Einsatz in der Silvesternacht Kölns Polizeipräsident in einstweiligen Ruhestand versetzt

Der NRW-Innenminister hat Kölns Polizeipräsidenten Wolfgang Albers abberufen. Damit zieht Ralf Jäger die Konsequenzen des umstrittenen Polizeieinsatzes in der Silvesternacht.


Kölns Polizeipräsident Wolfgang Albers ist nach den Exzessen in der Neujahrsnacht in den einstweiligen Ruhestand versetzt worden. Das teilte ihm Nordrhein-Westfalens Innenminister Ralf Jäger (SPD) in einem persönlichen Gespräch mit.

In einer öffentlichen Erklärung dankte Jäger kurz darauf Albers für seine "langjährige, sehr engagierte" Arbeit. Wer neuer Polizeipräsident der Domstadt wird, ist noch nicht bekannt.

Die Entscheidung sei jetzt notwendig geworden, so Jäger, weil das "Vertrauen der Öffentlichkeit in die Kölner Polizei wiederhergestellt werden muss." Zudem müsse die Kölner Polizei ihre Handlungsfähigkeit zurückgewinnen - auch mit Blick auf die anstehenden Großveranstaltungen.

Die Kölner Polizei habe jetzt die wichtige Aufgabe, die Vorfälle in der Silvesternacht vollständig aufzuarbeiten und die notwendigen Konsequenzen zu ziehen. "Die Menschen wollen wissen, was dort in der Silvesternacht passiert ist, wer die Täter waren und wie das in Zukunft zu verhindern ist", sagte Jäger.

Albers teilte mit, er verstehe die Entscheidung. Die öffentliche Debatte um seine Person könne die Aufarbeitung der Vorfälle aus der Silvesternacht erschweren. Er habe seine Arbeit als Kölner Polizeipräsident immer als Dienst für die Polizei Köln und die Menschen in Köln gesehen. "Und dazu gehört es auch, in schwierigen Zeiten Verantwortung zu übernehmen. Vor allem, wenn es der Polizei Köln nicht gelungen ist, die von den Bürgern in sie gesteckten Erwartungen zu erfüllen."

Die Rufe nach Albers' Rücktritt waren zuletzt immer lauter geworden. Nach Lokalpolitikern hatte auch der Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft massive Kritik geäußert. Albers habe ein Kommunikationsdesaster angerichtet, sagte Rainer Wendt.

Rund 200 Anzeigen

In der Silvesternacht waren auf dem Gelände des Kölner Hauptbahnhofs zahlreiche Frauen massiv belästigt und beklaut worden. Rund 200 Anzeigen sind bei der Kölner Polizei und der Bundespolizei bislang eingegangen, davon beziehen sich rund dreiviertel auf sexuelle Übergriffe.

Dennoch hatte es vonseiten der Polizei zunächst geheißen, die Neujahrsnacht sei ruhig verlaufen. Albers musste daraufhin einräumen, dass diese Information falsch gewesen sei. Nachdem die Ausschreitungen bekannt wurden, wehrte sich der 60-Jährige gegen den Vorwurf des Versagens: "Wir waren nicht überfordert."

Kritiker werfen Albers außerdem vor, seine Aussagen stünden in Widerspruch zu dem, was später durch die Weitergabe interner Polizeipapiere an die Öffentlichkeit geriet. Nach Informationen der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" erhielt das Kölner Polizeipräsidium in der Silvesternacht sogar das Angebot, Verstärkung zu bekommen - lehnte die Hilfe jedoch ab.

Ein Sprecher des nordrhein-westfälischen Landesamts für Zentrale Polizeiliche Dienste (LZPD) in Duisburg sagte der Zeitung, die Leitstelle des LZPD habe in der Silvesternacht in ständigem Kontakt mit dem Polizeipräsidium in Köln gestanden. Im Laufe der Nacht habe die Duisburger Leitstelle sogar aktiv in Köln nachgefragt, ob Verstärkung benötigt werde. "Die Hundertschaft stand zum Abruf bereit", so der Sprecher.

Albers teilte nun mit, er akzeptiere, dass die Polizeiführung und seine Person in die Kritik geraten seien. "Aber die Polizistinnen und Polizisten, die in der Silvesternacht rund um den Kölner Hauptbahnhof im Dienst waren, haben diese Kritik nicht verdient." Er dankte den Beamten für ihre Arbeit.

Es ist nicht das erste Mal, dass Albers in der Kritik stand, sondern die dritte politisch brisante Großlage in knapp anderthalb Jahren, die auf den Chef der größten Polizeibehörde Nordrhein-Westfalens zurückfällt. Im Herbst 2014 hatte die Polizei vor einer Gruppe randalierender Hooligans kapitulieren müssen. Später machte Albers während einer Affäre um ein Spezialeinsatzkommando keine gute Figur.

jdl/gam/hut

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