Kosten von Todesstrafen in den USA: 24 Millionen Dollar für jede Hinrichtung

Gegner der Todesstrafe in den USA sehen in der Wirtschaftskrise eine willkommene Nebenwirkung: Leere Kassen und teure Konjunkturprogramme zwingen die Bundesstaaten zu sparen - viele erwägen nun, Hinrichtungsverfahren abzuschaffen.

USA: Staatliche Exekution in der Kritik Fotos
AP

Washington - Die meisten Argumente gegen die Todesstrafe sind lange bekannt: Sie sei menschenunwürdig, immer wieder treffe es Unschuldige, Mörder ließen sich davon nicht abschrecken - so werden Hinrichtungsgegner nicht müde zu betonen. Doch nun schrecken die Aktivisten nicht davor zurück, ein oft als zynisch empfundenes Argument anzubringen. Sie sagen, die Todesstrafe koste unglaublich viel Geld.

Geld, das man in der Wirtschaftskrise deutlich besser einsetzen könnte, meint der Direktor des Dokumentationszentrums der Todesstrafengegner in Washington, Richard C. Dieter. Das Zentrum setzt sich schon seit Jahren ehrenamtlich gegen die Exekutionen ein und trägt Informationen sowie Daten zusammen.

Die Todesstrafe kostet laut Dieter die Staaten im Schnitt pro Jahr zehn Millionen Dollar mehr als lebenslange Haftstrafen. Kalifornien gebe jährlich 137 Millionen Dollar für die Hinrichtungen aus. In den Gefängnissen des Bundesstaats warteten 678 Menschen auf ihre Exekution. Viele der Häftlinge sitzen laut CNN bereits seit den späten siebziger Jahren im Todestrakt.

Staatliche Blutrache

Das Dokumentationszentrum hat nun Zahlen für mehrere Staaten veröffentlicht: In Maryland habe man im Laufe von 20 Jahren 186 Millionen Dollar ausgegeben, andere Staaten wie New York und New Jersey hätten mehr als 100 Millionen für ihr System staatlicher Blutrache gezahlt, in dem die Hinrichtungen dennoch ausgesetzt worden seien.

In Florida gebe die öffentliche Hand im Schnitt 24 Millionen für jede Hinrichtung aus - in diesem Jahr waren es bislang zwei. Die Exekutionen an sich seien nicht das Teuerste, so Aktivist Dieter, sondern der gesamte Prozess schlage so extrem zu Buche - etwa aufgrund der höheren Sicherheitsstandards in den Todestrakten.

In 35 US-Bundesstaaten gibt es die Todesstrafe noch. Die Zahl der Hinrichtungen geht langfristig zurück, die Zahl der Insassen jedoch ist seit Jahren fast konstant. In diesem Jahr wurden in zehn Staaten 40 Menschen exekutiert. 2008 waren es 38, vor zehn Jahren noch doppelt so viele.

Hunderte Millionen Dollar verschwendet

Die Staaten verschwendeten Hunderte Millionen Dollar für die Todesstrafe, sagt Dieter. Gerade während der Wirtschaftskrise könne man das Geld an anderen Stellen viel besser brauchen - etwa für effektivere Anti-Gewalt-Programme. "Die Todesstrafe ist eine kolossale Verschwendung von Geld, das man besser für mehr Polizisten auf den Straßen ausgeben sollte."

In einer landesweiten Umfrage des Zentrums gaben 500 Polizeichefs zu Protokoll, dass sie die Todesstrafe als unwichtigstes Mittel im Kampf gegen Gewaltkriminalität sehen. Sie glauben nicht, dass die Todesstrafe einen Mord verhindern könne. Kriminelle würden sich meist keine Gedanken über die Konsequenzen ihrer Tat machen. Sinnvoller wären ein besseres Training und Ausrüstung der Polizisten, eine größere Zahl von Beamten sowie Programme gegen Drogen- und Alkoholmissbrauch.

In elf Staaten wurde in diesem Jahr über die Abschaffung der Todesstrafe diskutiert. Neu Mexico hat sie verboten, in Maryland gelten mittlerweile strengere Anforderungen für eine Hinrichtung. In Connecticut stimmten beide Kammern der Legislative für eine Abschaffung, doch der Gouverneur legte dann sein Veto ein - die Todesstrafe blieb. Auch in Montana und Colorado kippt die Zustimmung langsam.

