Konflikt mit Vatikan Mixa zieht aus Bischofswohnung aus

Es ist eine komplette Kapitulation: Der frühere Bischof von Augsburg, Walter Mixa, gibt im Konflikt mit dem Vatikan klein bei. Er stellt seinen Rücktritt nicht mehr in Frage, zieht aus dem kirchlichen Palais aus und nimmt seine Vorwürfe zurück, auf ihn sei Druck ausgeübt worden.

DPA

Augsburg - Die Volontärin der Bischöflichen Pressestelle in Augsburg verschickte am Mittwochvormittag eine als "gemeinsame Erklärung" gekennzeichnete Mitteilung, die einer Kapitulation des früheren Bischofs Walter Mixa gleichkommt.

Demnach verzichtet der abgetretene Kirchenfürst nun doch auf eine Rückkehr in sein Amt. Mixa stellt seinen Rücktritt nicht mehr in Frage. Außerdem nimmt er seine zuvor geäußerten Vorwürfe zurück, durch eine Intrige zum Amtsverzicht gedrängt worden zu sein.

"Für den Druck, den er bei Unterzeichnung seines Rücktritts empfunden hat, macht Bischof em. Dr. Mixa niemand verantwortlich und niemandem Vorwürfe", heißt es in der Erklärung. Außerdem wurde darin vereinbart, dass Mixa seine Wohnung im Bischofshaus verlässt und das Bistum Augsburg ihm eine "vorübergehende" Unterkunft sucht. Mixa werde sich zudem in einem "persönlichen Schreiben" an die Gläubigen der Diözese Augsburg wenden.

Rücktritt angeboten

An dem klärenden Gespräch, aus dem die Erklärung resultierte, nahmen demnach außer Mixa unter anderem der Augsburger Diözesanadministrator, Weihbischof Josef Grünwald, sowie Weihbischof Anton Losinger sowie Rechtsanwälte beider Seiten teil.

Mixa hatte am 22. April nach Vorwürfen finanzieller Unregelmäßigkeiten unter seiner Verantwortung sowie Vorwürfen massiver Prügel gegen Waisenhauskinder seinen Rücktritt angeboten. In einem für den Vatikan ungewöhnlich schnellen Verfahren hatte Papst Benedikt XVI. dieses Gesuch am 8. Mai angenommen.

Vergangene Woche hatte Mixa den Vorwurf erhoben, über eine Intrige zum Rücktritt gezwungen worden zu sein. Deutsche Kirchenvertreter wiesen dies zurück. Mixa will im Juli mit dem Papst sprechen. Der Vatikan stellte aber bereits klar, dass dies nichts an der Annahme des Rücktrittsgesuchs ändere.

"Ich bin doch nicht schwul"

Die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" und die "Süddeutsche Zeitung" hatten am Wochenende von einem rund drei Dutzend Seiten langen geheimen Dossier berichtet, das der päpstliche Nuntius in Berlin, Jean-Claude Périsset, am 27. April dem Vatikan übergeben haben soll. In der Akte werden schwere Vorwürfe gegen Walter Mixa erhoben. So sollen Zeugen aus dem engsten persönlichen Umfeld des damaligen Bischofs über dessen Zudringlichkeiten gegenüber mindestens zwei volljährigen Priestern berichtet haben.

Als besonders brisant gilt ein von der "Süddeutschen Zeitung" zitierter Dialog zwischen Mixa und einem jungen Mann, der sich während eines gemeinsamen Urlaubs massiv von dem Geistlichen bedrängt fühlte. "Bleib hier, ich brauche deine Liebe", soll Mixa gesagt haben, woraufhin der Priester erklärte, er sei doch nicht schwul. "Ich doch auch nicht", soll Mixa beteuert haben. "Und was war gestern Abend?", lautete die ungläubige Gegenfrage. Das sei "im Überschwang der Gefühle" geschehen, so Mixa. Er habe es gebeichtet. Der Zeitung zufolge stammt die Zeugenaussage allerdings nicht von dem jungen Mann selbst, sondern von Augenzeugen.

Laut "Frankfurter Allgemeiner Zeitung" soll Mixa zudem auch noch Stiftungsgelder für Waisenkinder an eine in Rom lebende Person gesandt haben, die in einem Milieu verkehrte, "mit dem man ihn nicht in Verbindung bringen sollte". Das Dossier habe Papst Benedikt XVI. vorgelegen und ihn bei seiner Entscheidung über das Rücktrittsgesuch des umstrittenen Bischofs maßgeblich beeinflusst, hieß es.

