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Silvester-Übergriffe in Köln: Polizei räumt Fehleinschätzung am Neujahrsmorgen ein

Kölner Hauptbahnhof: Schärfere Sicherheitsvorkehrungen Zur Großansicht
DPA

Kölner Hauptbahnhof: Schärfere Sicherheitsvorkehrungen

Die Lage entspannt in der Silvesternacht? Die Kölner Polizei räumt nun ein: Diese Einschätzung am Neujahrsmorgen war falsch. Nach massenhaften Übergriffen auf Frauen am Hauptbahnhof werden die Sicherheitsvorkehrungen drastisch verschärft.

Als Reaktion auf die Übergriffe vor dem Kölner Hauptbahnhof in der Silvesternacht will die Stadt ihre Sicherheitsvorkehrungen für Großveranstaltungen verschärfen. "Wir haben heute Morgen gemeinsam Maßnahmen entwickelt, die dazu führen sollen, dass es solche Vorfälle hier nie wieder gibt", sagte Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos) auf einer Pressekonferenz. "Ebenso wichtig ist aber auch, dass wir uns das Karnevalfeiern nicht nehmen lassen durch solche Vorfälle."

Polizeipräsident Wolfgang Albers bezeichnete die Ereignisse von Köln als "in keiner Weise tolerabel" und versprach, alles zu tun, "damit sich eine solche Situation nicht wiederholt in Köln oder anderswo". Albers kritisierte die erste polizeiliche Einschätzung der Lage am Neujahrsmorgen. "Diese erste Auskunft war falsch." In einer Pressemitteilung hatte die Polizei die Einsatzlage in der Silvesternacht als entspannt beschrieben.

Albers umriss die Sofortmaßnahmen, die als Reaktion auf die Eskalation am Kölner Hauptbahnhof ergriffen werden sollen.

Demnach soll(en):

  • in Zukunft bei Großveranstaltungen, vor allem im Hinblick auf den anstehenden Karneval, die Polizeipräsenz deutlich erhöht werden
  • uniformierte und zivile Sicherheitskräfte im Einsatz sein
  • temporär eine mobile Videoüberwachung für einen besseren Blick von oben sorgen und es möglich machen, gegebenenfalls mehr Polizeikräfte zuzuführen
  • geprüft werden, ob gegen polizeibekannte Straftäter aus dem Deliktbereich Taschendiebstähle gegebenenfalls sogenannte "Bereichsbetretungsverbote" ausgesprochen werden können, verbunden mit Meldeauflagen für die betroffenen Personen, die sich dann in bestimmten Abständen bei Polizeidienststellen melden müssten.

Polizeipräsident Albers betonte, dass man bei den Vorfällen nicht von 1000 Tätern sprechen könne. "Es gibt keine 1000 Täter. Es gibt eine Gruppe von etwa tausend Menschen, aus der heraus Straftaten begangen wurden." Die Tatsache, dass 90 Strafanzeigen vorlägen, bedeute nicht automatisch, dass es auch 90 Täter gebe.

Oberbürgermeisterin Reker sagte, die Behörden hätten keinerlei Hinweise darüber, dass es sich bei den Tätern um Flüchtlinge handele. Entsprechende Vermutungen hält sie für "absolut unzulässig". "Wir haben derzeit keine Erkenntnisse über Täter", sagte Kölns Polizeipräsident Wolfgang Albers.

Der Leitende Polizeidirektor von Köln, Michael Temme, rekapitulierte den Einsatz folgendermaßen:

Die Polizei habe gegen 21 Uhr auf dem Bahnhofsvorplatz zunächst 400 bis 500 Personen festgestellt, fast ausschließlich junge Männer, die "reichlichst" Alkohol konsumiert und unkontrolliert Feuerwerkskörper abgefeuert hätten. Bis 23 Uhr sei diese Menschenmenge auf etwa tausend Personen angewachsen, die Stimmung sei deutlich aggressiver geworden, die jungen Männer hätten sich "völlig enthemmt und unbeeindruckt von polizeilichen Maßnahmen" gezeigt.

Die Polizei habe daraufhin beschlossen, den Vorplatz und die Domtreppe zu räumen, weil man eine Eskalation befürchtete. Die Räumung habe sich schwierig gestaltet, sei aber gelungen, die Situation habe sich bis 0.45 Uhr beruhigt, die Menge habe sich in kleinere Gruppen geteilt. "Die Übergriffe waren aber mit der Räumung nicht beendet." Erst gegen 1 Uhr habe die Polizei erste Meldungen zu sexuellen Übergriffen erhalten.

Im Video: Die Szenerie an Silvester vor dem Kölner Hauptbahnhof

Youtube/Baris Olsun
Sorge vor "innenpolitischer Bombe"

Im Video: Justizminister Maas fordert Konsequenzen

ala/dpa

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