Kölner Silvesternacht Zwei Täter wegen Sexualdelikten zu Bewährungsstrafen verurteilt

Erstmals sind Angeklagte wegen sexueller Übergriffe in der Kölner Silvesternacht schuldig gesprochen worden. Zwei Männer wurden zu Bewährungsstrafen verurteilt.

Ein 21-jähriger Angeklagter im Prozess zur Silvesternacht in Köln
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Ein 21-jähriger Angeklagter im Prozess zur Silvesternacht in Köln


Ein halbes Jahr nach den massenhaften Übergriffen in der Kölner Silvesternacht sind erstmals Täter wegen Sexualdelikten verurteilt worden. Das Amtsgericht Köln sprach einen 21 Jahre alten Iraker wegen sexueller Nötigung schuldig und verhängte eine Freiheitsstrafe von einem Jahr auf Bewährung nach Jugendstrafrecht.

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass Hussein A. in der Silvesternacht am Kölner Dom eine junge Frau gegen deren Willen geküsst und ihr Gesicht abgeleckt hatte. "Wir sehen das als sexuelle Nötigung an", sagte Richter Gerd Krämer. "Er hat das Opfer genötigt, diesen Kuss und das Lecken durch das Gesicht zu dulden."

Der heute 21-Jährige sagte laut Dolmetscher in seinem letzten Wort vor Gericht: "Ich entschuldige mich für die Sachen, die passiert sind." Während der Verhandlung äußerte er sich jedoch nicht zu den Vorwürfen.

Der Algerier Hassan T. wurde wegen Beihilfe zur sexuellen Nötigung durch eine Gruppe von 15 bis 20 Tätern verurteilt. Der 26-Jährige soll zudem den Begleiter zweier weiblicher Opfer mit den Worten bedroht haben: "Give me the girls, give the girls - oder Tod." ("Gib mir die Mädchen, gib mir die Mädchen - oder Tod.") Das Gericht wertete dies als versuchte Nötigung. Hassan T. erhielt eine Freiheitsstrafe von einem Jahr auf Bewährung nach Erwachsenenstrafrecht.

T. hält sich nach eigenen Angaben seit dem Herbst 2014 in Deutschland auf, A. seit September 2015.

Die beiden betroffenen Frauen im Alter von 27 und 20 Jahren schilderten im Zeugenstand sichtlich bewegt und zeitweise unter Tränen die Geschehnisse in der Silvesternacht. Die beiden Freundinnen waren mit dem Verlobten der 27-Jährigen am Tag vor Silvester nach Köln gereist, um am Rhein den Jahreswechsel und das Silvesterfeuerwerk zu erleben.

Im Zusammenhang mit den massenhaften Übergriffen in der Nacht hat es schon mehrere Urteile gegeben - bis zum jüngsten Prozess hatten sich diese aber auf Diebstahl, Hehlerei und Ähnliches bezogen.

Das Verfahren war das zweite wegen eines Sexualdelikts in der Kölner Silvesternacht. In einem ersten Prozess Anfang Mai hatte sich ein Algerier wegen versuchter sexueller Nötigung verantworten müssen. Die Tat konnte ihm aber nicht nachgewiesen werden, weil das Opfer den Angeklagten im Gerichtssaal nicht wiedererkannte.

In der Silvesternacht hatten überwiegend aus Nordafrika stammende Täter am Kölner Hauptbahnhof und am benachbarten Dom sexuelle Übergriffe auf Hunderte Frauen sowie Raubdelikte verübt. Die Taten lösten eine bundesweite Debatte über den Umgang mit straffälligen Flüchtlingen aus. Wegen Diebstahls und Raubs wurden bereits mehrere Täter vom Kölner Amtsgericht verurteilt.

SPIEGEL TV Magazin (10.1.2016)

cnn/dpa/AFP



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