Silvester-Übergriffe in Köln Weiterer Tatverdächtiger stellt sich der Polizei

Seit zwei Tagen sucht die Kölner Polizei mit Fotos nach Verdächtigen aus der Silvesternacht, nun hat sie bereits drei der fünf Gesuchten ausfindig gemacht. Auch in Hamburg nahmen Beamte zwei Verdächtige fest.


Nach der Veröffentlichung von Fahndungsfotos hat sich ein weiterer Verdächtiger aus der Kölner Silvesternacht der Polizei gestellt. Der 16-Jährige sei am Mittwochabend zusammen mit seinem Onkel auf einer Wache in Hannover erschienen, teilten die Ermittler mit. Er habe angegeben, einer der Gesuchten zu sein. Man sei sich sicher, dass es sich um einen der Abgebildeten von den Fotos handele, sagte eine Polizeisprecherin. Der 16-Jährige sei vernommen und danach wieder entlassen worden.

Nach der Veröffentlichung von fünf Fahndungsfotos am Dienstag haben die Ermittler damit nun drei Verdächtige ausfindig gemacht. Zwei stellten sich selbst, einen weiteren konnten die Beamten nach Hinweisen aus der Bevölkerung festnehmen. Gegen ihn wurde zudem Untersuchungshaft angeordnet.

Am Montag hatte die Kölner Polizei fünf Fahndungsfotos von Verdächtigen veröffentlicht und um die Hilfe der Bevölkerung gebeten. Nach bisherigen Ermittlungen umringten die Abgebildeten in der Silvesternacht in Köln in einem Fall ihre Opfer und belästigten sie. Zudem sollen die Männer versucht haben, die Umzingelten zu bestehlen. Die Fotos haben mehrere Zeugen und Opfer selbst geschossen.

Durchsuchungen und Verhaftungen in Hamburg

Die Kölner Polizei ermittelt seit Januar mit enormem Aufwand, um mögliche Täter aus der Silvesternacht zu ermitteln: In der Ermittlungskommission "Neujahr" arbeiten 120 Beamte, das sind ein Drittel mehr als nach der Love-Parade-Katastrophe 2010 mit 21 Toten und Hunderten Verletzten. Selten zuvor sind in Deutschland Sexualstraftaten mit derart großem Aufwand verfolgt worden. (Lesen Sie hier mehr zu den Ermittlungen der Polizei.)

In Hamburg, wo es an Silvester ebenfalls Übergriffe auf Frauen gab, nahm die Polizei zwei Verdächtige gefasst. Beamte verhafteten einen 21-Jährigen in einer Bremer Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge, wie ein Polizeisprecher sagte. Der Marokkaner sei durch umfangreiche technische und kriminaltaktische Ermittlungen überführt worden.

In einer Erstaufnahmeeinrichtung in Hamburg nahmen die Beamten zudem einen 25-jährigen Iraner fest. Beide Männer stünden im Verdacht, aus einer Gruppe heraus eine 18-Jährige im Hamburger Stadtteil St. Pauli sexuell genötigt zu haben. Nach dem Iraner sei auch mit Hilfe von "Aktenzeichen XY ... ungelöst" gefahndet worden. Nach Ausstrahlung der ZDF-Sendung am 10. Februar sei bei der Ermittlungsgruppe "Silvester" der entscheidende Hinweis eingegangen.

Die Ermittler durchsuchten am Donnerstag auch zwei Flüchtlingsunterkünfte in Hamburg sowie je eine in Seevetal und Bremen sowie eine Wohnung in Stade. Bereits am Mittwoch waren zwei Wohnungen in Düsseldorf durchsucht worden. Die Beamten stellten fünf Handys sicher, die in der Silvesternacht gestohlen oder geraubt wurden.

mxw/dpa

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