Verschwundene Journalistin Das U-Boot-Rätsel aus der Køge-Bucht

Eine verschollene Journalistin, ein gesunkenes U-Boot und ein Erfinder unter Verdacht: Dänische Ermittler bemühen sich um Aufklärung im mysteriösen Fall Peter Madsen - der Überblick.

Von


Der dänische Ingenieur Peter Madsen tauchte mit einem selbst gebauten U-Boot in der Ostsee ab. Nun sitzt er wegen eines mutmaßlichen Tötungsdelikts in Untersuchungshaft - und Madsens "UC3 Nautilus" spielt dabei offenbar eine wichtige Rolle:

  • Was ist passiert?

Die schwedische Reporterin Kim Wall, die unter anderem für "Guardian" und "New York Times" schrieb, ging am Donnerstag an Bord der "Nautilus". Sie wollte offenbar über den Bootsbauer berichten - doch seither ist die 30-Jährige verschwunden. Die Staatsanwaltschaft in Kopenhagen wirft Madsen vor, die Frau am Donnerstagabend getötet und sein 18 Meter langes U-Boot am Freitag versenkt zu haben. Der 46-Jährige wurde von einem privaten Motorboot gerettet und an Land gebracht. Hinweise auf ein Motiv für die mögliche Tötung gibt es bislang keine. Laut Polizei war Madsen häufiger mit einzelnen Gästen zu Fahrten aufgebrochen. Von ihnen erhoffen sich die Ermittler nun Hinweise, wie die Touren normalerweise abliefen. Madsen bestreitet die Vorwürfe. Er hatte behauptet, die Journalistin am späten Donnerstagabend auf der Insel Refshaleøen im Kopenhagener Hafengebiet abgesetzt zu haben.

Fotostrecke

8  Bilder
Tüftler unter Verdacht: Peter Madsen und die Reporterin
  • Was geschieht mit dem Tüftler?

Madsen sitzt nun wegen eines Tötungsdelikts für 24 Tage in Untersuchungshaft. Obwohl er die Vorwürfe abstreite, habe er seine Inhaftierung akzeptiert, berichtete der Sender TV2 unter Berufung auf seine Anwältin. Die U-Haft werde daher nicht vor der höheren Instanz Østre Landsret geprüft. "Ich hatte am Sonntag ein Treffen mit meinem Klienten, und wir haben uns dazu entschlossen, nicht mehr zu sagen", sagte Betina Hald Engmark TV2. Nach seiner ersten Aussage soll Madsen bei der Polizei inzwischen noch eine andere Erklärung zum Verschwinden der Frau abgegeben haben, sagte Kriminalermittler Jens Møller laut TV2 - ohne Details zu nennen.

  • Wie läuft die Suche nach Kim Wall?

Die dänische Polizei sucht unter anderem mit Flugzeugen der dem Militär unterstellten Heimwehr dänische und schwedische Gewässer nach der vermissten Journalistin ab. Die schwedischen Behörden wurden um Unterstützung gebeten. "Mit großer Bestürzung haben wir die Nachricht erhalten, dass Kim vermisst wird", heißt es in einer Erklärung der Familie, die in skandinavischen Medien veröffentlicht wurde. Sollte Peter Madsen Kim Wall tatsächlich über Bord geworfen haben, könnte die Suche nach ihr allerdings schwierig werden. "Es kommt darauf an, ob eine Leiche an der Oberfläche schwimmt oder am Meeresboden liegt", sagte der frühere Mordermittler Kurt Kragh dem Sender Danmarks Radio zu ähnlichen Fällen. Sollte der Körper etwa mit Gewichten versenkt worden sein, bestünden nur in flachen Gewässern gute Chancen, sie aus der Luft zu entdecken. Auch Wetter und Strömung spielten eine Rolle. Laut Kragh seien Leichen teils bis an die polnische Küste getrieben worden. Außerdem könne Salzwasser DNA-Spuren angreifen.

  • Was ist mit dem U-Boot?
  • Die Kopenhagener Polizei geht davon aus, dass Peter Madsen sein U-Boot in der Køge Bugt südlich der Hauptstadt absichtlich versenkt hat. "Es sieht danach aus, als stehe hinter dem Sinken des U-Boots eine bewusste Handlung", sagte Kriminalpolizist Møller. Das U-Boot soll vor dem Sinken im Öresund zwischen Dänemark und Schweden nur knapp einer Kollision mit einem Handelsschiff entgangen sein, berichtete die schwedische Zeitung "Aftonbladet" unter Berufung auf ein Crewmitglied. Madsens Boot sei ohne Positionsleuchten unterwegs gewesen. Eine Bestätigung hierfür gibt es bislang nicht, die Polizei geht nach eigenen Angaben dem Bericht nach - und bittet um weitere Hinweise.

