Kofferbomber von Köln "Wir wollten Furcht einflößen"

Die Bombe sollte ein Protest sein - gegen die Mohammed-Karikaturen. Jihad Hamad, einer der beiden mutmaßlichen Kofferbomber von Köln, hat in sich in einem Fernsehinterview zu den Anschlagsplänen geäußert. Mit der Bombe habe man nicht "viele Menschen töten", sondern "Furcht einflößen" wollen.


Köln - "Youssef hat mir gesagt, dass zwei deutsche Zeitungen die Mohammed-Karikaturen veröffentlicht haben. Er hat mir gesagt, wir dürfen nicht untätig bleiben. Wir kommen in die Hölle, wenn wir nichts tun", sagte Hamad in einem Interview des NDR-Magazins "Panorama". Das halbstündige Gespräch im Beiruter Rumiye-Gefängnis habe nur ohne Kamera geführt werden dürfen, teilte die Redaktion mit. Das Magazin will in seiner Sendung morgen Abend über das Gespräch berichten.

Einer der beiden Attentäter im Deutschland-Trikot am Kölner Hauptbahnhof, daneben der präparierte Koffer: "Wir kommen in die Hölle, wenn wir nichts tun"
AP

Einer der beiden Attentäter im Deutschland-Trikot am Kölner Hauptbahnhof, daneben der präparierte Koffer: "Wir kommen in die Hölle, wenn wir nichts tun"

In dem Interview erklärte Hamad auch, er und der in Deutschland in Untersuchungshaft sitzende Youssef el-Hajdip seien die einzigen Täter gewesen: "Es gab keine dritte Person." Bei den sichergestellten Koffern hatten die Ermittler eine weitere DNA-Spur entdeckt. Die Polizei hatte deshalb einen dritten Komplizen vermutet.

Er habe nicht, wie in einer frühere Aussage angegeben, "möglichst viele Menschen töten", sondern lediglich "den Leuten Furcht einflößen" und "Aufsehen erregen" wollen, sagte der Libanese Hamad weiter. Es sei nicht geplant gewesen, dass die Bomben explodieren. Den Widerspruch zu seinem Geständnis vom 4. September erklärte er damit, dass die libanesischen Behörden ihm Folter angedroht hätten.

Doch Hamads Anwalt Fawaz Zakaria sagte in dem "Panorama"-Beitrag, sein Mandant habe das Geständnis ohne Folter oder andere illegale Druckmittel abgelegt.

Hamad und el-Hajdip sollen am 31. Juli in Köln in zwei Regionalzügen auf den Strecken Aachen-Hamm und Mönchengladbach-Koblenz Kofferbomben deponiert haben. Die Sprengsätze waren nach Erkenntnissen der Ermittler wegen handwerklicher Fehler nicht explodiert.

Nach "Panorama"-Recherchen verkehrte Jihad Hamad schon vor seiner Einreise nach Deutschland in islamistischen Kreisen. In der libanesischen Stadt Tripoli soll er regelmäßig in der Mustafa-Moschee gebetet haben, in der ein fundamentalistischer Imam die Freitags-Predigten hält.

han/dpa/ddp/AFP



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