Einsturz des Kölner Stadtarchivs Anklage sieht Baufehler als Unglücksursache

Fünf Personen stehen in Köln wegen des Einsturzes des Stadtarchivs im Jahr 2009 vor Gericht. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen unter anderem fahrlässige Tötung vor.

Einsturzstelle des Kölner Stadtarchivs
DPA

Einsturzstelle des Kölner Stadtarchivs


In Köln hat der Prozess zum Einsturz des Kölner Stadtarchivs begonnen. Laut Anklage hat ein Fehler bei den U-Bahnbauarbeiten den Zusammenbruch des Gebäudes vor neun Jahren ausgelöst.

Beim Ausbau der geplanten U-Bahn-Haltestelle Waidmarkt direkt unter dem Archivgebäude seien die Bauarbeiter 2005 auf einen Gesteinsblock gestoßen, sagte Staatsanwalt Torsten Elschenbroich. Beim Versuch, den großen Stein zu entfernen, seien die Zähne des Schaufelbaggers immer wieder abgebrochen.

Daraufhin habe der Polier - der Baustellenleiter - unter großem Zeitdruck entschieden, das Hindernis dort zu belassen. In der Betonwand der U-Bahn-Haltestelle sei dadurch ein Loch entstanden, eine sogenannte Erdplombe. Durch diese Fehlstelle seien am Tag des Einsturzes am 3. März 2009 durch aufgestauten Druck große Mengen Sand und Kies in die Baustelle hineingebrochen.

Unter dem Archiv entstand dadurch nach Angaben der Staatsanwaltschaft ein Hohlraum, wodurch das sechsstöckige Gebäude einstürzte. Zwei junge Anwohner wurden von einstürzenden Gebäudeteilen erschlagen. Das größte und bedeutendste deutsche Kommunalarchiv wurde zerstört. Nach Angaben der Stadt Köln beläuft sich der Sachschaden auf 1,2 Milliarden Euro.

Die Angehörigen der beiden Toten haben neun Jahre auf die strafrechtliche Aufarbeitung des Unglücks warten müssen. Die Staatsanwaltschaft begründet den Verzug damit, dass es extrem kompliziert und langwierig gewesen sei, die Unglücksstelle zu untersuchen.

Angeklagt sind vier Männer und eine Frau, Mitarbeiter von Baufirmen und den Kölner Verkehrs-Betrieben (KVB). Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen fahrlässige Tötung und Baugefährdung vor. Für den Prozess hat das Landgericht 126 Verhandlungstage bis ins nächste Jahr hinein angesetzt. Wenn bis März 2019 kein erstinstanzliches Urteil ergangen ist, ist die Sache verjährt.

Die Baufirmen bestreiten die Vorwürfe. Ein Sprecher verwies im Vorfeld des Prozesses darauf, dass die Ursache für das Unglück bis heute noch immer ungeklärt sei.

bbr/dpa



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