    Am Samstag war das Boot mit einer Wasserverdrängung von 37 Tonnen aus sieben Meter Tiefe geborgen, in den Hafen gebracht und von Technikern mit Schutzkleidung und Gasmasken untersucht worden. "Kein Mensch wurde an Bord gefunden, nicht lebend und nicht tot", sagte Ermittler Møller. Teile der Elektrik des Boots wurden für weitere Untersuchungen gesichert. Madsen hatte behauptet, er sei auf einer Probefahrt gewesen - dabei habe ein Ventil an einem Ballasttank versagt.

    Die "Nautilus" ist Madsens ganzer Stolz. Vor knapp zehn Jahren hatte er sie für umgerechnet gerade mal 200.000 Euro gebaut - zusammen mit einer Gruppe motivierter Kopenhagener Bastler. Das U-Boot galt als technisch komplex und konnte maximal acht Menschen in bis zu 100 Meter Tiefe bringen.

    Mit Material von dpa

    insgesamt 13 Beiträge
    Alle Kommentare öffnen
    Seite 1
    Flari 14.08.2017
    1. Irritierende Formulierung
    "Er hatte behauptet, die Journalistin am späten Donnerstagabend auf der Insel Refshaleøen im Kopenhagener Hafengebiet abgesetzt zu haben." Refshaleøen ist seit "ewig" keine Insel mehr, sondern maximal noch als Halbinsel zu bezeichnen. Gleichzeitig ist diese Halbinsel Standort der "Bastelbuden" von Peter Madsen, normaler Liegeplatz des Ubootes und Gelände der Raumfahrtfirma, die Peter Madsen mal mitgegründet hatte. WENN Peter Madsen die Journalisten dort wieder von Bord gelassen hat, wäre das also das normalste der Welt, da sie dort auch an Bord gegangen sein soll. https://de.wikipedia.org/wiki/Refshaleøen
    latimer 14.08.2017
    2. Wenn...
    ...das der "Tatort" wäre, hätte man auch schon mal den Freund der Journalistin ins Visier der Ermittlungen aufgenommen. Aber das ist sicher schon längst passiert...
    Oberleerer 14.08.2017
    3.
    Was ist denn jetzt mit all den Super-Aufklärungs-U-Booten, die Jede Schiffsbewegung um die halbe Welt verfolgen können? Solche Horchposten gibt es doch sicher auch in der Ostsee, und vor allem auch stationär ? Wo letztes Jahr erst eine mysteriöser russischer Schatten vor Stockholm gesichtet wurde. Hat niemand die Fahrt aufgezeichnet?
    alexanderrr 14.08.2017
    4.
    @2 Na Klar, aktuell bei denen schwer in Mode: Valium-Schimmi. Schläft mit Bockwurst im Mund bei Verhören ein. Sein Side-Kick der Gerichtsmediziner ist im Urlaub. Der klärt eigentlich immer die Fälle auf. Zusammen mit dem Staatsanwalt und seinem Privatdetektiv. Nun ist die bisher eher blass zur Wirkung gekommene Auszubildende Miriam K. des Vollzugsbeamten Meier dran den Fall zu klären. @3 Die Mikrofon-Netze sind schon sehr leistungsfähig. Aber bekanntlich rückt das Militär ungern Daten raus. Im Grunde verhalten sie sich immer auffallend Unauffällig bei solchen Vorkommnissen bzw ignorieren es. Oder spielen das Spiel ohne uns und wir raffen Nix.
    enivid 14.08.2017
    5. ein sehr interessanter Fall
    Aber ich verstehe nicht wie sich die Polizei so sicher sein kann, dass der Tüftler der Täter/Mörder ist. mir fehlt einfach ein Motiv. würde mich sehr freuen darüber mal etwas zu lesen.
    Alle Kommentare öffnen
    Seite 1
    Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

    © SPIEGEL ONLINE 2017
    Alle Rechte vorbehalten
    Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


    TOP
    Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
    Hinweis nicht mehr anzeigen.