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Übergriffe an Silvester: Scotland Yard soll bei Auswertung von Kölner Videos helfen

Silvesternacht am Kölner Hauptbahnhof: Ermittler bekommen Hilfe von britischen Experten Zur Großansicht
DPA

Silvesternacht am Kölner Hauptbahnhof: Ermittler bekommen Hilfe von britischen Experten

Bei den Ermittlungen zu den Ereignissen in der Neujahrsnacht bekommt die Kölner Polizei Unterstützung aus London: Experten von Scotland Yard sollen dabei helfen, Handyvideos und Überwachungsaufnahmen zu sichten.

Londons Polizei kennt sich gut mit der Auswertung von Videoaufnahmen aus. Diese Expertise wollen Polizisten in Köln nun bei den Ermittlungen zu den Übergriffen an Silvester nutzen. Scotland Yard soll dabei helfen, Handyvideos und Aufnahmen von Überwachungskameras zu überprüfen.

"Die haben langjährige Erfahrung und eine verfeinerte Technik bei der Auswertung von Videomaterial", sagte ein Sprecher der Kölner Staatsanwaltschaft und bestätigte einen Bericht des "Express". Die Ermittler erhoffen sich von der Auswertung der Videos Hinweise auf weitere Täter.

Konkret liegt die Unterstützung im Einsatz von sogenannten Super Recognizern, wie die Polizei mitteilte. Es handle sich um Spezialisten, die sich das Bild einer Person intensiv einprägen könnten. Das im Gedächtnis abgespeicherte Gesicht lasse sich dann mit Videoaufzeichnungen größerer Menschenmengen abgleichen.

Amateurvideo zeigt Situation vor dem Bahnhof

Youtube/Baris Olsun
Super Recognizer könnten deutlich mehr leisten als automatisierte Gesichtserkennungsprogramme, vor allem bei Aufnahmen minderer Qualität. Zwei britische Spezialisten sind laut Polizei inzwischen dabei, mit Kölner Ermittlern 272 Gigabyte Daten - 313 Videos sowie Bilder - auszuwerten.

Fast 900 Anzeigen eingegangen

In der Silvesternacht wurden Frauen von Männergruppen umzingelt, sexuell bedrängt und bestohlen. Die Täter waren Zeugenaussagen zufolge vorwiegend nordafrikanischer Herkunft. 30 Verdächtige wurden bislang ermittelt. 25 davon stammten aus Marokko oder Algerien. 15 Verdächtige sind den Ermittlern zufolge Asylbewerber. Neun Beschuldigte sitzen laut Staatsanwaltschaft mittlerweile in Untersuchungshaft. Zuletzt wurde ein 22-jähriger Algerier in einer Asylbewerberunterkunft in Bocholt wegen Raubes festgenommen.

Zu den Übergriffen sind inzwischen 883 Strafanzeigen eingegangen. 414 der Anzeigen beziehen sich dem Sprecher zufolge auf Sexualdelikte, darunter auch Vergewaltigungen. In den anderen Fällen handele es sich vorwiegend um Eigentumsdelikte. Bislang hätten sich 993 Opfer gemeldet.

Laut Nordrhein-Westfalens Innenminister Ralf Jäger gibt es bislang keine Erkenntnisse, dass die Täter die Übergriffe bereits vor Silvester abgesprochen hätten. Hinweise auf "gruppenweise Verabredungen" lägen nicht vor. Die Verdächtigen stammten auch nicht aus der "Antänzer-Szene" - diese umfasst Trickdiebe, die ihre Opfer bedrängen.

Die Tätergruppen seien "nicht hierarchisch strukturiert", sondern "eher heterogen zusammengesetzt", sagte Jäger. Vor den sexuellen Übergriffen und Raubdelikten hätten sich offenbar mehrere Männergruppen zum Feiern verabredet, "und das ist völlig aus dem Ruder gelaufen", sagte Jäger.

ulz/dpa

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