Zweifel an den Berichten

Mixas Augsburger Anwalt Gerhard Decker hat Zweifel an den Berichten über das belastende Dossier geäußert. Die österreichische Internetseite kath.net zitiert eine Stellungnahme Deckers, in der dieser die Quellen und Berichte als "nebulös" kritisiert. Sein Mandant könne und wolle sich nicht zum "angeblichen Inhalt ihm nicht bekannter 'Dossiers' und 'Geheimakten' äußern", heißt es.

"Ich halte es mit den Grundsätzen des Rechtsstaats für unvereinbar, sich auf angebliche Quellen zu berufen, die niemand nachprüfen kann, auch nicht die unmittelbar davon Betroffenen", wird Decker zitiert. Er halte es für unwahrscheinlich, dass Teile der Presse Zugang zum Archiv des Vatikans oder des päpstlichen Nuntius hätten.

Decker zieht in seiner Stellungnahme auch Parallelen zu den inzwischen eingestellten Missbrauchsermittlungen gegen Mixa. "Einer beruft sich auf den anderen, und am Schluss war alles ein Missverständnis", wird der Anwalt zitiert. Sein Mandant werde Stellung nehmen, wenn es harte Fakten gebe.

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insgesamt 51 Beiträge
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mschiller, 23.06.2010
1. Gehalt vom Steuerzahler
Und das Gehalt des Herrn em. Mixa wird nicht von der kath. Kirche bezahlt. Nein das bezahlt der Steuerzahler, egal ob er in der Kirche ist oder nicht bis zum lebensende des herrn Mixa. Und genau das hasse ich!
mschiller, 23.06.2010
2. Gehalt vom Steuerzahler
Und das weitere Gehalt des Herrn Mixa kommt bis an dessen Lebensende vom deutschen Steuerzahler und nicht von der kath. Kirche, egal ob Mitglied in einer Kirche oder nicht. Und das hasse ich!
stefanaugsburg 23.06.2010
3. Unser lieber Bischof
Was soll man dazu noch sagen, es ist doch alles gesagt. Unser (bin Augsburger) lieber Ex-Bischof, der schon zu aktiven Zeiten für sein selbstherrliches und teilweise vollkommen realitätsfernes Gehabe bekannt war, hat jetzt endlich die Quittung dafür bekommen. Mir tut er nicht leid, sorry. Mag sein, daß manche Sachen etwas aufgebauscht oder auch übertrieben wurden, das liegt in der Natur der Sache, aber ein Fünkchen Wahrheit steckt überall drin. Sein Anwalt kann also nicht argumentieren, daß dies alles 'erfunden' oder durch eine 'Intrige' zustande gekommen sei(erinnert mich an Äußerungen anderer Menschen, auch Plitker, die nicht einfach so gehen können, sondern immer 'Opofer' von 'Intrigen' und 'Verschwörungen' wurden). Schön, daß im Zuge der ganzen Affären der katholischen Kirche jetzt auch diese Sache ans Licht kommt. Aber, und das ist das eigentlich Schlimme, zu einem echten Umdenken, auch an der Basis in Rom, hat all das immer noch nicht geführt (siehe geheim gehaltene finanzielle Strukturen der Kirche etc.). Schau mer also mal ...
Haio Forler 23.06.2010
4. .
Zitat von sysopEs ist eine komplette Kapitulation: Der frühere Bischof von Augsburg, Walter Mixa, gibt im Konflikt mit dem Vatikan klein bei. Er stellt seinen Rücktritt nicht mehr in Frage, zieht aus dem kirchlichen Palais aus und nimmt seine Vorwürfe zurück, auf ihn sei Druck ausgeübt worden. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,702354,00.html
Ach, der kommt durch die Hintertüre wieder rein.
der_Pixelschubser 23.06.2010
5. Mixa sollte...
a) ab sofort schön schweigen b) Zeugnis ablegen über das, was ergetan hat c) alle, denen er Schaden zugefügt hat - inklusive der katholischen Kirche - um Verzeihung bitten d) sich anschließend in ein Altenstift zurückziehen und nie wieder an die Öffentlichkeit treten. Der Schaden für die katholische Kirche ist immens, ob er je behoben werden kann, ist zweifelhaft. Wie kann man einer Institution Glauben schenken, die solche Geister wie Mixa beherbergt und verteidigt?
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