Zynisches Argument

Neben dem manchmal als zynisch und kalt angesehenen finanziellen Argument stärkt auch der jüngste Fall einer missglückten Hinrichtung den Todesstrafengegnern den Rücken. Der Häftling Romell Broom wurde Mitte September zwei Stunden lang vergeblich traktiert. Seine Wärter schafften es nicht, ihm die Giftspritze in eine Vene zu setzen.

Im Bundesstaat Ohio wurden die Exekutionen daher vorübergehend ausgesetzt. Trotzdem sind bis zum Ende des Jahres nach Angaben von Amnesty International drei weitere Hinrichtungen per Giftspritze geplant.

Texas als der US-Bundesstaat mit den mit Abstand meisten Exekutionen hat inzwischen die letzten Worte der 441 Männer und Frauen veröffentlicht, die dort seit 1982 hingerichtet wurden. Viele von ihnen beteuern bis zum Schluss ihre Unschuld.

So auch der damals 25 Jahre alte Willie Pondexter. "Ihr werdet mich umbringen, doch bestrafen könnt ihr mich nicht. Einen Unschuldigen kann man nicht bestrafen." Pondexter wurde verurteilt, weil er nach Ansicht der Geschworenen eine 85-jährige Rentnerin mit einem Kopfschuss ermordet hat. Auch Leonel Herrera kämpfte bis zum Schluss gegen seine Exekution: "Ich bin unschuldig, unschuldig, unschuldig!", rief der wegen Polizistenmordes Verurteilte.

Besonders aber der Fall des Häftlings Cameron Todd Willingham löste jüngst eine neue Debatte aus. Er wurde 2004 in Texas womöglich unschuldig hingerichtet. Ein Brandexperte könnte Willingham 1992 möglicherweise zu Unrecht beschuldigt haben, mit einem Feuer seine drei Kinder getötet zu haben. Eine Kommission untersucht den Fall derzeit.

Willinghams letzte Worte waren: "Das einzige, was ich noch zu sagen habe, ist, dass ich unschuldig bin und für ein Verbrechen verurteilt wurde, das ich nicht begangen habe."

