Kritik an Silvester-Einsatz Kölns Polizeipräsident lehnt Rücktritt ab

Kölns Polizeipräsident Wolfgang Albers steht nach den Übergriffen an Silvester unter Druck - er will aber im Amt bleiben. Die Deutsche Polizeigewerkschaft verbittet sich derweil Kritik von Innenminister Thomas de Maizière an der Kölner Polizei.

Polizeipräsident Albers (Archivfoto): "Gerade jetzt bin ich hier gefragt"
DPA

Polizeipräsident Albers (Archivfoto): "Gerade jetzt bin ich hier gefragt"


Der Kölner Polizeipräsident Wolfgang Albers sieht keinen Grund, sein Amt abzugeben. Entsprechende Forderungen - etwa von der Kölner CDU - waren aufgekommen, weil Albers für den stark kritisierten Einsatz der Kölner Polizei in der Silvesternacht mit verantwortlich gemacht wird. Am Hauptbahnhof und Dom gab es eine Serie von Diebstählen und sexuellen Übergriffen auf Frauen. FDP-Chef Christian Lindner sagte: "In Köln braucht Sicherheit einen Neuanfang, auch einen personellen."

Albers verteidigte im WDR das Vorgehen der Beamten. "Wir waren mit starken Polizeikräften dort", sagte Albers. "Wir waren nicht überfordert." Man habe den Opfern geholfen, soweit die Polizei es konnte. Einen Rücktritt lehnte Albers ab: "Gerade jetzt bin ich hier gefragt", sagte er - und verwies auf die anstehende Karnevalsaison. "Da bin ich auch gefordert."

Kritik an der Polizei hatte unter anderem Bundesinnenminister Thomas de Maizière geübt. Der hatte der ARD gesagt, dass es nicht sein könne, dass erst der Vorplatz des Bahnhofs geräumt werde "und später finden diese Ereignisse statt, und man wartet auf Anzeigen. So kann Polizei nicht arbeiten." Der CDU-Politiker zeigte sich zudem irritiert darüber, dass die Kölner Polizei noch am Neujahrstag erklärt habe, die Nacht sei friedlich verlaufen. Diese Fehleinschätzung wurde inzwischen eingeräumt.

Von der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG) kommt Widerspruch zur Kritik des Innenministers. "Ich glaube nicht, dass es ein guter Stil ist, wenn der Bundesinnenminister in aller Öffentlichkeit die Landespolizei und die Einsatzleitung dort kritisiert", sagte Gewerkschaftschef Rainer Wendt dem Hessischen Rundfunk. "In dieser Weise pauschal über die Polizei in Köln herzufallen, das ist unanständig. Das gehört sich einfach nicht."

Wendt machte stattdessen de Maizière für die Situation in Köln mitverantwortlich. "De Maizière muss die Frage beantworten, wo eigentlich die vielen Bundespolizisten waren, die am Kölner Hauptbahnhof eigentlich auf dem Dienstplan stehen", sagte er dem Sender am Mittwoch. Diese würden schon seit Monaten "zweckentfremdet" in Bayern für die Grenzsicherung eingesetzt. Die DPolG geht nicht davon aus, dass Täter zur Rechenschaft gezogen werden - wegen schwieriger Ermittlungen und Personalmangels.

Zu den Vorfällen in Köln gibt es inzwischen mehr als hundert Strafanzeigen, teilte die Polizei mit. Die Ermittler haben noch keine genauen Kenntnisse über die mutmaßlichen Täter. Laut Augenzeugenberichten sollen sie dem Anschein nach nordafrikanischer oder arabischer Herkunft gewesen sein.

Video: Übergriffe in Köln - Sicherheitsvorkehrungen werden drastisch verschärft

Amateurvideo: Böller und Raketen vor dem Bahnhof

Youtube/Baris Olsun
Video: "Viele Frauen haben jetzt Angst"

SPIEGEL ONLINE

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.