SEK-Affäre in Köln Polizeichef rehabilitiert Elitecops

Nach einem Mobbingskandal versetzte der frühere Kölner Polizeichef mehrere SEK-Beamte in den Innendienst. Jetzt kippte sein Nachfolger die Entscheidung.

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Polizeipräsident Mathies: Korrektur einer Entscheidung
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Polizeipräsident Mathies: Korrektur einer Entscheidung


Der neue Kölner Polizeipräsident Jürgen Mathies hat eine umstrittene Entscheidung seines Vorgängers rückgängig gemacht. Mathies ordnete an, dass sechs in den Innendienst versetzte SEK-Beamte wieder regulär an Einsätzen von Spezialeinheiten teilnehmen dürfen. Das bestätigte eine Sprecherin der Polizei. Gründe wollte sie auf Nachfrage nicht nennen.

Der ehemalige Polizeichef Wolfgang Albers hatte im September die SEK-Einheit der Beamten nach Mobbingvorwürfen aufgelöst. Gegen die Elitepolizisten laufen Disziplinarverfahren, ein Strafverfahren wurde eingestellt. Auch ein Sonderermittler entlastete die Cops. Ex-Chef Albers musste nach den Übergriffen zu Silvester in Köln seinen Posten räumen. Sein Nachfolger Mathies rehabilitiert die Spezialkräfte nun.

Zweifelhafte Aussagen des früheren SEK-Mannes Thorsten K.* hatten eine behördliche Lawine gegen das Kommando 3 in Gang gesetzt. Albers entschied damals in Absprache mit dem NRW-Innenministerium: Vier Mitglieder des bislang freigestellten SEK sollen die Spezialeinheiten verlassen, aber bei der Kölner Polizei bleiben. Fünf Mitgliedern sei angeboten worden, weiterhin bei einem SEK Dienst zu versehen, allerdings außerhalb Kölns, hieß es seinerzeit.

Im Innenausschuss hatte der Leiter der Polizeiabteilung im Innenministerium, Wolfgang Düren, diesen Schritt unter anderem damit begründet, dass K. und ein anderer Kollege aus Körperflüssigkeiten hergestelltes Eis hätten essen müssen. Doch das war falsch. Selbst K. sprach in seiner Aussage ausschließlich von einer Tzatziki-Knoblauch-Chili-Mischung. Inzwischen hat Düren seinen Fehler eingeräumt.

Die Anwälte mehrerer Betroffener rügen nun eine "beispiellose Vorverurteilung" ihrer Mandanten. "Monatelange Schmähung, mangelndes Vertrauen in ihre Wertevorstellung haben die Beamten tief verletzt", heißt es in einer Mitteilung. Die Anwälte fordern, auch das Disziplinarverfahren einzustellen. Die Beamten seien "durch das monatelange Einsatzverbot" bestraft genug.

*Name geändert



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zinedine02 29.01.2016
1. Jeder...
Jeder hat eine zweite Chance verdient. Die Jungs werden hoffentlich ihre Lehren daraus gezogen haben!
McMuffin 30.01.2016
2.
Zitat von zinedine02Jeder hat eine zweite Chance verdient. Die Jungs werden hoffentlich ihre Lehren daraus gezogen haben!
Woraus sollen sie denn ihre Lehren gezogen haben? Es war ja nichts strafbares, sagt die Staatsanwaltschaft. Im Gegenteil: Der Sonderermittler hat ihnen hervorragende Arbeit bescheinigt. Zitat Spon aus einem anderen Artikel: "Im Gegenteil: Der SEK-Beamte Thorsten K.*, der die Vorwürfe erhoben hatte, sei eine sehr problematische Persönlichkeit, befand die Justiz. Wegen seiner fehlenden Leistungsbereitschaft, mangelnder Einstellung und Kritikfähigkeit sowie wegen seines fortgesetzten schlechten Redens über Kollegen sei er ausgesprochen unbeliebt im Kommando gewesen, vermerkte ein Staatsanwalt. Schließlich musste K. die Einheit sogar verlassen - und schwärzte im Anschluss seine Kollegen an." Oder meinten Sie mit den Lehren: Wenn sich ein Kollege massiv danebenbenimmt, lieber den Mund halten, augen zu und durch, sonst hat man am Ende selbst den Ärger und selbst bei einer Rehabilitation bleibt bei Leuten, die nur halb informiert sind, noch genug hängen?
m.m.s. 30.01.2016
3. Heissen Wind bewegen
Als Beamte muss man mit den Behördenvorschriften zufrieden sein und diesen folgen. So ist das deutsche wunderbare Rechtsleben hergestellt worden. Dagegen aufbegehren tun nur die Rechtsanwälte und bewegen dabei heissen Wind. - Deshalb wird dieses System auch immer unmenschlicher, und glaubt dabei auch noch an das Gegenteil. Merken tun dies aber immer mehr Menschen, weil die Menschen sich weiterentwickelt haben und keine "repräsentative" Demokratie mehr brauchen sondern ihr Leben mitgestalten werden. Wer sie daran hindert, wird die Rechnung früher oder später präsentiert bekommen.
RamBo-ZamBo 30.01.2016
4. asdf
Selbst wenn die Vorwürfe stimmen würden weiß ich nicht wo der Skandal sein soll. Wir erwarten von diesen Männern, dass sie in schwierigsten Situationen (Geiselnahmen, Terroranschläge, gewaltbereite Schwerverbrecher,...) entschlossen und richtig reagieren. Da müssen Rituale und Corpsgeist nunmal sein. Und das Aufnahmeritual war dem vernehmen nach relativ harmlos. So eine Einheit kann man nicht führen wie die Verkehrspolizei. Die Rehabilitation ist richtig.
stilus 30.01.2016
5. Was heisst hier
Zitat von zinedine02Jeder hat eine zweite Chance verdient. Die Jungs werden hoffentlich ihre Lehren daraus gezogen haben!
Die Einzigen, die eine Lehre aus dem Ganzen ziehen müssen, sind der Herr Düren (Innenministerium) und der Denunziant. Und diese beiden Pappnasen gehören auch sanktioniert! Wenn so ein Typ wie Düren im Ministerium für die Polizei zuständig ist, dann erklärt das alles. Versetzt den Mann ins Grünflächenamt! Den damaligen (unsäglichen) Kölner Polizeichef hat`s ja gottseidank schon zerrissen. Leider viel zu spät.
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