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insgesamt 85 Beiträge
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1. Todesstrafe...
der_Pixelschubser 21.10.2009
In Sachen Todesstrafe zeigen sich die Regierenden in den Amerikanischen Bundesstaaten weitestgehend beratungsresistent. Es ist egal, was diese ganzen Hinrichtungen kosten, es ist egal, was die Genfer Konventionen zu diesem Thema sagen, es ist egal, dass mit der Todesstrafe als Option kein Verbrecher von seinem Vorhaben abgeschreckt wird, es ist einfach alles egal. Die Regierung wie die einzelnen Governments bleiben lieber bei ihrer völlig irrationalen Rachejustiz, nur so lässt sich der schreiende Pöbel in den amerikanischen Vorstädten ab und zu befriedigen und damit ruhig halten. Hier herrscht das Prinzip "Brot und Spiele" - das Fernsehen hält die Leute dumm, der Staat hält sie leidlich satt und die Justiz bei Laune. Die Forderung nach Abschaffung der Todesstrafe ist ungefähr so alt, wie die Vereinigten Staaten selbst - genützt hat sie bis heute nichts.
2. Manchmal ist die Todesstrafe leider notwendig!
joe_rulez 21.10.2009
Es ist sicherlich richtig, dass die Todesstrafe kein einziges Gewaltverbrechen verhindert hat. Andererseits hat die sogenannte Gewaltprävention auch die schrecklichsten Verbrechen nicht verhindern können. Rational ist das eigentlich nicht, aber bei manchen Verbrechen will ich nicht, dass die Täter eine 2. Chance erhalten! Die Opfer haben auch keine! Ich bin davon überzeugt, dass jeder Mensch genug Verstand haben muss, um zu erkennen, wie weit er gegenüber anderen Menschen gehen darf. Wenn nicht, muss er bereit sein, die Konsequenzen zu ertragen. Ich habe mir die letzten Worte der Hingerichteten auf der Seite des Artikels durchgelesen. Jedem würde ich folgendes Antworten: "Mein Freund, wir lieben Dich auch. Und in 10 Minuten lieben wir Dich noch mehr!"
3. Zynismus?
JEW-T 21.10.2009
Zitat von sysopGegner der Todesstrafe in den USA sehen in der Wirtschaftskrise eine willkommene Nebenwirkung: Leere Kassen und teure Konjunkturprogramme zwingen die Bundesstaaten zu sparen - viele erwägen nun, Hinrichtungsverfahren abzuschaffen. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,656284,00.html
Die Behauptung, einen Schuldigen hinzurichten sei -neben anderen Gesichtspunkten- kostengünstiger für die Gesellschaft, als ihn lebenslang wegzusperren, ist ein von Anhängern der Todesstrafe häufig angeführtes Argument. Wenn nun der Gegenbeweis geführt wird oder zumindest gegengerechnet wird, ist das kaum zynisch zu nennen - zumindest ist es nicht zynischer, als das Kostenargument pro Todesstrafe.
4. ?
Sveto 21.10.2009
Zitat von der_Pixelschubseres ist egal, was die Genfer Konventionen zu diesem Thema sagen,
Und ich Dummkopf dachte immer, dort ginge es um Kriegsvölkerrecht (Verwundete und Kranke der bewaffneten Kräfte im Felde (Genfer Abkommen I), Verwundete, Kranke und Schiffbrüchige der bewaffneten Kräfte zur See (Genfer Abkommen II), Kriegsgefangene (Genfer Abkommen III), Zivilpersonen in Kriegszeiten (Genfer Abkommen IV)).....
5. Kosten der Todesstrafe
SalvadorDali 21.10.2009
Eins verstehe ich in dem Artikel nicht. Wieso ist die Todesstrafe teurer als eine lebenslange Haftstrafe? Ich bin absoluter Gegner der Todesstrafe, aber ein Argument kann ich nicht widerlegen, naemlich dass die Todesstrafe die billigere Version ist. Statt der Todesstrafe eine lebenslange Haftstrafe zu vergeben, heisst ja nicht, dass die Verurteilten dann weniger gefaehrlich sind, man also nicht so hohe Sicherheitsvorkehrungen braucht, und die sind natuerlich teuer. Wenn man also nur auf das Geld schaut (und das ist in der Tat zynisch, deshalb ueberzeugt mich dieses Argument ueberhaupt nicht), dann sollte es doch eindeutig billiger sein, den Haeftling nach wahlweise 2, 10 oder auch 15 Jahren umzubringen, anstatt ihn 25 Jahre oder laenger in der Haft zu halten (Mindesthaftstrafe bei lebenslaenglich plus Sicherheitsvewahrung waere wohl die Alternative zur Todesstrafe, wenn sie diese als hoechstmoegliche Strafe ersetzt).
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"Ich möchte jeden wissen lassen, dass das hier eine Tragödie ist. Was Diana und Corey geschehen ist und was mir geschieht. (...) Es ist eine Tragödie."
Robert Nelson Drew, 2. August 1994
"Denkt daran, Todesstrafe ist Mord. Sie nehmen einem unschuldigen Mann das Leben. Mein Anwalt, Ron Kuley, wird einen Brief von mir bei einer Pressekonferenz vorlesen, wenn das hier vorbei ist. Das ist alles, was ich zu sagen habe. Ich liebe euch alle."
Thomas Barefoot, 30. Oktober 1984
"Ich entschuldige mich für alles, was ich jemals jemandem angetan habe. Ich hoffe, sie werden mir vergeben. Sharon, sag meinen Freunden Lebewohl."
Randy L. Woolls, 20. August 1986
"Meiner Familie sage ich auf Wiedersehen, ich liebe euch alle. Mir tut es leid um die Familie des Opfers. Ich wünschte, ich könnte es wiedergutmachen. Ich möchte, dass ihr dort draußen weiter gegen die Todesstrafe kämpft."
Johnny Anderson, 17. Mai 1990
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Jeffery Motley, 7. Februar 1990
"Ich liebe dich, Mama, auf Wiedersehen."
Joseph John Cannon, 22. April 1998
"Mir tut Leid, was ich deiner Mutter angetan habe. Nicht weil ich jetzt sterben werde. Mein ganzes Leben lang war ich eingesperrt. Ich konnte mir nie vergeben, was ich getan habe. Es tut mir leid. Ich liebe euch alle. Danke für eure Unterstützung. Danke, dass ich lieb zu mir wart, als ich klein war. Danke Gott. Ich bin so weit."