Brandstiftung in der Zelle Staatsanwaltschaft ermittelt gegen verurteilten Vergewaltiger 

Eric X. vergewaltigte in Bonn eine Camperin und erhielt eine hohe Freiheitsstrafe. Nun hat der Ghanaer offenbar seine Zelle angezündet - mit drastischen Folgen.

Verdächtiger Eric X.
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Eric X., verurteilt wegen der Vergewaltigung einer Camperin auf der Bonner Siegaue, hat offenbar Feuer in seiner Kölner Gefängniszelle gelegt und sich dabei schwer verletzt. Wie ein Sprecher der Kölner Staatsanwaltschaft bestätigte, ermittle man gegen X. wegen vollendeter Brandstiftung. Der 31-jährige Ghanaer liegt im Krankenhaus und ist bisher nicht vernehmungsfähig.

Der Prozess gegen X. erregte im vorigen Jahr großes Aufsehen, auch weil der Täter ein abgelehnter Asylbewerber ist. X. wurde zu elfeinhalb Jahren Haft verurteilt - obwohl er die Tat bestritt. Er ging in Revision. Im Prozess zeigte er sich mehrfach aggressiv.

Rauch in der Zelle

Laut Angaben der Kölner Ermittler geschah der Brand in der Nacht zu Mittwoch. JVA-Bedienstete bemerkten demnach um 1.45 Uhr auf einer Überwachungskamera, dass Rauch aus der Zelle von X. quoll. Daraufhin öffneten sie die Tür.

Der stellvertretende Leiter der JVA, Wolfgang Schriever, sagte der Nachrichtenagentur dpa, 30 Prozent der Haut von X. seien verbrannt. Ein JVA-Bediensteter und ein weiterer Insasse erlitten leichte Verletzungen, weil sie den Rauch einatmeten, so der Sprecher der Staatsanwaltschaft.

JVA Köln-Ossendorf
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JVA Köln-Ossendorf

Die Details des Vorfalls sind bisher unklar. Wie lange etwa Flammen in der Zelle loderten, bis Hilfe kam, könne man nicht sagen, hieß es. Ein Sachverständiger habe den Auftrag erhalten, den Vorfall zu analysieren, so der Sprecher. Man ermittle derzeit ausschließlich gegen X. Die Zelle sei stark zerstört.

Offen bleibt auch ein Motiv für die mutmaßliche Brandstiftung. Der Anwalt von X., der Bonner Strafverteidiger Martin Mörsdorf, sagte dem SPIEGEL: "Ich kann mir nicht vorstellen, dass es ein Suizidversuch war." Von Selbstmordgedanken, so Mörsdorf, wisse er nichts. Zugleich kritisierte der Anwalt, dass X. als Raucher ein Feuerzeug in der Zelle haben durfte.

Streit um Feuerzeug

X. hatte bereits während der Untersuchungshaft im Frühjahr 2017 Feuer in seiner Zelle gelegt. Als ihm JVA-Bedienstete damals das Feuerzeug wegnehmen wollten, griff er sie an. Ein JVA-Bediensteter erlitt eine Jochbeinprellung. Wegen dieses Vorfalls erhob die Kölner Staatsanwaltschaft vor wenigen Wochen Anklage gegen X. Die Vorwürfe: Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte und Körperverletzung.

Peter Brock vom Bundesverband der Strafvollzugsbediensteten in Nordrhein-Westfalen betonte, Feuerzeuge für Raucher seien grundsätzlich in einer Zelle erlaubt. "Nur wenn Gefangene als selbstmordgefährdet gelten, werden sie in besonders gesicherte Hafträume verlegt, in denen sie keinen Zugriff auf Feuerzeuge mehr haben."

Brände in Haftanstalten gebe es leider immer wieder. "Die Kollegen haben in diesem Fall alles Menschenmögliche getan, um das Leben des Häftlings zu retten", so Brock.



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