Toter Polizist in Köln Tatort Chlodwigplatz

Eine Straßenbahn überrollt einen Polizisten, der in Köln Karneval feiern wollte. Der Mann wurde offenbar zwischen zwei Wagen gestoßen - Unfall oder Absicht? Der Tatverdächtige schweigt.

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Von Christian Parth, Köln


Die Situation wirkt skurril. Kurz bevor der Kölner Rosenmontagszug sich in Bewegung setzt, läuft NRW-Ministerpräsident Armin Laschet im grün-goldenen Ornat der Kölner Ehrengarde rüber zur Stadtbahn-Haltestelle Chlodwigplatz. An seiner Seite Oberbürgermeisterin Henriette Reker, ebenfalls im Kostüm der Ehrengarde.

Beide nehmen ihre mit bunten Federn geschmückten Hüte vom Kopf und gedenken eines Polizisten, der hier in der Nacht zum Samstag, mitten im Karnevalstrubel, sein Leben verlor. "Auch an den Karnevalstagen können pure Freude und tiefes Leid eng beieinander liegen", sagt Laschet. "Das zeigt uns auch dieses traurige Schicksal."

Der Polizist starb gegen 23.50 Uhr. Der 32-Jährige hatte sich verkleidet und war privat mit zwei Begleitern am Bahnsteig in der Kölner Südstadt unterwegs, um zu feiern. Noch am selben Tag hatte er nach SPIEGEL-Informationen erfolgreich einen mehrwöchigen Lehrgang beendet. Einst Streifenpolizist in Köln, war er zum LKA-Beamten aufgestiegen, Fahndungsgruppe Staatsschutz, unter anderem zuständig für Islamisten.

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Toter Polizist in Köln: Trauer am Bahngleis

Wegen des Straßenkarnevals herrschte dichtes Gedränge. Nach bisherigen Erkenntnissen wurde der Polizist plötzlich zwischen zwei Wagen einer Bahn gestoßen, überrollt und einige Meter mitgeschleift. Laut Polizei war er auf der Stelle tot. Seine beiden Freunde standen unter Schock und wurden ins Krankenhaus gebracht.

Der Fall gibt Rätsel auf. Nach dem tödlichen Schubser meldeten sich einige Zeugen, um bei der Aufklärung behilflich zu sein. Darunter war auch der Mann, der nun als Tatverdächtiger in U-Haft sitzt, ein etwa 40-jähriger Rechtsanwalt. Nach seiner Zeugenaussage wurde er zunächst laufen gelassen. Am Samstag wurde er schließlich doch festgenommen. Im Haftbefehl ist Fluchtgefahr vermerkt.

Überwachungsvideo zeichnete Vorfall auf

Noch immer ist völlig unklar, warum der Jurist den Polizisten gegen die Bahn geschubst haben soll. War es Absicht oder nur ein Versehen im dichten Gedränge?

Der Verdächtige schweigt. Eine Überwachungskamera zeichnete den Vorfall auf. Allerdings bieten die Bilder offenbar Interpretationsspielraum. Nach eingehender Analyse der Aufnahme ließ die Staatsanwaltschaft den Anwalt wegen Totschlags dem Haftrichter vorführen. Der wiederum vermochte aus dem Video keinen Vorsatz abzuleiten und milderte den Vorwurf auf fahrlässige Tötung. Möglicherweise gab es vor der Tat eine Rangelei. Eine Bestätigung dafür gibt es bisher nicht.

Die Kölner Staatsanwaltschaft überlegt nun, wie sie mit der Entscheidung des Haftrichters umgehen soll. Die Ermittler wollen sich das Video noch einmal genau anschauen und prüfen, ob sie Beschwerde einlegen oder sich doch dem neuen Tatvorwurf anschließen.

Aus rechtlichen Gründen wurde dieser Artikel nachträglich bearbeitet.

Mitarbeit: Jörg Diehl

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