Kopfschüsse in Dortmund: Serienmörder schlägt zum achten Mal zu

Der Tod eines Dortmunder Kioskbesitzers markiert den bisherigen Höhepunkt einer beispiellosen Mordserie, die sich über Deutschland erstreckt. Der Mann wurde mit mehreren Kopfschüssen hingerichtet. Bisher fehlt der Soko "Bosporus" eine heiße Spur zum Täter.

Dortmund - Wie alle sieben bisherigen Opfer wurde der 39-Jährige Mehmet Kubasik mit einer Pistole tschechischen Fabrikats per Kopfschuss getötet. Wieder traf es einen Kleinunternehmer mit ausländischen Wurzeln. Der Deutschtürke wurde am 4. April gegen 13.10 Uhr tot in seinem Laden gefunden, heißt es bei der Polizei. Sein Kiosk in der  Mallinckrodtstraße war ein beliebter Anlaufpunkt in der Dortmunder Nordstadt. Die Ermittler kamen durch Projektile am Tatort auf die Verbindung mit der "europaweit einmaligen" Mordserie. Der verheiratete Kioskbesitzer wurde mit einer Pistole der Marke Ceska, Kaliber 7,65 Millimeter, getötet - wie alle anderen Opfer zuvor auch.

Die kaltblütige Mordserie beginnt möglicherweise mit einer tragischen Verwechslung. Am 9. September 2000 wird in Nürnberg der Blumenverkäufer Enver S. blutüberströmt in seinem Lieferwagen gefunden. Der 38-Jährige war an diesem Tag nur zufällig vor Ort, weil er einen Freund vertreten wollte. Er wurde mit acht Schüssen in Kopf und Oberkörper getötet. Neun Monate später wird der Änderungsschneider Abdurrahim Ö. tot in seinem Geschäft, ebenfalls in Nürnberg, aufgefunden. Todesursache waren zwei Kopfschüsse.

Zwei Wochen später schlägt der Killer erneut zu, diesmal in Hamburg. Er erschießt den türkischen Gemüsehändler Süleyman T. am hellen Tag in dessen Geschäft. Am 29. August 2001 wird ein weiterer Gemüsehändler Opfer des Serienmörders. Der Münchner Habil K. stirbt in seinem kleinen Laden durch zwei Kopfschüsse. Im Februar 2004 tötet der Unbekannte in Rostock. Yunus T., ein 25-jähriger Imbissbesitzer, wird erschossen in seiner Dönerbude aufgefunden. Im Juni 2005 schlägt der Mörder gleich zweimal zu. Opfer sind der 50-jährige Ismael Y. aus Nürnberg und ein griechischer Schlüsseldienstbetreiber aus München.

Die im Juli einberufene Soko "Bosporus" und das Bundeskriminalamt (BKA) rätseln nach wie vor über das Motiv für die Taten. Trotz einer ausgesetzten Belohnung von 30.000 Euro haben die Ermittler noch keine heiße Spur. Einen religiösen oder politischen Hintergrund halten sie für sehr unwahrscheinlich, zu unterschiedlich waren Privatleben und religiöse Bindung der Opfer. Ein Zusammenhang mit Schutzgelderpressungen konnte ebenfalls nicht hergestellt werden, die ausgewählten Läden, Imbissbuden und Stände wären vermutlich auch kaum lohnende Ziele gewesen. Im Laufe des Tages werden die Dortmunder Staatsanwaltschaft und die Polizeidirektion Mittelfranken Details über die bisherigen Ermittlungsergebnisse mitteilen.

Jens Todt

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