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Krawalle in England: Cameron droht Randalierern mit Gegenschlag

Seit vier Nächten tobt der Mob auf Englands Straßen - nun kündigt Großbritanniens Premier ein scharfes Vorgehen der Polizei an. Laut Cameron sind Teile der britischen Gesellschaft "krank, kaputt und völlig verantwortungslos".

London - Die Unruhen in England nehmen kein Ende, seit vier Nächten rauben Jugendliche Geschäfte aus, setzen Randalierer Häuser und Autos in Brand. Nun fand der britische Premier David Cameron drastische Worte für die Unruhestifter - und kündigte ein härteres Vorgehen der Sicherheitskräfte in England an.

"Teile unserer Gesellschaft sind nicht nur kaputt, sondern krank. Wenn wir zwölf- oder 13-jährige Kinder plündern sehen, wenn wir sehen, wie ein verletzter Mann ausgeraubt wird - dann wird klar, dass in unserer Gesellschaft manche Dinge schrecklich falsch laufen", sagte Cameron nach einer Sitzung des Sicherheitskabinetts am Mittwoch in London. Manchen Briten fehle jeder Sinn für Verantwortung.

Man werde nun die nötigen Maßnahmen ergreifen, um die Ordnung auf den Straßen wiederherzustellen, so der Premier. Auch den Einsatz von Wasserwerfern schließt die britische Regierung nicht mehr aus. Laut Cameron gibt es "Alternativpläne, dass Wasserwerfer innerhalb von 24 Stunden einsatzbereit sind".

Bisher hatte die Regierung den Einsatz des schweren Geräts noch ausgeschlossen. "In Großbritannien halten wir niemanden mit Wasserwerfern zurück", hatte Innenministerin Theresa May am Dienstag erklärt. Stattdessen setze sie auf die Mitarbeit der Menschen vor Ort - so funktioniere britische Polizeiarbeit. Laut einer Erhebung des britischen Boulevardblatts "The Sun" befürworten 90 Prozent der befragten Briten die Verwendung von Wasserwerfern gegen gewaltbereite Gruppen.

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England in Flammen: Gewaltwelle breitet sich aus
In Richtung der Randalierer hatte Cameron noch eine weitere Botschaft parat: "Wir brauchen einen Gegenschlag, und ein Gegenschlag wird gerade ausgeführt. Was auch immer die Polizei für nötig hält, wird ihr vom Gesetzgeber auch zur Verfügung gestellt."

Die Polizei hat ihr Vorgehen gegen die Randalierer in den vergangenen Tagen bereits verschärft. Seit dem Ausbruch der Unruhen am vergangenen Samstag wurden 1335 Menschen in Gewahrsam genommen. Auf die einzelnen Regionen verteilen sich die Festnahmen folgendermaßen:

  • Großraum London: 768

  • Großraum Manchester: 300

  • West Midlands (inklusive Birmingham): 109

  • Nottinghamshire: 84

  • Merseyside (inklusive Liverpool): 50

  • Avon und Somerset: 24

Das härtere Durchgreifen scheint nötig. In der Nacht zu Mittwoch haben die Ausschreitungen offenbar die nächsten Todesopfer gefordert. In Birmingham wurden drei Männer von einem Auto erfasst. Der Vorfall habe sich an einer Tankstelle in der Innenstadt ereignet, teilte die Polizei am Morgen mit.

Zwei Männer seien noch am Unfallort gestorben, ein dritter erlag im Krankenhaus seinen schweren Verletzungen. Vor dem Gebäude versammelten sich rund 200 Menschen, die Lage blieb aber ruhig. Die Polizei bewachte das Krankenhaus mit zahlreichen bewaffneten Einheiten.

Kurz nach dem Zusammenprall seien in der Nähe ein Auto sichergestellt und ein Mann festgenommen worden. Die Polizei leitete Ermittlungen wegen Mordes ein. Nach Informationen des "Guardian" handelt es sich bei den Toten um Briten asiatischer Herkunft. Die Gruppe soll gerade eine Moschee verlassen haben, als es zu dem tödlichen Zwischenfall kam. "Das Auto hat einen Schlenker direkt auf sie zu gemacht. Es war eiskalter Mord", sagte ein Augenzeuge der BBC.

Bisher ist nicht klar, ob der Vorfall direkt mit den Krawallen in der Stadt zu tun hat. Die BBC berichtete, die Männer hätten ihren Wohnblock vor den Randalierern schützen wollen. Sanitäter berichteten, es seien rund 80 Personen an der Tankstelle gewesen, als sie ankamen.

Massive Polizeipräsenz in London

Besonders in London hatte die Polizei ihre Kräfte zusammengezogen. Mit Erfolg: In den Stadtgebieten, in denen es in den Nächten zuvor Plünderungen und Vandalismus gegeben hatte, war die Polizei mit Mannschaftsbussen und Straßenpatrouillen unterwegs - und die Nacht verlief relativ ruhig. Insgesamt 16.000 Polizisten hatte die Stadtverwaltung aufgefahren, um eine weitere Nacht der Gewalt und der Anarchie zu verhindern.

Dafür griff der Funke der Gewalt auf andere englische Städte über. Aus Manchester, Nottingham, Birmingham und Liverpool meldeten die Behörden in der Nacht immer wieder Zusammenstöße mit gewaltbereiten Demonstranten.

jok/dpa/AP/dapd

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insgesamt 353 Beiträge
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1. Abgehoben
HBRSS 10.08.2011
Zitat von sysopSeit vier Nächten tobt der Mob auf Englands Straßen - nun kündigt Großbritanniens Premier ein scharfes Vorgehen der Polizei an. Laut Cameron sind Teile der britischen Gesellschaft "krank, kaputt und völlig verantwortungslos". http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,779469,00.html
Wie wäre es mit der Überprüfung der eigenen Entscheidungen? Jugendhilfen, Sozialhilfen extrem kürzen und sich dann wundern. Cameron ist auch nur eine Marionette.
2. Dagegen
uwe17033 10.08.2011
Zitat von sysopSeit vier Nächten tobt der Mob auf Englands Straßen - nun kündigt Großbritanniens Premier ein scharfes Vorgehen der Polizei an. Laut Cameron sind Teile der britischen Gesellschaft "krank, kaputt und völlig verantwortungslos". http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,779469,00.html
Britische Parlamentarier sind allerdings gegen Wasserwerfer-Einsatz http://www.rentner-news.de/content/Premierminister-David-Cameron-Wasserwerfer-gegen-Rebellen , meines Erachtens zu Recht.
3. Gegenschlag
steinaug 10.08.2011
Aha, ein Gegenschlag. Werden die "Jugendlichen " jetzt ohne Nachtisch ins Bett geschickt ?
4. Wow
t.h.wolff 10.08.2011
"Laut Cameron sind Teile der britischen Gesellschaft "krank, kaputt und völlig verantwortungslos." Wow. So hart ist man auf der Insel mit den Thatcheristen noch nie ins Gericht gegangen.
5. gespannt...
mcm23 10.08.2011
warte ich auf unsere Hobby-Revoluzzer, die diesen "Freiheitskampf" auch auf deutschen Straßen gegen die "deutsche Demokratie-Tyrannei" fordern...
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