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Silvester-Übergriffe in Köln: Verdächtiger will Anmachzettel gefunden haben

Von Marie Groß, Roman Lehberger und David Walden

"Ich will fucken" oder "ich will töte dich küssen": Solche Sprüche samt Übersetzung stehen auf einem Stück Papier, das bei einem Verdächtigen der Übergriffe von Köln entdeckt wurde. Im Gespräch mit SPIEGEL TV behauptet Issam D. nun, er habe den Zettel gefunden - und sei gar nicht in Köln gewesen.

Verdächtiger von Köln: "Ich mache so etwas nicht" Fotos
SPIEGEL TV

Es ist ein kleines, zerknittertes Stück Papier, inzwischen Sinnbild für rohe sexuelle Gewalt und Frauenverachtung. Auf ihm ist unter anderem zu lesen: "Ich will fucken", "Große Brüste" und "ich will töte dich küssen." Dazu die arabischen Übersetzungen. Gefunden wurde der Zettel bei der Festnahme des jungen Marokkaners Issam D. und eines weiteren Verdächtigen am Donnerstag in der Nähe des Kölner Hauptbahnhofs. Nun hat SPIEGEL TV mit D. über das Schriftstück gesprochen, das in den vergangenen Tagen bundesweit für Schlagzeilen sorgte.

D. lebt in einer Flüchtlingsunterkunft in Wesseling bei Köln. Außer dem Zettel fanden Ermittler bei der Auswertung von Issam D.s Mobiltelefon mehrere Videos, die Ausschreitungen und Übergriffe auf Frauen in der Silvesternacht zeigen sollen. Nach einer Nacht im Gefängnis wurden die Verdächtigen wieder aus der Untersuchungshaft entlassen.

SPIEGEL TV traf D. vor seiner Unterkunft. Der angeblich erst 16-Jährige bestätigte, im Besitz des Zettels und der Videos gewesen zu sein. Eine schlüssige Erklärung hat er für das gefundene Material aber nicht. "Ich habe den Zettel auf dem Boden gefunden. Die Polizei hat mich dann kontrolliert und ihn in meiner Tasche entdeckt", sagte der Marokkaner.

Auch war D. nach eigenen Angaben in der Silvesternacht gar nicht in Köln, sondern in Bonn. Um 22 Uhr habe er bereits tief und fest geschlafen. Die Videos seien zwar auf einem Handy gewesen, das er bei sich trug. Doch eigentlich gehöre das Telefon jemand anderem. Angesprochen auf die Übergriffe sagt er: "Ich mache so etwas nicht."

Für die Behörden ist Issam D. jedoch kein Unbekannter. Im Juli 2015 wurde die Polizei wegen eines Taschendiebstahls zum ersten Mal auf ihn aufmerksam. Ein anderer Asylbewerber berichtete, D. und seine Freunde fielen auch in der gemeinsamen Unterkunft unangenehm auf: "Sie trinken, rauchen, nehmen Drogen und wollen nicht zur Schule gehen."

Issam D. ist einer von bislang über 20 identifizierten Nordafrikanern, die im Zusammenhang mit den Ermittlungen zur Silvesternacht in den Fokus der Soko "Neujahr" geraten sind. Ein Reporterteam von SPIEGEL TV hat einige von ihnen aufgespürt, junge Männer wie Mehdi E.-B. und Otman K. Auch sie werden verdächtigt, in Köln an Silvester Frauen sexuell belästigt zu haben.

Gerade erst standen die Marokkaner wegen eines Antanz-Diebstahls am 3. Januar im Rahmen eines Schnellverfahrens vor Gericht. Nach einer Woche Untersuchungshaft kamen sie jedoch wieder auf freien Fuß.

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