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12. September 2018, 15:26 Uhr

Köthen

Staatsanwaltschaft weist Spekulationen über Todesursache zurück

Ein 22-Jähriger starb in Köthen laut den Ermittlern definitiv an einem Herzinfarkt. Sachsen-Anhalts Generalstaatsanwalt wies Kritik an der Arbeit in dem Fall zurück.

Nach dem Tod eines 22-Jährigen im sachsen-anhaltischen Köthen haben die Ermittler Spekulationen widersprochen, das Opfer könne doch durch Schläge und Tritte gestorben sein. "Die Todesursache ist auch entgegen mancher Behauptungen ein Herzinfarkt", sagte der leitende Oberstaatsanwalt Horst Nopens in Halle.

Der Direktor des bei der Obduktion des Leichnams federführenden Instituts für Rechtsmedizin der Universitätsklinik Halle, Rüdiger Lessig, sagte, der Tote sei "schwer krank" gewesen. Bei dem Mann hätte es wegen seiner Vorerkrankung des Herzens jederzeit zu einem tödlichen Herzinfarkt kommen können.

Oberstaatsanwalt Nopens ging auch auf eine Audiodatei ein, in der eine Zeugin die Todesumstände so schildert, dass der Getötete bei der Auseinandersetzung massive Tritte gegen Kopf und Bauch erlitten habe. Nopens sagte, die Frau sei ermittelt und mittlerweile auch vernommen worden. Dadurch habe sich ihre Schilderung "massiv relativiert". Aus ermittlungstaktischen Gründen wollte Nopens nicht näher auf die Aussage eingehen.

Sachsen-Anhalts Generalstaatsanwalt Jürgen Konrad warb unterdessen um Verständnis für die Ermittlungsarbeit der Behörden. Es sei nicht Aufgabe der Staatsanwaltschaft, einzelne Beweismittel isoliert gegenüber den Medien zu bewerten, sagte er. Erst zum Abschluss der Ermittlungen könne es eine Gesamtschau der Beweismittel geben. In Medien geäußerte Vorwürfe zu einer nachlässigen Ermittlungsarbeit der Staatsanwaltschaft weise er "auf das Schärfste zurück", sagte Konrad.

Der 22 Jahre alte Deutsche war in der Nacht zu Sonntag nach einem Streit zwischen ihm und einem Begleiter mit zwei Afghanen gestorben. Nach bisherigen Erkenntnissen habe das spätere Opfer wohl bei einer Auseinandersetzung schlichtend eingreifen wollen, sagte Nopens. Dem Mann sei dann ins Gesicht geschlagen worden, daraufhin sei er zu Boden gestürzt. Die beiden Afghanen befinden sich seither wegen des Verdachts der Körperverletzung mit Todesfolge in Untersuchungshaft.

Die rechte Szene hatte ihre Anhänger nach dem Vorfall zu Demonstrationen mobilisiert. Nach dem sogenannten Trauermarsch leitete die Polizei zwölf Strafverfahren ein. Der polizeiliche Staatsschutz ermittle unter anderem wegen des Verdachts der Volksverhetzung, hieß es am Dienstag.

bbr/dpa/AFP

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