu halten. In sozialen Netzwerken schlägt ihr nun Empörung entgegen.

Kölner Oberbürgermeisterin Reker: "In Gruppen zusammenfinden, sich nicht trennen lassen, auch nicht in Feierlaune"
DPA

Kölner Oberbürgermeisterin Reker: "In Gruppen zusammenfinden, sich nicht trennen lassen, auch nicht in Feierlaune"


Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker hat nach den Übergriffen in Köln mit Verhaltenstipps für Empörung gesorgt. Reker sagte auf einer Pressekonferenz, dass Frauen eine Armlänge Abstand zu Fremden halten sollten. Wörtlich sagte sie auf die Frage einer Journalistin, wie man sich als Frau besser schützen könne, es gebe "immer eine Möglichkeit, eine gewisse Distanz zu halten, die weiter als eine Armlänge betrifft. Also von sich aus gar nicht eine große Nähe zu suchen zu Menschen, die einem fremd sind und zu denen man kein gutes Vertrauensverhältnis hat."

Zudem riet sie jungen Frauen, "sich in Gruppen zusammenzufinden, sich nicht trennen zu lassen, auch nicht in Feierlaune." Reker wirkte von der Frage überrascht und musste erst nach Worten suchen. Die ungeschickte Formulierung wurde auf Twitter jedoch sogleich aufgenommen, zahlreiche Nutzer empörten sich unter dem Hashtag #einearmlaenge über die Antwort von Reker.

Der Berliner Politiker Christopher Lauer machte ironisch deutlich, dass solche Verhaltensregeln ohnehin nichts brächten:

Interpretiert man den Rat Rekers hingegen wie der Journalist Alexander Nabert, könnte er doch noch Schlagkraft entwickeln.

Tipps, die eine Verhaltensänderung der Betroffenen selbst einfordern, haben auch in der Vergangenheit schon für Proteste gesorgt. In Kanada hatte sich 2011 als Reaktion auf eine unqualifizierte Aussage eines Polizisten die "Slutwalk"-Bewegung gegründet. Der Polizist hatte vor Jurastudentinnen in Toronto darüber doziert, was diese tun könnten, um sexuelle Übergriffe zu vermeiden und gesagt: "Damit Frauen nicht zu Opfern werden, sollten sie aufhören, sich wie Schlampen anzuziehen."

In der Folge gingen Tausende junger Frauen unter Slogans wie "Ich bin stolz, eine Schlampe zu sein" in Miniröcken und Latex auf die Straße, die "Schlampenparade" schwappte bis nach Australien und Europa über, auch in London und Berlin demonstrierten dünn bekleidete Frauen.

sun

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