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Neue Ermittlungen: Krankenpfleger aus Delmenhorst könnte 100 Patienten getötet haben

Niels H. steht wegen mutmaßlichen dreifachen Mordes vor Gericht - jetzt werden weitere Ermittlungen gegen den Ex-Krankenpfleger eingeleitet. Er steht unter Verdacht, in mehr als hundert Todesfälle verwickelt zu sein.

Krankenpfleger Niels H. mit Anwältin beim Prozessauftakt am 11. September im Landgericht Oldenburg Zur Großansicht
DPA

Krankenpfleger Niels H. mit Anwältin beim Prozessauftakt am 11. September im Landgericht Oldenburg

Oldenburg - Die Staatsanwaltschaft Oldenburg hat Ermittlungen wegen Mordverdachts gegen den ehemaligen Krankenpfleger Niels H. eingeleitet. Der 38-Jährige könnte in über hundert Fälle verwickelt sein, sagte ein Sprecher der Behörde am Mittwoch. Der Delmenhorster steht bereits seit September wegen des Vorwurfs des dreifachen Mordes und zweifachen Mordversuchs an Patienten vor Gericht.

Ein Sachverständiger soll nun alle Todesfälle im Klinikum Delmenhorst in der Zeit von März 2003 bis Juni 2005 untersuchen, in denen der Krankenpfleger zum Zeitpunkt des Todes oder unmittelbar davor Dienst hatte.

H. wurde bereits im Jahr 2008 vom Landgericht Oldenburg zu einer Freiheitsstrafe von siebeneinhalb Jahren wegen versuchten Mordes verurteilt. Er hatte einem Patienten auf der Intensivstation des Klinikums Delmenhorst eine Überdosis des Herz-Medikaments Gilurytmal verabreicht - der Mann entging nur knapp dem Tod.

Im laufenden Prozess wird dem Angeklagten wiederum vorgeworfen, schwer kranken Patienten in Delmenhorst ohne ärztliche Anweisung ein Medikament gespritzt zu haben, das tödliche Herz- und Kreislaufprobleme auslösen kann. Sein Motiv laut Anklage: Langeweile und der Wunsch, seine laut eigener Einschätzung "sehr guten" Kenntnisse im Bereich der Reanimation zu praktizieren.

H. soll ältere wie jüngere, schwer kranke, aber auch auf dem Weg der Besserung befindliche Patienten getötet haben. Klappte die "Rettung" beim ersten Mal, soll er erneut versucht haben, eine Krise herbeizuführen.

Ermittelt werde nun in den Fällen, in denen der Gestorbene nicht feuerbestattet wurde, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft. Ein jeweiliges Gutachten solle dann klären, ob der Tod des Patienten sich durch seine Grunderkrankung erklären lasse. Sei dies nicht eindeutig nachzuweisen, solle der Leichnam exhumiert werden. Bei einer Obduktion werde untersucht, ob ihm das nicht verordnete Medikament verabreicht wurde. "Wenn der Patient unmittelbar daran gestorben ist, können wir das Medikament noch nachweisen."

ala/dpa

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